Halle/EKH/MM. Die natürliche Entwicklung im Mutterleib bereitet ein Kind in der Regel optimal auf das spätere Leben vor. In der frühen Entwicklungsphase erfüllen Gebärmutter und Fruchtblase gleich mehrere wichtige Funktionen. Unter anderem vollzieht das ungeborene Kind durch den begrenzten und schützenden Raum für die Entwicklung des Gehirns unverzichtbare Handlungen wie das sogenannte Einstemmen und Abdrücken mit den Händen und Füßen sowie den zufälligen Hand-zu Hand und Hand-zu-Mund Kontakt. Kommt ein Kind zu früh zur Welt, wird durch die Lagerung auf neurophysiologischer Basis versucht, diese Situation nachzustellen. Allerdings kann dies die Situation im Mutterleib nicht ersetzen. Die Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) setzt daher auf eine neuartige Lagerungshilfe, welche die Haltung im Mutterleib simuliert und die spätere Entwicklung des Kindes im Bereich der Wahrnehmung und der Bewegungsabläufe fördern soll.
Das in Deutschland entwickelte therapeutische Hilfsmittel für Frühgeborene und Säuglinge mit dem Namen „growBe“ gleicht einem kleinen, nestartigen Beutel und ermöglicht die Lagerung des Kindes in allen Zwischenpositionen – Rücken- oder Seitenlage, aber auch leichte Kopfhochlage. Das Ergebnis: Gerade frühgeborene Kinder erleben durch die sie sanft umschließende Lagerungshilfe zusätzliche Geborgenheit und erhalten Wahrnehmungsinformationen, die sonst nur die Situation im Mutterleib vermitteln kann.
Chefarzt Dr. med. Klaus Oettel ist von der positiven Wirkung des neuen Hilfsmittels überzeugt: „Unsere Klinik greift medizinische Innovationen seit jeher auf und integriert sie in die klinische Versorgung. Die neue Lagerungshilfe erweist sich für uns eindeutig als Gewinn für das Wohlbefinden der Kinder. Sehen können wir das bereits jetzt nach etwa einem Jahr Einsatz des Hilfsmittels auf der Station an der motorischen Entwicklung der Kinder über die Zeit ihres stationären Aufenthaltes, welche sich im Handling deutlich anders präsentieren als Kinder, welche nicht im „growBe“ lagen.
Das Team der Klinik verspricht sich vom Einsatz des „growBe“ aber noch mehr. „Die positiven Effekte für das Kind reichen von mehr gesunden Ruhephasen, der Verbesserung der Eigenregulation und der Körpertiefenwahrnehmung und Unterstützung bei der funktionellen Ausbildung des Hüftgelenks über eine verbesserte Tonusregulation der Muskulatur bis hin zur Erleichterung von Atmung und Verdauung. Wie nachhaltig sich diese frühe Unterstützung auf die spätere Körperwahrnehmung und Motorik der Kinder auswirkt, soll im Rahmen einer Studie in den kommenden Jahren erfasst und ausgewertet werden, so Chefarzt Dr. Oettel.
Seit diesem Jahr gehört das mehrfach zertifizierte Hilfsmittel zur festen Ausstattung der Klinik. Mit einer ersten Studie in Zusammenarbeit mit der Sektion Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf soll noch in diesem Jahr begonnen werden.