Halle/Dekra. „In Sachen Verkehrssicherheit kann es in Mitteldeutschland nach wie vor keine Entwarnung geben.“ Das betonte der DEKRA Gebietsleiter Ost, Mario Schwarz, bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ in Leipzig.
Zwar habe sich die Zahl der Verkehrstoten je eine Million Einwohner in allen drei mitteldeutschen Bundesländern verbessert: In Thüringen sank sie von 45 auf 44, in Sachsen-Anhalt von 52 auf 47 und in Sachsen von 47 auf 35.
Auch die absolute Zahl der Verkehrstoten ging zurück, ergänzte der DEKRA Niederlassungsleiter Leipzig, Patrick Neumann: in Sachsen von 144 auf 143, in Thüringen von 96 auf 93 und in Sachsen-Anhalt besonders deutlich von 111 auf 101.
Trotz dieser positiven Entwicklung liegen alle drei Länder weiterhin über dem Bundesdurchschnitt. „Es bleibt dabei: In Mitteldeutschland ist in Sachen Verkehrssicherheit noch einiges zu tun“, so Schwarz.
Mit Blick auf die Aussage der Inspekteurin der sächsischen Polizei, Sonja Penzel, wonach Verkehrssicherheitsarbeit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, schloss sich Schwarz ausdrücklich an. Wie die Polizei leiste auch DEKRA ihren Beitrag zur Verkehrssicherheit. Sein Appell an alle Verkehrsteilnehmenden: mehr Rücksicht im Straßenverkehr. Die Veränderungen in der Mobilität stellten viele Menschen bereits heute vor große Herausforderungen. „Insofern hilft nur: Rücksicht, Rücksicht und nochmal Rücksicht.“
Arbeitsplatz Straßenverkehr: Hohe Risiken erfordern mehr Prävention
Im Mittelpunkt des diesjährigen Verkehrssicherheitsreports stehen Menschen, die im Straßenverkehr arbeiten. Der öffentliche Straßenraum sei nicht nur Verkehrs-, Aufenthalts- und Lebensraum, sondern für Millionen Menschen auch Arbeitsplatz – und jedes Jahr Schauplatz zahlreicher schwerer oder tödlicher Unfälle. „Es gilt unbedingt, genauer hinzuschauen, die Ursachen zu analysieren und herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sich Unfälle vermeiden oder zumindest in ihren Folgen mindern lassen“, sagte Schwarz.
Der inzwischen 19. DEKRA Verkehrssicherheitsreport beleuchtet das Thema aus Sicht der Unfallanalytik, Verkehrspsychologie, Fahrzeugtechnik, Infrastruktur und Gesetzgebung und zeigt konkrete Ansätze zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf.
Berufskraftfahrerinnen und -fahrer legen jährlich oft mehr als 100.000 Kilometer zurück und sichern die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft. Beschäftigte auf Baustellen sorgen für den Erhalt und Ausbau der Straßeninfrastruktur. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bewegen sich bei ihren Einsätzen in einem Umfeld, das jederzeit unvorhersehbare Situationen bereithält. Diese Beispiele verdeutlichen die Vielfalt und die besonderen Herausforderungen des „Arbeitsplatzes Straßenverkehr“.
Zu den Unfallursachen zählen unter anderem ungünstige Witterung, hohes Verkehrsaufkommen, technische Defekte sowie das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender. Hinzu kommen Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten, monotone Fahrsituationen, fehlende Erholungsphasen sowie hohe Leistungsanforderungen. Müdigkeit zählt dabei zu den größten Risikofaktoren, weil sie Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen erheblich beeinträchtigt. Studien zufolge steigt das Unfallrisiko bei Schlafmangel um das Achtfache.
„Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie gezielte Gesundheitsförderung können Übermüdung, Stress und Fehlbeanspruchung reduzieren und damit die Unfallgefahr senken“, so Schwarz.
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung.
10 DEKRA-Forderungen für mehr Verkehrssicherheit
- Konsequenter Schutz von Arbeitsstellen im Straßenraum
- Vollständige und differenzierte Erfassung arbeitsbezogener Verkehrsunfälle
- Nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Transportwesen
- Systematische Reduktion der Risiken bei Einsatzfahrten
- Konsequente Überwachung der Vorschriften zur Ladungssicherung
- Einhaltung und Weiterentwicklung der Gefahrgutvorschriften
- Strenge Kontrolle und Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten
- Ausbau sicherer, beleuchteter und überwachter Lkw-Parkplätze
- Verbindliche Einführung von Gesundheitsförderprogrammen für Berufskraftfahrende
- Hochautomatisiertes Fahren nur unter klar definierten Sicherheitsbedingungen