AOK: Corona-Pandemie sorgt für weniger, aber längere Krankschreibungen

Magdeburg. AOK. Die Sachsen-Anhalter waren im ersten Halbjahr 2021 nicht so häufig, dafür länger krank als in den ersten sechs Monaten 2020. Laut dem aktuellen Gesundheitsbericht der AOK Sachsen-Anhalt waren die bei der AOK versicherten Beschäftigten im genannten Zeitraum durchschnittlich 15,8 Tage arbeitsunfähig. Das ist eine Steigerung von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (15,2 Tage). Der Krankenstand lag hingegen mit 6,0 Prozent um 11 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraumes (6,4 Prozent). 

Der Rückgang entspricht dem bundesweiten Trend. Hier ist der Krankenstand im Durchschnitt um 15,5 Prozent zurückgegangen. Am deutlichsten war der Rückgang beim Krankenstand wegen Krankheiten des Atmungssystems. Entfielen 2020 noch 17,9 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfälle auf Atemwegserkrankungen, waren es im 1. Halbjahr 2021 nur 12 Prozent. 

Eine Ursache für diese Entwicklung sieht René Bethke, Leiter Gesundheitsmanagement bei der AOK Sachsen-Anhalt, in der Corona-Pandemie. „Die Hygieneregeln, weniger Kontakte und die Arbeit im Homeoffice haben offensichtlich dafür gesorgt, dass die Atemwegserkrankungen signifikant zurückgingen“, so Bethke. 

Mehr Menschen wegen Muskel/Skelett krankgeschrieben, längere Ausfallzeiten wegen Psyche

Gleichzeitig sind im Land die Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen Muskel- und Skeletterkrankungen auf 17,3 Prozent gestiegen – ein Plus von rund 4 Prozent. Auch hier sieht Bethke eine Folge der Corona-Pandemie: „Eine Ursache kann darin liegen, dass viele Menschen im Homeoffice schlechtere ergonomischen Bedingungen haben als im Büro, Durch das lange Sitzen an diesen improvisierten Arbeitsplätzen ist die Haltung oft fehlerhaft, wodurch sich die Muskulatur verhärtet und verkrampft“, sagt Bethke.

Die pandemiebedingten Veränderungen in der Arbeitswelt führten insgesamt zu längeren Ausfallzeiten. Durchschnittlich 15,8 Tage waren die Sachsen-Anhalter krank, 3,9 Prozent länger als im Vorjahr. Die vier am weitesten verbreiteten Ursachen waren Muskel- und Skelettkrankheiten (22,4 Prozent), Psyche (12,2 Prozent), Verletzungen (9,6 Prozent) und Atemwegserkrankungen (8,1 Prozent). Der Bereich „Psyche“ hat dabei mit einem Plus von 3,9 Prozent am deutlichsten zugenommen.

Fast alle Landkreise mit längeren Arbeitsunfähigkeitszeiten

Regional betrachtet lag der Krankenstand in Sachsen-Anhalt im ersten Halbjahr zwischen durchschnittlich 5,4 Prozent in den kreisfreien Städten Halle sowie Magdeburg und 6,5 Prozent in den Landkreisen Mansfeld-Südharz und Börde. Der größte Rückgang war mit einer Veränderung von -16 Prozent im Landkreis Harz zu verzeichnen. Auch in der Landeshauptstadt (-15,3 Prozent), Dessau-Roßlau (-13,9 Prozent) und dem Landkreis Wittenberg (-13,8 Prozent) sank der Krankenstand deutlich über dem Landesdurchschnitt (-11 Prozent). 

Betrachtet man die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, ergab sich lediglich im Altmarkkreis Salzwedel keine Veränderung zum Vorjahr. Im Landkreis Stendal ging der Wert um -0,6 Prozent leicht und im Landkreis Börde um -4,6 Prozent deutlich zurück. In allen anderen Landkreisen und den kreisfreien Städten steht ein Plus. Die durchschnittliche Krankheitsdauer stieg zwischen 2,5 Prozent im Burgenlandkreis und 8 Prozent im Landkreis Harz (Magdeburg 6,3 Prozent; Halle 4,4 Prozent). Mit durchschnittlich 14,3 Krankheitstagen je Fall waren die Hallenser am schnellsten wieder fit. Die Harzer brauchten mit 17,3 Tagen am längsten zur Genesung.

Flexibilität bei Unternehmen sorgte für besseren Gesundheitszustand in der Pandemie

Dass sich die Pandemie auf die Arbeitswelt auswirkt, hat auch eine im Frühjahr 2021 im Rahmen des Gesundheitsberichts durchgeführte bundesweite Befragung von mehr als 2.500 Beschäftigten zwischen 20 und 65 Jahren ergeben. Für 80 Prozent der Beschäftigten hatte sich die persönliche Arbeitssituation verändert. Fast 70 Prozent arbeiteten im Homeoffice, über 60 Prozent berichten von einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten. 

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Je anpassungsfähiger und flexibler Beschäftigte sich selbst und ihr Unternehmen in der Pandemie empfunden haben, desto besser bewerten sie ihren Gesundheitszustand und ihr individuelles Wohlbefinden. Ein Indikator hierfür ist die Resilienz, also die Fähigkeit Belastungssituationen zu trotzen und sie gestärkt zu überwinden. Beschäftigte, die der Resilienz ihres Unternehmens besonders gute Noten geben, hatten im Schnitt 7,7 krankheitsbedingte Fehltage in den letzten zwölf Monaten. Bei Erwerbstätigen, die die Unternehmensresilienz besonders schlecht bewerten, waren es dagegen 11,9.

Bethke ruft deshalb gerade vor dem Hintergrund der großen Veränderungen der Arbeitswelt auf, die AOK-Angebote zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu nutzen. Mit auf die Betriebe zugeschnittene Analysen können Verbesserungspotenziale identifiziert und gemeinsam Lösungen gefunden werden.