Offenbach/DWD. In Teilen Deutschlands sind die Böden derzeit ungewöhnlich stark ausgetrocknet. Die Entwicklung der Bodenfeuchte nahm dabei einen ähnlichen Verlauf wie in den Dürrejahren 2018 und 2022, Natur und Landwirtschaft werden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. In der südlichen Mitte und im Süden Deutschlands haben mehrere längere niederschlagsarme und sehr warme bis heiße Phasen, die mit einem hohen Wasserbedarf der Vegetation einhergingen, zu einer gravierenden Bodentrockenheit geführt. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen der trockenen Witterung im Frühjahr und Sommer 2026.
Seit März wenig Regen
Seit März fällt in weiten Teilen Deutschlands deutlich weniger Regen als üblich. Besonders betroffen sind der Süden und Südwesten. Das hydrologische Jahr gehört zu den drei trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen 1882.
Die Bodenfeuchte ist seit dem Frühjahr, vor allem im Süden, stark zurückgegangen und liegt teilweise sogar unter den Werten der Dürrejahre 2018 und 2022. Im Nordosten ist die Trockenheit weniger ausgeprägt.
Für die Landwirtschaft hat die Trockenheit unterschiedliche Folgen: Getreide und Raps sind kaum betroffen, während Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln sowie Obst und junge Weinreben regional stark unter Wassermangel leiden. Auch Grünland und Viehhaltung sind teilweise betroffen. Die Wälder profitieren derzeit noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten.
Hohe Waldbrandgefahr
Die Anzahl von Tagen, an denen im Jahr 2026 bis einschließlich 2. August beim Waldbrandgefahrenindex mindestens Stufe 4 von 5 (hoch) erreicht wurde, liegt im Deutschlandmittel bei rund 22 Tagen. Im Mittel 1991 bis 2020 sind es bis zum 2. August nur etwa 10 Tage (Abbildung 4). Beim Graslandfeuerindex ist dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen: Bei diesem Index gab es bis zum 2. August im Deutschlandmittel 33 Tage mit einer Stufe von mindestens 4, im Mittel 1991 bis 2020 sind es lediglich 18 Tage. In den vergangenen Wochen traten bereits zahlreiche Wald- und Feldbrände auf.
Hydrologische Auswirkungen
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den benachbarten Ländern sind die Niederschlagsmengen seit Jahresbeginn außerordentlich niedrig; der Schwerpunkt der Trockenheit erstreckte sich in der ersten Jahreshälfte vom östlichen Frankreich über den Alpenraum, das östliche Mitteleuropa und das Baltikum bis nach Skandinavien. Die Oberläufe von Oder, Neiße, Elbe, Salzach, Inn, Lech, Rhein und Mosel führten in der Konsequenz weniger Wasser als üblich nach Deutschland. Die unterdurchschnittlichen Schneemengen im vergangenen Winter bewirkten zudem einen stark verminderten Beitrag der Schneeschmelze zur Wasserführung einiger Flüsse im Frühjahr. Zusammen mit den sehr geringen Niederschlägen der letzten Monate führt dies aktuell zu einer extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser. Nähere Informationen dazu finden sich im neuen Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS, https://niwis-online.de/) der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), in das auch Beobachtungsdaten des DWD einfließen.
Ausblick
Für das kommende Wochenende und die zweite Augustwoche wird überwiegend trockenes und von Süden her zeitweise heißes bis sehr heißes Wetter erwartet. Insbesondere am Sonntag und Montag sind zwar einzelne Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende Niederschläge deuten sich aber weiterhin nicht an.
Bis Anfang September zeichnet sich in den Witterungsvorhersagen der Bodenfeuchte unter Gras eine starke Tendenz zu trockeneren Bedingungen im Vergleich zum Mittel der vergangenen zwanzig Jahre ab (Abbildung 5). Folglich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft in den kommenden Wochen eher zunehmen und es weiterhin Perioden mit hoher Waldbrandgefahr geben wird.