Verbrauchertentrale: Marktcheck “Vitaminwasser”

Wasserflaschen
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Halle/VZSA. Gerade im Sommer ist es besonders wichtig, ausreichend zu trinken. Da kommt ein aromatisiertes Wasser mit ein paar extra Vitaminen doch gelegen, oder? Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat im Mai 2026 insgesamt 35 Getränke aus dem Handel untersucht und zeigt, was wirklich im vermeintlichen „Vitaminwasser“ steckt.

Irreführende Bezeichnung und Aufmachung

Insgesamt 20 der 35 untersuchten Produkte trugen Bezeichnungen wie „Vitamin Water“ oder „Wasser +“, die den Eindruck eines Wassers vermitteln, obwohl die rechtlich korrekte Verkehrsbezeichnung „Erfrischungsgetränk“ lautet. Vier Produkte fielen optisch besonders negativ auf: transparente Flüssigkeiten waren in typischen Mineralwasserflaschen verpackt. „Viele Verbraucher gehen davon aus, ein wasserähnliches Getränk zu kaufen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um aromatisierte Erfrischungsgetränke. Die Aufmachung nutzt das positive Image von Mineralwasser gezielt aus“, kritisiert Nele Huke-Niemeyer von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Hohe Vitaminmengen ohne erkennbaren Zusatznutzen

Besonders häufig zugesetzt wurden Pantothensäure, Niacin, Vitamin B6 und Biotin. Bei zwölf Produkten überschritt bereits eine Flasche die empfohlene Tageszufuhr einzelner Vitamine um das Ein- bis nahezu Dreifache. Ein gesundheitlicher Mehrwert über die normalen Körperfunktionen hinaus ist dadurch jedoch nicht zu erwarten. Überschüssige wasserlöslicher Vitamine werden vom Körper größtenteils wieder ausgeschieden. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist für die Vitaminversorgung meist ausreichend.

Mehrheit der Produkte überschreitet Höchstmengenempfehlungen

24 der 35 untersuchten Produkte überschritten die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für angereicherte Lebensmittel. Betroffen waren insbesondere Vitamin B6 und Folsäure. Sechs der untersuchten Getränke enthielten Vitamin D, obwohl das Anreicherungskonzept des BfR dies nicht vorsieht. Eine akute Gesundheitsgefahr besteht dadurch zwar nicht. Allerdings nehmen Verbraucher Vitamine nicht nur über solche Getränke, sondern auch über andere (angereicherte) Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel auf. Die tatsächliche Gesamtaufnahme kann dadurch deutlich höher ausfallen. „Die Höchstmengenempfehlungen des BfR sind wissenschaftlich fundierte jedoch rechtlich unverbindliche Orientierungswerte zum Schutz der Verbraucher. Dass ein Großteil der untersuchten Produkte diese Werte überschreitet, zeigt politischen Handlungsbedarf“, so Huke-Niemeyer.

Problematik fettlöslicher Vitamine

In 13 Produkten wurden die fettlöslichen Vitamine D oder E zugesetzt. Deren Verwendung in Getränken ist aus Sicht der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt fragwürdig. Fettlösliche Vitamine werden nur zusammen mit Nahrungsfetten gut aufgenommen. „Ein Vitamin im Getränk ist noch kein Vitamin im Körper. Die aufgenommene Menge hängt stark vom individuellen Essverhalten ab“, erklärt Huke-Niemeyer. Sechs von 13 Produkten mit Vitamin E-Zusatz überschritten den Tagesbedarf. Das Risiko einer Überversorgung besteht vor allem bei zusätzlicher Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, da Vitamin E im Körper gespeichert wird.

Fazit der Verbraucherzentrale

Vitaminisierte Erfrischungsgetränke sind nicht empfehlenswert. Die besten Durstlöscher sind Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen – das ist ernährungsphysiologisch sinnvoll und günstig. Wer ausreichend Vitamine zu sich nehmen möchte, sollte auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit möglichst unverarbeiteten Produkten setzen. Bei einem nachgewiesenen Mangel ist eine Supplementierung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.