Internationaler Frauentag mahnt zu Verantwortung für Gleichstellung

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Landesveranstaltung widmet sich geschlechtergerechter Medizin 

Magdeburg/MS. Im Vorfeld des Internationalen Frauentages hat Sachsen-Anhalts Gleichstellungsministerin Petra Grimm-Benne dazu aufgerufen, Errungenschaften der Gleichstellungspolitik aktiv zu verteidigen: „Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung nicht vom Himmel gefallen ist, sondern von mutigen Frauen erkämpft wurde. Er ist kein ritualisierter Gedenktag, sondern ein politischer Maßstab und Ausdruck des verfassungsrechtlichen Auftrags zur Gleichstellung.“ Was heute selbstverständlich erscheine, sei Ergebnis politischer Entscheidungen. „Stabilität ist kein Naturgesetz. Gleichstellungspolitische Errungenschaften brauchen Schutz und gesellschaftliche Unterstützung“, so die Ministerin. Es gehe um konkrete Lebensrealitäten: darum, ob Gleichberechtigung weiterhin als gesellschaftlicher Fortschritt verstanden werde, ob vielfältige Lebensentwürfe Anerkennung fänden und ob Schutzstrukturen sowie eine verlässliche gesundheitliche Versorgung gesichert blieben.

„Gerade weil Gleichstellung verletzlich ist, darf Verantwortung nicht abstrakt bleiben. Sie muss sich in Strukturen übersetzen – in Ausbildung, Versorgungsplanung, Forschung und Prävention“, sagte die Ministerin bei der zentralen Frauentagsveranstaltung des Landes Sachsen-Anhalt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Unter dem Titel „Geschlechtergerechte Medizin gestalten: Von der Praxis in die Zukunft“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesundheitswesen über eine gerechtere Gesundheitsversorgung.

Gleichstellung auch im Gesundheitswesen wichtig

Grimm-Benne betonte, dass Gleichstellung auch im Gesundheitswesen stärker berücksichtigt werden müsse. „Gesundheit ist nicht geschlechtsneutral. Wenn Unterschiede in Diagnostik und Behandlung nicht ausreichend berücksichtigt werden, entstehen strukturelle Nachteile“, sagte sie. Medizinische Forschung und Versorgung hätten sich lange überwiegend am männlichen Körper als Standard orientiert. Die Folgen seien bis heute sichtbar: Krankheiten würden bei Frauen teilweise später erkannt, Symptome anders eingeordnet und Therapien nicht immer ausreichend angepasst.

Beispiele sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deren Symptome sich bei Frauen häufig anders äußern, sowie Erkrankungen wie Endometriose oder gesundheitliche Herausforderungen in den Wechseljahren, die lange wenig Beachtung fanden. Sachsen-Anhalt hat bereits wichtige Schritte unternommen, um geschlechtersensible Perspektiven stärker zu verankern. Dazu zählen spezialisierte Versorgungsangebote etwa bei Brustkrebs, die Sicherung von Geburtshilfe und gynäkologischer Versorgung sowie neue wissenschaftliche Strukturen – etwa die im Jahr 2025 deutschlandweit erste Hochschulambulanz für Prävention und Geschlechtersensible Medizin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

„Geschlechtergerechte Medizin darf kein kurzfristiges Projekt bleiben. Sie muss dauerhaft Teil unserer Versorgungsstrukturen sein“, sagte Grimm-Benne. Der Internationale Frauentag mache deutlich, dass Gleichberechtigung eine dauerhafte demokratische Aufgabe bleibe. „Eine gerechte Gesundheitsversorgung ist Ausdruck unserer demokratischen Werteordnung“, so die Ministerin.

Hintergrund
Die zentrale Frauentagsveranstaltung wurde gemeinsam vom Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt, der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, dem Gleichstellungsbüro der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung organisiert.