Gewerkschaft fordert Lösungen für Chemieunternehmen in Leuna: „Wir geben Domo nicht auf“

Leunawerke
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Halle. PSt. Den am 08.01.2026 bekannt gewordenen drohenden Produktionsstopp bei Domo Chemicals aufgrund von Finanzierungsproblemen kritisiert die Chemiegewerkschaft IGBCE stark. Sie erwartet jetzt von allen Beteiligten weiter an Lösungen für die rund 650 Beschäftigten zu arbeiten, deren Arbeitsplätze akut auf dem Spiel stehen.

„Die Insolvenz und die gestrige Ankündigung, die Produktion nicht fortführen zu können, ist eine weitere Hiobsbotschaft für die Beschäftigten bei Domo und für die gesamte Region“, erklärt Norman Friske, IGBCE-Bezirksleiter Sachsen-Anhalt. Er betont: „Wir sind in starker Sorge um rund 650 gute, tarifliche abgesicherte Industriearbeitsplätze und um die Auswirkungen in der Region.”

Das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals hatte am Donnerstag verkündet, den Betrieb an seinen drei deutschen Standorten einzustellen. Der Grund dafür sei, dass die Verhandlungen mit den Gläubigern um ein kurzfristiges sogenanntes Massedarlehen gescheitert seien. Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna (Sachsen-Anhalt) beschäftigt, rund 80 weitere außerdem in Premnitz (Brandenburg).

Stephanie Albrecht-Suliak, Leiterin der IGBCE Nordost, fordert: „Alle Beteiligten – von den Eigentümern, verbundenen Unternehmen bis hin zur Politik – müssen jetzt alles tun, um den Weiterbetrieb sicherzustellen.“ Sie erwarte, dass Gespräche fortgeführt würden, um Lösungen zu finden und die Produktion zu erhalten. Wir geben Domo nicht auf. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten und kämpfen für den Erhalt der Produktion und die Stabilität im gesamten Chemieverbund in Mitteldeutschland.”

In Ostdeutschland seien in den vergangenen Monaten bereits zu viele gute Industriearbeitsplätze verloren gegangen. „Zu viele Anlagen und Werke wurden schon geschlossen. Das darf und das kann so nicht weitergehen. Wir werden nicht akzeptieren, wie industrielle Kernkompetenzen und damit das Rückgrat der Industrie und des sozialen Zusammenhalts hier im Chemiecluster Mitteldeutschland und überall in Ostdeutschland aufgegeben wird.“

Um auf die dramatische Situation in der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie aufmerksam zu machen, hatte die IGBCE Nordost im Dezember bereits mit einem Chemiegipfel reagiert: Mit einem eindringlichen Appell an die Bundesregierung warnten die Sozialpartner der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie vor dem Verlust tausender guter Industriearbeitsplätze und legten einen Fünf-Punkte-Plan für die ostdeutsche Chemieindustrie vor. Mehr als 63.000 Arbeitsplätze, die einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro erwirtschaften, stehen hier auf dem Spiel.