Schuljahr 2026/2027 beginnt in Sachsen-Anhalt mit Neueinstellungen und mehr Praxis

Biologie Unterricht Schule
© H@llAnzeiger

Magdeburg/MB. Am Montag, 17. August 2026, beginnt in Sachsen-Anhalt das neue Schuljahr 2026/2027 für rund 259.000 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft. Unter ihnen sind ca. 17.800 Kinder, die eingeschult werden. An Sachsen-Anhalts Schulen wurden zuletzt 6.832 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unterrichtet.

Derzeit befinden sich an den 736 allgemeinbildenden und 24 berufsbildenden öffentlichen Schulen des Landes 16.274 Lehrkräfte, 2.739 von ihnen sind Lehrkräfte im Seiteneinstieg. Zudem sind 2.021 Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 108 Schulverwaltungsassistentinnen und -assistenten sowie 115 pädagogische Unterrichtshilfen im aktiven Dienst.

Bildungsminister Jan Riedel: „Ein neues Schuljahr ist immer auch ein Aufbruch – es bringt neue Chancen, neue Ideen und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und allen, die Schule jeden Tag mitgestalten, einen guten und motivierten Start. Wir haben in den vergangenen Monaten wichtige Weichen gestellt und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich Schule weiterentwickeln kann. Jetzt geht es darum, diesen Weg gemeinsam mit allen Akteuren weiterzugehen – damit guter Unterricht gelingt und Schule ein Ort bleibt, an dem Kinder und Jugendliche gerne lernen, wachsen und ihre Zukunft gestalten.“

Einstellungen

In diesem Kalenderjahr konnten 1.223 Lehrkräfte, darunter 340 im Seiteneinstieg, gewonnen werden. Dem stehen 1.059 Abgänge gegenüber. Zudem wurden 42 Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt.

Bis etwa 2030 ist mit einer Entspannung des Lehrkräftemangels zu rechnen, zunächst vor allem an Grundschulen und Gymnasien. Bis dahin bleibt die Gewinnung von Lehrkräften eine zentrale Herausforderung. Maßnahmen wie 1.200 Studienplätze, flexible Zugänge für Seiteneinsteiger, das duale Lehramtsstudium und das Weltenretter-Stipendium zeigen Wirkung.

Ausbau Praxislerntage (PLT)

Nach der Verstetigung der Praxislerntage steigt die Zahl der teilnehmenden Schulen von 55 auf 72. Damit ist fast die Hälfte der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sowie zahlreiche Förderschulen beteiligt. Ziel ist die stärkere Vernetzung von Schulen und Betrieben zur praxisnahen Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf.

Eine Pädagogische Arbeitsstelle am LISA unterstützt die Schulen mit Beratung, Fortbildungen und Netzwerken. Pädagogische Unterrichtshilfen sollen zudem die Betreuung und Organisation erleichtern.

Ausbau Produktives Lernen (PL)

Mit dem neuen Schuljahr bieten 25 Schulen Produktives Lernen an. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die andernfalls voraussichtlich keinen anerkannten Schulabschluss erreichen würden. Für PL und PLT stellt das Land den Schulen erstmals ein Schulbudget bereit.

Stärkung von Grundkompetenzen

Lesen und Rechnen bilden einen Schwerpunkt des Schuljahres 2026/2027.

Das Leseband soll nach positiven Erfahrungen an 14 Pilotschulen schrittweise auf bis zu 140 Grundschulen ausgeweitet werden. 32 weitere Schulen haben bereits Interesse bekundet. Ergänzend unterstützt „Lesesportler“ die Leseflüssigkeit.

Auch die Mathematikförderung wird ausgebaut: Im Programm QuaMath arbeiten inzwischen 252 Lehrkräfte aus 83 Schulen in zwölf Netzwerken. Die Zahl der teilnehmenden Schulen hat sich seit 2024/2025 mehr als verdoppelt.

Startchancen-Programm

An 98 Schulen stärkt das Startchancen-Programm Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Alle teilnehmenden Schulen erhalten zusätzliche personelle Unterstützung, unter anderem durch Schulverwaltungsassistenz, Pädagogische Mitarbeit oder Sozialpädagogik.

Eine landesweite Diagnostiksoftware unterstützt Lehrkräfte bei der Ermittlung von Lernständen und der individuellen Förderung. Zudem entstehen die ersten der rund 20 geplanten Familienschulzentren.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – Modellprojekt Schule-Hort evaluiert

Der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder tritt seit dem 1. August stufenweise in Kraft. Sachsen-Anhalt bietet bereits seit Jahren ein darüber hinausgehendes Betreuungsangebot mit bis zu 11,5 Stunden an Schultagen und zehn Stunden in den Ferien.

Die Evaluation des Modellprojekts Schule-Hort zeigt: Feste Kooperationsstrukturen, gemeinsame pädagogische Ziele und eine abgestimmte Organisation sind entscheidend. Ein weiteres Modellprojekt wird an 15 Schulen fortgeführt.

Ausbau FSJ an Ganztagsschulen

Das FSJ an Ganztagsschulen wird bis zum 31. Juli 2028 fortgeführt. Dafür stehen 80 Plätze an weiterführenden Ganztagsschulen und 15 Plätze an Ganztagsgrundschulen zur Verfügung.

Stärkung der Demokratiebildung an Schulen

Handreichungen, Erlasse, der Wegweiser zum Umgang mit Extremismus und das Schulgesetz geben pädagogischen Fachkräften mehr Handlungs- und Rechtssicherheit. Fortbildungen und Materialien greifen zudem den Beutelsbacher Konsens auf.

Ziel ist, Schulen als zentrale Orte demokratischer Bildung zu stärken und einen sicheren Umgang mit politisch sensiblen Situationen zu ermöglichen.

Neustrukturierung der Qualifizierung für Lehrkräfte im Seiteneinstieg

Die neue Qualifizierung für Seiteneinsteiger ist erfolgreich gestartet. Ein einjähriges Programm mit einem festen wöchentlichen Ausbildungstag vermittelt pädagogische, didaktische und schulrechtliche Grundlagen sowie fachdidaktische Inhalte.

Ein flexibles Einstiegssystem und ein zweiwöchiges Onboarding erleichtern die Vorbereitung auf den Schulalltag.

Neue Altersermäßigung für Lehrkräfte

Ab dem neuen Schuljahr gilt eine gestaffelte Altersermäßigung: eine Stunde ab 60, zwei ab 62 und drei ab 65 Jahren.

Damit soll angesichts des demografischen Wandels der Verbleib älterer Lehrkräfte im Schuldienst unterstützt werden.

Flexibler Personaleinsatz

Flexibler Unterrichtseinsatz und Zusatzstunden haben dazu beigetragen, Unterrichtsausfall auf ein Minimum zu begrenzen. Diese Instrumente werden fortgeführt.

Schulformübergreifende Regionalkonferenzen und gelockerte rechtliche Rahmenbedingungen erleichtern zudem Abordnungen, Versetzungen und schulformübergreifende Einsätze.

Flexibles Personalbudget

Das flexible Personalbudget wird fortgeführt. Bis Jahresende stehen den Schulen 35 Euro je Schülerin und Schüler zur Verfügung, etwa für Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenhilfe, Projekte, Veranstaltungen und unterrichtsbegleitende Angebote.

Eine Fortführung über 2026 hinaus ist im Haushaltsentwurf vorgesehen und steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gesetzgebers.

Ausbau Digitalisierung an Schulen

Mit AIS.chat wird eine datenschutzkonforme, länderübergreifend entwickelte KI-Plattform für Lehrkräfte bereitgestellt.

Das Projekt „Lernwelt“ bietet ab diesem Schuljahr digitale Selbstlernangebote im MINT-Bereich für die Klassen 5 und 6.

Rund 90 Digitalassistentinnen und -assistenten unterstützen Schulen mit Fortbildungen und Beratung, unter anderem zu KI, Datenvisualisierung und politischer Medienbildung.

Ausbau Bildungsmanagementsystem

Das Bildungsmanagementsystem BMS-LSA wird weiter digitalisiert. Zusatzstunden können bereits digital beantragt, erfasst und abgerechnet werden.

Künftig sollen weitere Verwaltungsprozesse digital abgebildet werden. Dazu gehört insbesondere der Übergang von der Grundschule auf weiterführende Schulen. Die Umsetzung ist für das zweite Schulhalbjahr vorgesehen.

Schulentwicklungsplanung

Sinkende Geburtenzahlen stellen das Schulnetz vor große Herausforderungen. Ziel ist es, das Schulnetz trotz schwieriger Rahmenbedingungen möglichst stabil zu halten.

Gemeinsam mit Landkreisen und kreisfreien Städten werden regionale Lösungen entwickelt, darunter schulformübergreifende Verbünde wie Campus-Schulen.

Runder Tisch mit Schulen in freier Trägerschaft

Das Ministerium hat einen regelmäßigen Runden Tisch mit freien Schulträgern eingerichtet. Er dient dem kontinuierlichen Austausch und als Beratungsgremium bei bildungspolitischen Entscheidungen.

Ein weiterer Runder Tisch ist für den Herbst geplant.

Innovative Ausgestaltung des Berufsvorbereitungsjahrs

An acht berufsbildenden Schulen startet das Projekt „Ausbildungsvorbereitung (AV) dual – Praxis“. Das Berufsvorbereitungsjahr soll praxisnäher und individueller gestaltet werden.

Ziel ist, das Übergangssystem Schule–Beruf zu verbessern, Schulabschlüsse zu ermöglichen, Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren und die Fachkräftesicherung zu stärken. Ab 2027/2028 soll das Modell perspektivisch auf alle berufsbildenden Schulen ausgeweitet werden.

Länderübergreifende Beschulungen bei beruflicher Bildung

Sachsen-Anhalt beschult derzeit rund 1.000 Auszubildende aus anderen Bundesländern in 65 Ausbildungsberufen an 18 berufsbildenden Schulen.

Die länderübergreifende Zusammenarbeit soll Ausbildungsabbrüche verhindern, Fachkräfte in den Regionen halten und insbesondere mittelständische Unternehmen stärken.

Beteiligung – der Schlüssel für die Zukunft der Bildungslandschaft

Der Beteiligungsprozess „Bildungsland Sachsen-Anhalt 2035“ stößt auf breite Beteiligung. Rund 3.600 Fragen und Themen von etwa 900 Personen wurden online eingebracht und in Regionalforen sowie einer Bildungskonferenz mit rund 300 Teilnehmenden diskutiert.

Im Mittelpunkt stehen sechs Themen: Partizipation, Demokratiebildung, Zukunftskompetenzen, Qualifizierung des Personals, Eigenständigkeit der Schulen sowie multiprofessionelle Teams.

Das entwickelte Zukunftsbild soll in den kommenden Jahren gemeinsam weiterentwickelt werden. Der Prozess zeigt vor allem: Die Herausforderungen des Bildungssystems lassen sich nur im gemeinsamen Dialog lösen.