Vom digitalen Führerschein bis zu neuen Fahrer-Assistenzsystemen
Halle/Dekra. Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland bringt das Jahr 2026 eine Reihe von Veränderungen mit sich. Einige davon betreffen formale Pflichten wie Führerschein oder Kfz-Steuer, andere wirken sich direkt auf Kosten, Technik und Mobilität aus. Insgesamt zeichnet sich ein Jahr ab, das stärker von Digitalisierung, Klimapolitik und neuen EU-Vorgaben geprägt ist. Nach Angaben von Steffen Hampel, DEKRA Niederlassungsleiter in Halle, stehen u.a folgende Änderungen an:
Digitalisierung Führerschein
Ein zentrales Thema ist der Führerschein. Wer einen Kartenführerschein besitzt, der zwischen 1999 und 2001 ausgestellt wurde, muss diesen spätestens bis zum 19. Januar 2026 umtauschen. Der Umtausch ist verpflichtend, auch wenn die Fahrerlaubnis selbst bestehen bleibt. Wer die Frist versäumt, riskiert ein Verwarnungsgeld.
Gleichzeitig rückt der digitale Führerschein näher. Deutschland plant, ab Ende 2026 eine Smartphone-Version des Führerscheins einzuführen, die bei Verkehrskontrollen anerkannt werden soll. Der klassische Führerschein aus Plastik bleibt zwar weiterhin gültig, soll aber zunehmend ergänzt werden.
Neue Technik- und Umweltstandards
Auf europäischer Ebene wirft bereits die kommende Euro-7-Abgasnorm ihre Schatten voraus. Zwar gilt sie formell erst ab Ende 2026 für neue Fahrzeugtypen und ab 2027 für alle Neuzulassungen, doch die Auswirkungen werden schon früher spürbar. Erstmals werden nicht nur Abgase, sondern auch Brems- und Reifenabrieb sowie Batteriealterung reguliert. Das betrifft auch Elektrofahrzeuge und dürfte Fahrzeuge langfristig teurer, aber sauberer machen.
Ebenfalls technisch relevant ist das Notrufsystem eCall. Künftig soll es über moderne Mobilfunkstandards wie LTE oder 5G funktionieren, da ältere 2G-Netze schrittweise abgeschaltet werden. Für Neufahrzeuge wird das zur Pflicht.
Kosten Autofahren
Finanziell müssen sich Autofahrer 2026 auf steigende Belastungen einstellen. Die CO₂-Bepreisung auf Kraftstoffe wird voraussichtlich weiter erhöht. Benzin und Diesel dürften dadurch erneut teurer werden – ein Effekt, der insbesondere Vielfahrer und Pendler trifft.
Auch die Kfz-Steuer ändert sich organisatorisch: Ab 2026 ist sie vollständig im Voraus zu entrichten. Die bisher mögliche unterjährige Zahlung entfällt. Für viele Haushalte bedeutet das eine höhere Einmalbelastung.
Hinzu kommt die jährliche Anpassung der Typ- und Regionalklassen in der Kfz-Versicherung. Je nach Wohnort und Fahrzeugmodell kann das zu höheren, aber auch niedrigeren Beiträgen führen – ein Versicherungsvergleich lohnt sich daher mehr denn je.
Steuerliche Entlastung
Einen Lichtblick gibt es bei der Pendlerpauschale. Die Entfernungspauschale beträgt dauerhaft 38 Cent pro Kilometer – und zwar ab dem ersten Kilometer. Diese Regelung gilt auch über 2026 hinaus und entlastet insbesondere Berufspendler mit längeren Arbeitswegen steuerlich.
Förderung Elektromobilität
Die Kfz-Steuerbefreiung für reine E-Autos wird verlängert. Fahrzeuge, die bis 2030 erstmals zugelassen werden, können je nach Regelung bis spätestens 2035 steuerfrei bleiben.
Zudem ist für 2026 eine neue Kaufprämie für Elektroautos vorgesehen. Sie soll vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zugutekommen und liegt voraussichtlich bei bis zu 4.000 Euro.
Fristen und Pflichten
Fahrzeuge mit blauer HU-Plakette sind 2026 zur Hauptuntersuchung fällig und erhalten anschließend eine braune Plakette. Wer die Frist überschreitet, riskiert Bußgelder und im Ernstfall Punkte in Flensburg.
Neue Fahrerassistenzsysteme
Ab 7. Juli 2026 müssen alle neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge in der EU mit folgenden weiteren Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet sein:
- Fahrer-Ablenkungs- und Aufmerksamkeitssysteme
System zur Überwachung von Aufmerksamkeit und Ablenkung des Fahrers (z. B. Blick- und Kopfbewegungen). - Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung
Das Fahrzeug erkennt gefährdete Verkehrsteilnehmer automatisch und kann selbstständig abbremsen, um einen Zusammenstoß zu verhindern oder abzumildern. - Spurhalteassistent auch für Fahrzeuge mit hydraulischer Servolenkung
Unterstützt beim Halten der Fahrspur und kann gegen unbeabsichtigtes Verlassen eingreifen bzw. warnen. - Intelligenter Geschwindigkeitsassistent
Erfasst Tempolimits (z. B. via Verkehrszeichenerkennung und Karten) und hilft beim Einhalten der zulässigen Geschwindigkeit. - Müdigkeits- und Aufmerksamkeitserkennung
System erkennt Zeichen von Ermüdung oder Sekundäraufmerksamkeit (z. B. wegen Handygebrauch) und gibt Warnsignale aus.