Halle. BSt. Im Schwarzbuch 2026 kritisiert der Bund der Steuerzahler die drastisch gestiegenen Kosten für die Westumfahrung von Halle (Saale). Besonders der letzte Abschnitt der A143, der den Autobahnring um Halle und Leipzig schließen soll, sorgt seit Jahren für Diskussionen.
Ein Projekt voller Verzögerungen und Streitigkeiten
Von den insgesamt 21,6 Kilometern der Westumfahrung sind seit Oktober 2004 lediglich neun Kilometer zwischen Halle‑Süd und Halle‑Neustadt befahrbar. Der noch fehlende Nordabschnitt – rund 13 Kilometer von Halle‑Neustadt bis zum geplanten Autobahndreieck Halle‑Nord und zur A14 – sollte ursprünglich etwa 151 Millionen Euro kosten. Doch der 2005 erlassene Planfeststellungsbeschluss erwies sich als rechtswidrig. Der Bau wurde gestoppt, ein jahrelanger Rechtsstreit folgte und endete erst 2019 vor dem Bundesverwaltungsgericht. Am 3. Dezember 2019 erfolgte schließlich der feierliche Baubeginn.
Kosten steigen und steigen
Die Verzögerungen hatten gravierende finanzielle Folgen:
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2019: Geplante Gesamtkosten mindestens 350 Mio. Euro, Fertigstellung 2025
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2022: Neue Prognose: rund 443 Mio. Euro, Fertigstellung verschoben auf 2028
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2026: Aktueller Stand: Inbetriebnahme erst 2030, Gesamtkosten nun rund 726 Mio. Euro
Davon entfallen rund 717 Mio. Euro auf den Bund, wie das Bundesverkehrsministerium dem Steuerzahlerbund am 8. Mai 2026 mitteilte. Als Gründe nennt das Ministerium steigende Baupreise – insbesondere im Ingenieurbau –, höhere Aufwendungen für die Altbergbausanierung sowie zusätzliche Anforderungen im Artenschutz, die Anpassungen an mehreren Brückenbauwerken nötig machten.
Hohe technische Anforderungen
Der Nordabschnitt gilt bautechnisch als besonders anspruchsvoll: Altbergbaugebiete, die Saale und mehrere Naturschutzflächen müssen überquert werden. Große Brücken, Tunnel und Grünbrücken waren bereits in der Planungsphase als komplexe Bauwerke erkennbar.
Ein finanzielles Desaster für Steuerzahler
Der Bund der Steuerzahler spricht von einem „desaströsen“ Projekt. Bundesweit sei kaum ein Autobahnabschnitt zu finden, bei dem ein Kilometer fast 60 Millionen Euro kostet. Da die letzte Kostenfortschreibung aus dem Jahr 2023 stammt, hält der Steuerzahlerbund weitere Kostensteigerungen für möglich.