Universitätsmedizin beteiligt sich an Forschungsprojekt zur Suizidprävention

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Halle/UMH. Nach einem Suizidversuch ist das Risiko für einen erneuten Versuch erhöht. Dennoch fehlen vielerorts Behandlungsangebote, die genau hier gezielt ansetzen und nicht ausschließlich an eine bestimmte Diagnose gebunden sind. Die Universitätsmedizin Halle beteiligt sich deshalb an einer Studie, in der ein Behandlungsprogramm untersucht wird, das speziell auf Menschen nach einem Suizidversuch zugeschnitten ist.

Hohes Suizidrisiko in Sachsen-Anhalt

Die Suizidrate in Sachsen-Anhalt liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Zugleich ist von einer hohen Dunkelziffer bei Suizidversuchen auszugehen – Studien schätzen deren Zahl in Deutschland auf mehrere hunderttausend pro Jahr. Kritisch ist auch die Zeit nach einem Suizidversuch, da Betroffene in dieser Phase besonders gefährdet sind.

Spezialisierte Behandlung nach einem Suizidversuch

„Die zugrundeliegende psychische Erkrankung zu behandeln, ist wichtig, reicht aber allein nicht immer aus, um das Risiko für einen erneuten Suizidversuch ausreichend zu verringern. Nach einem solchen Ereignis braucht es deshalb auch eine Behandlung, die die individuelle Krise und ihre Auslöser gezielt in den Blick nimmt“, erklärt Dr. Tim Johannes Krause, Oberarzt an der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle. Er leitet den einzigen Studienstandort in Sachsen-Anhalt, an dem das in Jena entwickelte Behandlungsprogramm „RISE“ (Relapse Prevention Intervention after Suicidal Event) untersucht wird.

RISE soll Betroffene dabei unterstützen, persönliche Warnsignale frühzeitig zu erkennen, Krisen besser zu bewältigen und gemeinsam konkrete Strategien für schwierige Situationen zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem zurückliegenden Suizidversuch und seinen individuellen Auslösern. Dazu finden innerhalb von vier Wochen fünf therapeutische Sitzungen statt. Auch Erfahrungen von Bezugspersonen und Angehörigen können einfließen. Die Behandlung ergänzt die übliche Therapie der jeweiligen psychischen Erkrankung.

Klinische Studie untersucht Wirksamkeit

In einer vorherigen Machbarkeitsstudie wurde das Programm bereits erfolgreich erprobt. Nun soll eine kontrollierte klinische Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Jena eine wissenschaftlich belastbare Grundlage schaffen. Dabei wird untersucht, ob das Programm erneuten Suizidversuchen besser vorbeugen kann als die bisherige Standardbehandlung. Insgesamt sollen ca. 350 Patient:innen teilnehmen: Die eine Hälfte erhält die Standardbehandlung, die andere zusätzlich RISE. Beide Gruppen werden anschließend bis zu einem Jahr begleitet. Dabei werden unter anderem erneute Suizidversuche, das Befinden und die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen erfasst.

Ziel: Unterstützung in der sensiblen Zeit nach einem Suizidversuch

„Unser Ziel ist eine Behandlung, die Betroffene nicht erst bei der nächsten Krise erreicht, sondern ihnen gerade in der besonders sensiblen Zeit nach einem Suizidversuch spezialisierte Unterstützung bietet. Die Studie soll zeigen, ob sich ein solcher Ansatz auch langfristig in der Versorgung etablieren lässt“, betont Dr. Krause.

Sechs Kliniken an der Studie beteiligt

An der Studie beteiligen sich sechs Kliniken aus fünf Bundesländern: das Universitätsklinikum Jena, die Universitätsmedizin Halle, die Universitätsmedizin Frankfurt, die Bezirkskliniken Mittelfranken, das Städtische Klinikum Dresden und das Klinikum Hanau. Das Projekt wird durch den Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert.

Hinweis:
Falls Sie unter einer seelischen Belastung leiden oder selbstmordgefährdet sind, erhalten Sie Hilfe bei der Telefonseelsorge. Wählen Sie die Nummer 0800 111 0 111 und reden Sie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern! Diese werden Ihnen helfen.
Wenn Sie glauben, dass jemand selbstmordgefährdet ist und Sie seine Kontaktdaten haben, sollten Sie dies umgehend Ihrer Polizeidienststelle melden, damit diese dem/der Betroffenen helfen kann. Es ist auch hilfreich, den/die Betroffene/n dazu zu ermutigen, mithilfe der oben genannten Kontaktdaten eine Hotline zur Suizidprävention zu kontaktieren.