NGG Leipzig-Halle-Dessau fordert abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren

Foto/Montage: NGG | Tobias Seifert.

In Halle (Saale) gehen pro Jahr 1.690 Beschäftigte in Rente

Halle/NGG. In den kommenden Jahren werden in Halle im Schnitt rund 1.690 Beschäftigte pro Jahr in Rente gehen. Bis zum Jahr 2035 werden dann insgesamt rund 52.800 Menschen im Ruhestand sein. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen. Die NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau bezieht sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.

Für alle, die künftig in den Ruhestand gehen, will die Gewerkschaft eines erreichen: die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung sorgt nach Beobachtung der NGG Leipzig-Halle-Dessau für erhebliche Verunsicherung. Vor allem Beschäftigte, die kurz vor dem Erreichen der 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung stehen oder diese bereits erfüllt haben, blickten mit Sorge auf die Pläne. „Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau, Christian Ullmann.

Wer früh ins Berufsleben startet, dürfe dafür nicht bestraft werden. „Entgegen einem weit verbreiteten Eindruck sind viele Menschen mit langen Erwerbsbiografien keine Spitzenverdiener. Sie sind auf eine verlässliche und ungekürzte gesetzliche Rente angewiesen. Das gilt für die Menschen in der Lebensmittelproduktion ebenso wie die Beschäftigten in Bäckereien, Kantinen und Restaurants in Halle“, so Ullmann.

NGG warnt vor Einbußen bei der Rente

Die NGG warnt die Bundesregierung davor, bei der geplanten Rentenreform die Lebensleistung langjährig Versicherter aus dem Blick zu verlieren. Denn das betreffe viele: Unter den knapp 241.000 Männern, die Ende des vergangenen Jahres in Sachsen-Anhalt eine gesetzliche Altersrente bezogen haben, sind nach Angaben der Gewerkschaft immerhin rund 121.900 Beschäftigte gewesen, die 45 Jahre oder länger in die Rentenkasse eingezahlt haben. Unter den knapp 298.000 Frauen waren es rund 69.400. Die NGG-Region Leipzig-Halle-Dessau beruft sich dabei auf Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Gewerkschaft lehnt höheres Renteneintrittsalter ab

Die Gewerkschaft appelliert an CDU/CSU und SPD, die Rentenreform sozial auszugestalten. Mit Ablehnung reagiert die Gewerkschaft NGG dabei auf eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. Sie fordert die Bundesregierung auf, darauf zu verzichten: „Es wird dabei immer wieder auf eine steigende Lebenserwartung verwiesen. Doch wer körperlich belastend arbeitet, kann nicht beliebig länger arbeiten“, warnt Ullmann. Für diese Beschäftigten sei die Erhöhung des Renteneintrittsalters nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür.

Kritisch sieht die Gewerkschaft zudem die geplante Kapitalrente. Die gesetzliche Rente müsse verlässlich bleiben und dürfe nicht von den Risiken der Finanzmärkte abhängen. Zudem spricht sich die NGG dafür aus, das Rentenniveau weiterhin an die Lohnentwicklung zu koppeln.