Halle/PSt. Aron Boks ist der Stadtschreiber der Stadt Halle (Saale) im Jahr 2026. Das Ergebnis der Fachjury wurde am 8. April 2026 in der nichtöffentlichen Sitzung des Kulturausschusses bestätigt. Aron Boks nimmt das Stadtschreiber-Stipendium von April bis 30. September 2026 wahr. Über diesen Zeitraum erhält der Stipendiat ein monatliches Salär in Höhe von 1.250 Euro, und die Stadt stellt mit Unterstützung der Halleschen Wohnungsgesellschaft mbH eine möblierte Wohnung sowie ein Deutschland-Ticket zur Verfügung.
In einer ersten Reaktion sagte Aron Boks: „Als ich die Zusage bekam, habe ich sofort meine Freundin angerufen und durch den ganzen Bus gerufen: ‚Ist das nicht geil? Dann können wir den Sommer in Halle verbringen!‘ Ich war hier bereits während meiner Recherchen zu meinen letzten zwei Büchern. Jetzt will ich diese Stadt ganz neu kennenlernen. Vor zehn Jahren bin ich von Sachsen-Anhalt nach Berlin gezogen – jetzt für eine Weile wieder in meinem Heimatbundesland zu wohnen, macht mich richtig glücklich.“
Die Beigeordnete für Kultur und Sport und Vorsitzende der Jury, Dr. Judith Marquardt: „Mit der Ernennung von Aron Boks zum Stadtschreiber 2026 ehrt die Stadt einen Autor, der Journalismus und Literatur auf beeindruckende Weise verbindet und dabei Fragen von Herkunft, Identität und Erinnerung im vereinten Deutschland poetisch wie essayistisch auslotet. Seine Bücher, seine Arbeit als Slam-Poet und seine Gesprächsreihen über die Nachwendegeneration zeigen eine Stimme, die persönliche Geschichte und kollektives Gedächtnis auf ungewöhnliche Weise zusammendenkt – das hat die Jury überzeugt.“
Als Stadtschreiber möchte Aron Boks in einem partizipativen Projekt die Stadt Halle (Saale) über ihre Begegnungsorte ergründen – vom Fußballstammtisch bis zur Kaffeegesellschaft. Er sucht Orte, an denen Generationen und Szenen verschmelzen, und möchte dafür mit den Menschen der Stadt ins Gespräch kommen, denn: „Nichts wäre langweiliger, als hier zu wohnen, ohne die vielen Facetten der Stadt kennenzulernen.“
Aron Boks wurde 1997 in Wernigerode geboren. Er studierte zunächst an der Freien Universität Berlin und lebt heute als Autor, Slam-Poet und Moderator in Berlin-Charlottenburg. Seine ersten Poetry-Slam-Auftritte hatte er Ende 2015 auf den Poetry Slam Bühnen von Sachsen-Anhalt. Er veröffentlichte dann auch erste Texte. 2019 wurde er mit dem Klopstock-Förderpreis für Neue Literatur ausgezeichnet. Er ist Gründungsmitglied des PEN Berlin und moderiert neben seiner schriftstellerischen Arbeit literarische Gesprächsreihen, in denen Nachwendekinder aus Ost- und Westdeutschland über Geschichte und Identität im vereinten Deutschland diskutieren. In seinem 2023 bei HarperCollins erschienenen Buch Nackt in die DDR begibt sich Boks auf die Lebensspuren seines Urgroßenkels, Künstlers und Funktionärs Willi Sitte, und erforscht, was die deutsch-deutsche Geschichte für seine eigene Generation bedeutet. Sein jüngstes Werk Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt (2025) führt diese Auseinandersetzung fort und erzählt eine persönliche, ungewöhnliche Geschichte der DDR – über Konsum, Design und die Leuchtkraft vergangener Dinge.