Halle/verdi. In der laufenden Tarifrunde für den kommunalen Nahverkehr in Sachsen-Anhalt haben die Arbeitgeber in der heutigen Verhandlung ein Papier vorgelegt, das aus Sicht der Gewerkschaft ver.di den Namen „Angebot“ nicht verdient.
Nach vier Monaten Verhandlungen und wiederholten Warnstreiks der Beschäftigten enthält das vorgelegte Konzept keine Entlastung für die Kolleginnen und Kollegen. Stattdessen handelt es sich – bei wohlwollender Betrachtung – um ein Nullsummenspiel ohne echte Verbesserungen.
„Wir haben heute ein Papier bekommen, aber kein Angebot“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Paul Schmidt. „Wir sind im vierten Monat dieser Tarifrunde. Die Forderungen liegen seit November auf dem Tisch – und die Arbeitgeber schaffen es nicht, einen ernsthaften Vorschlag zur Entlastung vorzulegen. Das ist nicht nur enttäuschend, das ist respektlos gegenüber den Beschäftigten.“
Besonders kritisch bewertet ver.di, dass die Arbeitgeber weiterhin jede Form einer tariflichen Arbeitszeitverkürzung kategorisch ausschließen und sogar Gespräche über Entlastung nur unter der Bedingung führen wollen, dass dieses Thema vollständig vom Tisch genommen wird.
„Die Arbeitgeber reden über Geld – wir reden über Entlastung“, so Schmidt weiter. „Die Kolleginnen und Kollegen fahren am Limit. Wer nach Monaten der Verhandlung so ein Papier vorlegt, hat entweder nicht verstanden, worum es den Beschäftigten geht – oder will es nicht verstehen.“
Die Gewerkschaft hatte zuletzt deutlich gemacht, dass sie bereit ist, über Wege und Stufen zur Entlastung zu sprechen – einschließlich längerer Laufzeiten und flexibler Modelle. Voraussetzung dafür ist jedoch ein ernsthaftes Entgegenkommen der Arbeitgeberseite.
In der Tarifkommission stieß das vorgelegte Papier auf breite Empörung.
Klaus Müller, Mitglied der Tarifkommission und Kombifahrer erklärte: „Das hier ist keine Verhandlungsgrundlage. Wenn man uns so etwas nach Monaten hinlegt, dann zeigt das vor allem eins: Die Arbeitgeber nehmen unsere Belastung in der Belegschaft nicht ernst.“
ver.di stellte in der Verhandlung klar, dass ohne ein substanzielles Angebot keine Einigung möglich ist. Die Arbeitgeber wurden aufgefordert, kurzfristig nachzubessern.
Dem sind die Arbeitgeber nicht nachgekommen. Die Tarifkommission berät nun über die weiteren Schritte.