Merseburg/LKS. Bei der Sitzung des Kreistages am 30. Juni 2026 wurden wichtige Entscheidungen getroffen, unter anderem für den Haushalt des Landkreises, für Infrastrukturprojekte über das Sondervermögen „Infrastruktur“ und im Breitbandausbau. Des Weiteren standen der Nahverkehrsplan sowie die Fortführung der Projektbeteiligung für Maßnahmen zur Alphabetisierung auf der Tagesordnung. Ein besonderer Höhepunkt war die Auszeichnung von zwei Lebensrettern im Rahmen der Sitzung.
Nachtragshaushalt 2026 einstimmig beschlossen
Der 1. Nachtragshaushaltssatzung des Landkreises für das Haushaltsjahr 2026 stimmten die Kreistagsmitglieder einstimmig zu und folgten damit den Empfehlungen des Kreis- und Finanzausschusses. Der Nachtragshaushaltsplan enthält wesentliche Änderungen. Diese beinhalten Planansätze, bei denen sich Mehrerträge oder Minderaufwendungen abzeichnen sowie Mehrbedarfe, die nicht über das vorhandene Budget ausgeglichen werden können. Zudem sind bisher nicht veranschlagte Auszahlungen und Verpflichtungsermächtigungen für Investitionen im Straßen- und Hochbau, einschließlich Mitteln aus dem Sondervermögen „Infrastruktur“, Bestandteil des Nachtragshaushalts. Mit der Änderung erhöht sich das Defizit im Ergebnisplan um mehr als 2,6 Mio. Euro von 35.456,1 TEUR auf 38.112,3 TEUR. Das Defizit kann durch die Rücklage des ordentlichen Ergebnisses ausgeglichen werden.
Weitere Investitionen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur“
Das Sondervermögen „Infrastruktur“ wurde in einem weiteren Tagesordnungspunkt behandelt. Durch den mehrheitlichen Beschluss können zwei weitere Investitionsvorhaben bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt angemeldet werden. Dazu gehören der Neubau des Funktionsgebäudes der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Blösien mit voraussichtlichen Gesamtkosten von 7.450 TEUR sowie der Neubau einer Einfeld-Sporthalle an der Sekundarschule „Am Petersberg“ in Wallwitz mit geplanten Gesamtkosten von 5.500 TEUR.
Kreistag befürwortet Fortführung des Breitbandausbaus
Am 3. März 2026 stellte das Ministerium für Infrastruktur und Digitales neue Fördermittel für den Breitbandausbau bereit. Um unterversorgte Adressen zu ermitteln, führte der Landkreis ein Markterkundungsverfahren durch. Dabei wurden Adressen betrachtet, für die keine eigenwirtschaftliche Versorgungsperspektive besteht. Das Ergebnis wird derzeit ausgewertet. Das Land Sachsen-Anhalt stellt für die Umsetzung rund 3 Mio. Euro bereit. Damit können etwa 600 Adressen versorgt werden. Die Förderung ist ausschließlich in Gebieten möglich, in denen noch kein Netz mit mindestens 300 Mbit/s im Download und 150 Mbit/s im Upload zu Spitzenlastzeiten verfügbar ist. Nach Abschluss der Auswertung werden der Kreistag und die betroffenen Kommunen informiert. Voraussetzung für die Umsetzung ist eine vollständige Förderbewilligung. Die Mitglieder des Kreistages votierten einstimmig für die Fortführung des geförderten Breitbandausbaus.
Nahverkehrsplan 2026 bestätigt
Der öffentliche Personennahverkehr ist eine zentrale Aufgabe der Daseinsvorsorge. Der Nahverkehrsplan 2026 berücksichtigt unter anderem siedlungsstrukturelle Entwicklungen, das bestehende und geplante Liniennetz, Maßnahmen zur Erweiterung des Angebots durch den On-Demand-Verkehr sowie die zukünftige Vergabe und Finanzierung der Verkehrsleistungen.
Die Kreistagsmitglieder folgten einstimmig den Empfehlungen des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Bau und Regionalentwicklung sowie des Kreis- und Finanzausschusses.
Abfallwirtschaftskonzept beschlossen
Auch das aktuelle Abfallwirtschaftskonzept wurde beschlossen. Die Entsorgung bleibt weiterhin durch die Entsorgungsgesellschaft Saalekreis mbH (EGS) sichergestellt. Die Sammlung von Altkleidern soll gemeinsam mit den Städten und Gemeinden geplant werden, insbesondere vor dem Hintergrund eines möglichen weiteren Rückzugs gewerblicher und gemeinnütziger Sammler.
Projekt zur Alphabetisierung wird fortgeführt
Ein weiterer Tagesordnungspunkt befasste sich mit der Projektbeteiligung der Kreisvolkshochschule Saalekreis an Maßnahmen zur Alphabetisierung und Verbesserung der Grundbildung für Erwachsene. Der Kreistag beschloss die Fortführung des Projekts für den Zeitraum vom 1. Januar 2027 bis zum 30. Juni 2028 im Rahmen der Alphabetisierungsrichtlinie des Europäischen Sozialfonds durch das Land Sachsen-Anhalt und bestätigte die anteilige Übernahme der Eigenanteile des Landkreises für die Jahre 2027 und 2028.
Gemeinsam mit der Volkshochschule Adolf Reichwein der Stadt Halle (Saale) betreibt die Kreisvolkshochschule Saalekreis das Grundbildungszentrum Halle (Saale) – Saalekreis. Es ist eine zentrale Anlauf-, Beratungs- und Koordinierungsstelle für Erwachsene mit unzureichender Grundbildung sowie für Institutionen, Unternehmen und Beratungseinrichtungen. Angeboten werden niedrigschwellige und kostenfreie Bildungsangebote, darunter derzeit 20 Alphabetisierungskurse in Merseburg, Querfurt, Bad Dürrenberg, Oppin und Salzatal sowie weitere Angebote zu den Themen Gesundheit, Finanzen und Digitalisierung.
Öffentliche Belobigung für zwei Lebensretter
Zum Ende des öffentlichen Teils der Kreistagssitzung erfolgte ein besonderer Moment. Sachsen-Anhalts Innenministerin Dr. Tamara Zieschang sprach stellvertretend für Ministerpräsident Sven Schulze den Lebensrettern Oliver Bouillon und Sven Becher eine öffentliche Belobigung aus. Die Ehrung erfolgte im Beisein des Landrats des Saalekreises, Hartmut Handschak, und des Kreistagsvorsitzenden Andrej Haufe.
Die beiden Männer hatten am 11. Januar 2026 im Landsberger Ortsteil Niemberg bewiesen, wie entscheidend schnelles Handeln ist. Nachdem sie von der Ehefrau eines Nachbarn um Hilfe gerufen worden waren, leisteten sie bei dem Mann nach einem Herzstillstand sofort Erste Hilfe und begannen unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Kurze Zeit später unterstützte sie der Lebensgefährte der Tochter des Betroffenen, ein ausgebildeter Notfallsanitäter. Gemeinsam gelang es den Helfern, die Reanimation über insgesamt 22 Minuten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte aufrechtzuerhalten und das Herz des Mannes wieder zum Schlagen zu bringen. Er wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht und hat sich inzwischen gut erholt.
„Ein medizinischer Notfall kann uns alle treffen. Und wir alle wünschen und hoffen, dass es dann Menschen wie Oliver Bouillon und Sven Becher gibt, die ohne zu zögern helfen – ob der Griff zum Telefon, um Hilfe zu holen oder indem man selbst Erste Hilfe leistet. Helfen rettet Leben und schenkt hier einem Ehemann und Familienvater ein zweites Leben. Ich möchte diesen Anlass auch als Aufruf nutzen, dass wir alle einen Erste-Hilfe-Kurs belegen oder auffrischen, um auf eine solche Situation bestmöglich vorbereitet zu sein“, so Landrat Hartmut Handschak.