Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt: Erfolg, der sich sehen lassen kann

Hochwasserschutz

Seit 2002 wurden knapp 1,5 Milliarden Euro in Hochwasserschutz investiert

Magdeburg. STK/LSA. Das Kabinett hat den Abschlussbericht zur Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt bis 2020 (HWSK) zur Kenntnis genommen. Nach den verheerenden Hochwasserereignissen in den Jahren 2002 und 2013 bildete die Hochwasserschutzkonzeption den „Masterplan“ zur umfassenden Schadensbeseitigung und zur Ertüchtigung der Hochwasserschutzanlagen des Landes. Im Zeitraum von 2002 bis 2020 wurden rund 1,44 Milliarden Euro investiert, um die Menschen im Land nachhaltig vor Hochwasser zu schützen.

Dank an MitarbeiterInnen für Bewältigung der Mammutaufgabe

Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert sagte dazu: „Diese finanzielle Bilanz verdeutlicht die enormen Anstrengungen des Landes, den Hochwasserschutz massiv zu verbessern. Im Namen der Landesregierung danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor allem des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft sowie des Landesverwaltungsamtes, dafür, dass sie diese Mammutaufgabe bis heute so erfolgreich bewältigt haben. 2002 befanden sich nur etwa fünf Prozent der bestehenden Hochwasserschutzanlagen in einem guten und den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechenden Zustand. Heute sind nur noch 4,7 Prozent oder lediglich 65 Kilometer nicht standsicher bzw. noch dringend zu sanieren. Das ist ein Erfolg, der sich sehen lassen kann!“

Von der Deichsanierung zur Gewinnung von Retentionsräumen

Alle Schwerpunkte, die in der Hochwasserschutzkonzeption gesetzt wurden, sind umfangreich bearbeitet und weitestgehend umgesetzt worden.

Dazu gehören:

  • Deichsanierungen;
  • Grundlagenarbeit, wie Vermessungen und Berechnung von Deichbruchszenarien;
  • Sicherung und Festsetzung von Überschwemmungsgebieten, rund 139.000 Hektar;
  • Modernisierung des Hochwassermelde- und Vorhersagedienstes;
  • Errichtung von Hochwasserrückhaltebecken;
  • Rückgewinnung von Retentionsräumen.

Mithilfe des 2017 ins Leben gerufenen Programms „Mehr Raum für unsere Flüsse – Aufgabe für Generationen“ sollen verlorengegangene Überschwemmungsgebiete zurückgewonnen werden. Das Programm umfasst landesweit 33 Maßnahmen für Deichrückverlegungen und Polder, mit denen eine zusätzliche Retentionsfläche von rund 16.000 Hektar gewonnen werden soll.

Mit Blick auf die bevorstehende Aufgabe sagte Dalbert: „Raum für unsere Flüsse zu schaffen, indem wir Deiche zurückverlegen, Möglichkeiten zum Hochwasserrückhalt schaffen und unsere Flüsse an ihre ursprünglichen Auen anbinden – das ist eine Generationenaufgabe. Im Ergebnis werden Flusslandschaften entstehen, die im Falle einer Überschwemmung als natürlicher Wasserspeicher dienen und damit eine Entlastung der Flüsse bewirken. Damit tun wir etwas Gutes für den Hochwasserschutz und den Artenschutz. Die Auenwälder werden auch in Trockenzeiten und bei Niedrigwasser davon profitieren.“

Bis heute konnten im Land Sachsen-Anhalt durch abgeschlossene Deichrückverlegungen bereits 1.860 Hektar Retentionsflächen wiedergewonnen werden. Seit 2009 befindet sich der Flutpolder Rösa in Bau. Die voraussichtliche Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen. Dieser Flutpolder wird gemeinsam mit dem auf sächsischer Seite errichteten Flutpolder Löbnitz den Hochwasserschutz an der Mulde signifikant verbessern.

Kommunaler Hochwasserschutz: 133 Maßnahmen seit 2016 gefördert

Hochwasserschutz erfolgt auf allen Ebenen, auch in den Kommunen. Bei konzeptionellen Planungen, der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen sowie der Ausstattung von Wasserwehren wurden die Kommunen durch das Land finanziell unterstützt. Neben Maßnahmen des Hochwasserschutzes bleibt auch der operationelle Einsatz im Hochwasserfall ein wichtiger Baustein der Hochwasserbewältigung. Wichtig war es daher, auch die Ausstattung der Wasserwehren in den Landkreisen zu verbessern.

Mit der seit 8. Dezember 2015 in Kraft getretenen „Förderrichtlinie Kommunaler Hochwasserschutz“ erfolgt eine Unterstützung von bis zu 80 Prozent der jeweiligen Kosten. Seit dem Jahr 2016 wurden bis zum 31.12.2020 von den Gemeinden 175 Fördermaßnahmen zum kommunalen Hochwasserschutz beantragt, wovon 133 Maßnahmen in einem Umfang von 15,9 Millionen Euro bewilligt wurden.

Hintergrund
Ziel der Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt bis 2020 (HWSK) war, nach den extremen Hochwasserereignissen 2002 und 2013 die Funktionsfähigkeit der Hochwasserschutzanlagen im Land wiederherzustellen und auf der Grundlage neuer Erkenntnisse zu verbessern sowie konsequent weiter in einen modernen und nachhaltigen Hochwasserschutz zu investieren.

Die HWSK hat den Landeshochwasserschutz auf seinem Weg von einem zunächst sehr technisch ausgerichteten Hochwasserschutz hin zu einem zukunftsorientierten, nachhaltigen Hochwasserrisikomanagement geleitet, so, wie es auch die Umsetzung der 2007 in Kraft getretenen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie der EU verlangt.