Kreistag verabschiedet Landrat Hartmut Handschak und vereidigt Nachfolger Sven Czekalla
Merseburg/LKS. Die Kreistagssitzung am 28. Oktober 2026 stand ganz im Zeichen des Abschieds von Landrat Hartmut Handschak, der letztmalig in dieser Funktion an einer Kreistagssitzung teilnahm, sowie der Ernennung und Vereidigung seines Nachfolgers Sven Czekalla. Dieser wird das Amt am 1. November 2026 übernehmen. Darüber hinaus fasste der Kreistag wichtige Beschlüsse zur Schülerbeförderung, zur touristischen Weiterentwicklung des Radwegenetzes, zur Kindertagesbetreuung und zur Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen.
Hartmut Handschak blickt auf sieben Jahre als Landrat zurück
Mit bewegenden Worten blickte Hartmut Handschak auf seine Zeit in der Kreisverwaltung zurück: „Nach 35 Jahren in der Kreisverwaltung und insbesondere sieben Jahren als Landrat des Saalekreises Abschied zu nehmen, ist für mich kein gewöhnlicher Tagesordnungspunkt. Gemeinsam haben wir viel im Saalekreis bewegt. Wir haben mit unseren Entscheidungen in die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger investiert, Krisen bewältigt und wichtige Schritte für die Zukunft unserer Region gemacht.“
In 47 Kreistagssitzungen, die 6.197 Minuten entsprechen, wurden 477 Beschlussvorlagen besprochen, diskutiert und viele wegweisende Entscheidungen getroffen. Seit 2019 sind insgesamt 12 Mio. Euro für Investitionen ausgegeben worden. Ein Leuchtturmprojekt im Schulbau war die umfassende Sanierung des Burg-Gymnasiums in Wettin. Zudem wurden die Schulen, im Rahmen des Digitalpaktes, modern aufgestellt sowie fast 70 Kilometer Straßennetz grundlegend saniert und neu ausgebaut.
„All diese Zahlen sind nicht die Einzelleistung eines Landrates. Man braucht Partner, die Verantwortung übernehmen“, unterstrich er mit einem großen Dank an die Kreistagsmitglieder, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die vielen Partnern in Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen und allem voran an seine Familie. „Ich habe dieses Amt nie als eine Funktion verstanden. Für mich war es eine Verantwortung für einen Landkreis, der wirtschaftlich stark ist, der eine beeindruckende Geschichte besitzt und gleichzeitig vor großen Veränderungen steht. Nun gebe ich den Staffelstab weiter.“
Sven Czekalla als neuer Landrat vereidigt
Im Anschluss erfolgten die offizielle Ernennung und Vereidigung des neuen Landrates Sven Czekalla, der sein Amt am 1. November 2026 antreten wird. In seiner Antrittsrede dankte er seinem Vorgänger für dessen langjährigen Einsatz:
„Hartmut Handschak hat den Saalekreis über Jahrzehnte geprägt und übergibt mir einen gut aufgestellten Landkreis. Dafür gebührt ihm unser aller Dank und Respekt. Ich übernehme dieses Amt mit großer Demut und ebenso großer Vorfreude. Der Saalekreis steht vor wichtigen Weichenstellungen. Dazu gehören der Strukturwandel und die Ansiedlung von innovativen Ideen wie Rechenzentren, Energiespeichern und Biochemie. Diese schaffen Arbeitsplätze und bringen Wertschöpfung in unsere Region. Sie stärken unseren Landkreis als Wirtschaftsstandort. Auch Bildung, Mobilität und eine moderne, bürgernahe Verwaltung sind wichtig. Diese Aufgaben möchte ich gemeinsam mit dem Kreistag, den Städten und Gemeinden und unseren Nachbarn angehen. Mein Anspruch ist ein Landkreis, in dem die Menschen gern leben, arbeiten und ihre Zukunft sehen.“
Deutschlandticket für Schülerinnen und Schüler wird weitergeführt
Die Mitglieder des Kreistages beschlossen die Weiterführung des Deutschlandtickets für die Schülerbeförderung im Saalekreis für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2027. Zuvor hatten bereits der Bildungs-, der Finanz- und der Kreisausschuss entsprechende Beschlüsse gefasst.
Die Regelung gilt für Schülerinnen und Schüler, die eine Monatskarte Azubi für eine MDV-Zone oder eine Monatskarte Azubi im Stadtverkehr nutzen. Von insgesamt 9.714 Schülerinnen und Schülern im Saalekreis haben derzeit 6.015 Anspruch auf einen Schülerausweis.
Trotz der Preiserhöhung auf 66,80 Euro stellt das Deutschlandticket weiterhin den günstigsten Tarif dar. Eine Ausnahme bildet die Monatskarte Azubi für die MDV-Zone I. Die entstehenden Mehrkosten trägt der Landkreis als freiwillige Leistung.
Neue Radwegeverbindung soll Tourismus und regionale Geschichte stärken
Der Kreistag stimmte außerdem einem Kooperationsprojekt zu, mit dem ein Konzept für eine neue Wegeverbindung am Saaleradweg entwickelt werden soll. Ziel ist es, die Saale-Elster-Aue besser für den Rad- und Wandertourismus zu erschließen und mit dem Saaleradweg zu verbinden.
Bislang ist die Wegeverbindung durch die Saale-Elster-Aue im südlichen Stadtgebiet von Halle (Saale) – von Planena über Beesen und Schkopau bis nach Merseburg – nur unzureichend ausgeschildert. Auch die Anbindung an den Saaleradweg soll verbessert werden.
Die „Schlacht bei Riade“, bei der im Jahr 933 die Truppen Heinrichs I. auf die Magyaren trafen, soll künftig eine zentrale Rolle bei der inhaltlichen Gestaltung der Radstrecke spielen und die regionale Geschichte entlang des Weges erlebbar machen. Dafür wird ein Konzept erarbeitet, das die fachlichen und planerischen Grundlagen für die weitere Entwicklung zusammenführt.
Die Gesamtkosten des Kooperationsvorhabens belaufen sich auf 30.000 Euro. Über das LEADER-Programm kann eine Förderung von 80 Prozent beantragt werden. Damit verbleibt für die beteiligten Kommunen Halle (Saale), Merseburg und Schkopau ein Eigenanteil von insgesamt 6.000 Euro.
Der Landkreis übernimmt als Antragsteller und federführender Kooperationspartner die Koordination und Gesamtverantwortung für das Projekt. Die bauliche Umsetzung erfolgt freiwillig und liegt in der Zuständigkeit der jeweiligen Kommunen.
Mit dem Vorhaben sollen die regionale Identität gestärkt und touristische, kulturhistorische sowie landschafts- und naturschutzfachliche Potenziale miteinander verknüpft werden.
Kita-Bedarfsplan für den Saalekreis beschlossen
Mit dem Beschluss des Kita-Bedarfsplans hat der Kreistag eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Kindertagesbetreuung im Saalekreis geschaffen. Damit ist die Weiterleitung der Landes- und Landkreispauschalen ab dem 1. Januar 2027 sichergestellt.
Darüber hinaus erhalten die Kommunen eine umfassende Aufbereitung der Daten zur Entwicklung des Betreuungsbedarfs. Diese bildet eine wichtige Grundlage für die kommunale Planung und soll die Städte und Gemeinden bei ihren Entscheidungen zur zukünftigen Ausgestaltung der Kindertagesbetreuung unterstützen.
Neuer Beirat für Menschen mit Behinderungen berufen
In einem weiteren Tagesordnungspunkt berief der Kreistag die Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderungen. Interessierte konnten sich nach einem öffentlichen Aufruf bis zum 31. August 2026 um eine Mitgliedschaft bewerben.
Dem Beirat gehören sowohl Personen mit fachlichem Hintergrund als auch Menschen an, die eigene Erfahrungen einbringen. Die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Saalekreis ist gemäß der geltenden Satzung ebenfalls Mitglied des Gremiums.
Der neu gegründete Beirat besteht aus zehn stimmberechtigten Mitgliedern und ist bis zum Jahr 2029 gewählt. Er soll Inklusion, Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe im Landkreis aktiv fördern und die Kreisverwaltung, den Kreistag sowie die Fachausschüsse beraten.
Darüber hinaus dient der Beirat Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen als Anlaufstelle und stärkt damit deren Interessenvertretung im Saalekreis.