Forschende der MLU veröffentlichen Daten aus fast 150 Jahren Agrarforschung

Blick auf die Versuchsstation "Julius Kühn", auf der sich der Ewige Roggen befindet. Foto: Uni Halle / Maike Glöckner.

Halle/MLU. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hat die gesamten Daten des ältesten laufenden Dauerfeldversuchs Deutschlands vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Der „Ewige Roggenbau“ läuft seit 1878 kontinuierlich auf einem Versuchsfeld in Halle.

Bislang lagen die Aufzeichnungen größtenteils nur in Hand- oder Maschinenschrift vor. Nun können Forschende weltweit auf die umfangreichen Daten zu Erträgen, Bodenwerten und Wetterbedingungen zugreifen. Sie bieten eine wertvolle Grundlage, um Anbausysteme besser zu verstehen und Ernteerträge unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässiger vorherzusagen.

Das MLU-Team nutzt die historischen Daten außerdem, um einen digitalen Zwilling des Versuchsfelds zu entwickeln und die Umweltwirkungen verschiedener Anbausysteme zu untersuchen.

Ein Versuchsfeld mit fast 150 Jahren Geschichte

Der „Ewige Roggenbau“ geht auf Julius Kühn zurück. Er wurde 1862 an der Universität Halle als deutschlandweit erster Professor für Landwirtschaft berufen. 1878 legte Kühn selbst das rund 6.000 Quadratmeter große Versuchsfeld an. Seitdem wird dort jedes Jahr Winterroggen angebaut.

Das Feld ist in mehrere Parzellen unterteilt. Auf ihnen wird untersucht, wie sich unterschiedliche Düngemethoden langfristig auf Pflanzen und Boden auswirken. Eine besondere Rolle spielt dabei die sogenannte Nullparzelle: Sie wird seit 1878 überhaupt nicht gedüngt.

Der „Ewige Roggenbau“ ist der älteste laufende Dauerfeldversuch Deutschlands und der zweitälteste weltweit. Er befindet sich in der Lehr- und Versuchsstation der MLU im Osten von Halle. Seit 2007 steht die komplette Versuchsstation einschließlich des Dauerfeldversuchs auf der Denkmalliste des Landes Sachsen-Anhalt.

Wertvolles Datenarchiv aus mehreren Jahrhunderten

„Die Daten des Ewigen Roggenbaus sind ein wertvolles Archiv über die Langzeitwirkungen unterschiedlicher Düngemethoden auf Pflanzen und Boden. Bislang waren diese nur in Auszügen für die Fachwelt verfügbar“, sagt die Agrarwissenschaftlerin Prof. Dr. Janna Macholdt von der MLU.

Ein großer Teil der seit dem Kaiserreich erhobenen Daten lag noch in handschriftlicher Form vor. Später wurden die Aufzeichnungen mit der Schreibmaschine festgehalten. Die umfangreichen Datensätze wurden von Dr. Karolin Kunz aus Macholdts Arbeitsgruppe aufbereitet und digitalisiert.

Neue Möglichkeiten für die Forschung

Mit der Veröffentlichung stehen die Daten nun Forschenden aus aller Welt zur Verfügung. Sie können damit beispielsweise historische Entwicklungen bei Erträgen untersuchen und den Einfluss klimatischer Veränderungen analysieren.

„Damit sind historische Trendanalysen zum Beispiel zum Ertrag und zu klimatischen Effekten möglich. Für Halle liegen Klimadaten seit 1850 vor“, sagt Macholdt.

Darüber hinaus eignen sich die Daten für komplexe Modellierungen. Das Team um Macholdt arbeitet derzeit daran, einen sogenannten digitalen Zwilling des „Ewigen Roggenbaus“ zu erstellen – ein virtuelles Abbild des realen Anbausystems.

Ein Blick auf die Landwirtschaft der Zukunft

Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten auf dieser Grundlage künftig belastbare Ertragsprognosen für unterschiedliche Klimaszenarien erstellt werden.

„Somit können die langjährigen Daten des Ewigen Roggens bei der Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme und Lösungen für eine klimafeste Landwirtschaft helfen“, erklärt Macholdt.