Spontanparty-Test mit Schallmessung auf den Weinbergwiesen: Stadt wertet Ergebnisse aus

Die neue Spontanparty-Fläche „Weinbergwiesen / Saugraben“ wurde in der Pilotphase unter realen Bedingungen getestet. Während der Party wurde permanent die Lautstärke gemessen. Foto: Thomas Ziegler, Stadt Halle (Saale).

Halle/PSt. Eine potenzielle neue Fläche für Spontanpartys und Open-Air-Formate hat die Stadt Halle (Saale) am Freitag, 10. Juli 2026, am Saugraben auf den Weinbergwiesen unter realen Bedingungen getestet. Mit der Pilotveranstaltung „Sommersause Open Air“ wurde neben dem Gimritzer Damm gemeinsam mit vielen engagierten Kulturschaffenden eine neue potenzielle Veranstaltungsfläche erprobt.

Von 19 bis Mitternacht spielten Bands und DJs. Gleichzeitig wurden Schallmessungen durchgeführt, um die Eignung des Standorts für unterschiedliche Kulturformate bewerten zu können. Die Test-Spontanparty fand ohne Vorkommnisse statt. Im Anschluss wird nun die Eignung der Fläche hinsichtlich der Einhaltung der Immissionswerte (Anwohnerschutz) sowie aus Sicht von Partygästen und mitwirkenden Musikveranstaltern bewertet. Evaluiert wird auch die Eignung der Fläche hinsichtlich der Vereinbarkeit von Grünflächenschutz und kultureller Nutzung sowie für weitere Kulturformate. Soziokulturelle Formate wurden im Rahmen der „Sommersause“ bereits von 16 bis 19 Uhr getestet (Kreativstände, Töpfern, Speed-Friending). Erst nach der Evaluation kann eine Aussage getroffen werden, in wie weit die bespielte Fläche am Saugraben eine dauerhafte Spontanparty-Fläche wird.

Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt zog am heutigen Montag eine erste Bilanz: „Diese Test-Party ist ein Beispiel dafür, wie ein klassischer urbaner Konflikt vorausschauend gelöst werden könnte. Nun evaluieren wir unseren Testballon und werten die Veranstaltung aus. Unser Ziel ist es, niedrigschwellige Kulturorte unter freiem Himmel in verschiedenen Stadtteilen zunächst zu testen und – in Abhängigkeit der Ergebnisse – auch tatsächlich anzubieten.“

Hintergrund
Die Stadt arbeitet derzeit daran, weitere Flächen für sogenannte Spontanpartys in unterschiedlichen Stadtteilen zu finden und zu erschließen. Die Stadt gestaltet diesen Freiflächenprozess aktiv und fachbereichsübergreifend. Ziel ist es, vor allem für die Jugend niedrigschwellige, attraktive und kostengünstige Angebote zu schaffen. Dabei müssen die Belange von Anwohnerinnen und Anwohner sowie des Natur- und Immissionsschutzes berücksichtigt werden. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für Veranstaltungen im öffentlichen Raum optimiert werden. Konkret geht es in diesem Freiflächenprozess darum, die Rahmenbedingungen für nicht-kommerzielle Spontanpartys (müssen nur angezeigt werden) und Open-Air-Veranstaltungen mit Gewinn-Absicht (müssen angemeldet werden) dauerhaft zu verbessern, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und neue geeignete Flächen für Spontanpartys zu finden.

Teil des Freiflächenprozesses ist die Prüfung und Einordnung der Spontanparty-Flächen für die Kategorie „Spontanparty“. Dabei sind die Flächen gleichzeitig die Grill- und Lagerfeuerplätze und darüber hinaus auch für kurzfristig geplante soziokulturelle Veranstaltungen nutzbar. Die Stadt überarbeitet gegenwärtig ihre Liste der Spontanparty-Flächen.

Geeignete Flächen

Spontanparty-Fläche am Kanal, Ziegelwiese und Steinbruchsee (geeignet für Spontanpartys); Südpark (bedingt geeignet, bisher kaum für Partys genutzt); Thüringer Bahnhof (geeignet für Spontanpartys, ggf. durch heranrückende Wohnbebauung langfristig problematisch); Silberhöhe neben „Am Hohen Ufer“ (bedingt geeignet, bisher kaum genutzt); Weinbergwiesen / Saugraben (Neue Testfläche in der Pilotphase)

Nicht geeignete Flächen

  • Würfelwiese (viele Anwohnerbeschwerden)
  • Am Kinderdorf; Anhalterplatz Silberhöhe und Pestalozzipark (alle drei Flächen zu nah an Wohnbebauung)

Flächen in Prüfung

Zwei weitere Flächen in privatem Eigentum – Prüfung voraussichtlich bis Ende 2026. Zusätzlich werden Flächen am Stadtrand geprüft, um Veranstaltungen besser im Stadtgebiet zu verteilen und die Innenstadt zu entlasten – Prüfung voraussichtlich bis Ende 2026.

Neben den nicht-kommerziellen Spontanpartys im öffentlichen Raum, die lediglich angezeigt werden müssen, gibt es die Open-Air-Veranstaltungen mit Gewinn-Absicht, die angemeldet werden müssen. Letztere können langfristig geplant werden, dürfen mit Gewinnerzielungsabsicht durchgeführt werden und sind für Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen vorgesehen. Sie müssen mindestens vier Wochen vor dem Veranstaltungstermin angemeldet werden und sind mit Nutzungsgebühren verbunden.

Fazit

Der Freiflächenprozess der Stadt Halle (Saale) befasst sich nicht nur mit der Spontanparty-Regelung. Vielmehr soll das gesamte Verfahren der Veranstaltungsanmeldung, also Spontanpartys und anzumeldende Veranstaltungen gleichermaßen, evaluiert und überarbeitet werden. Ziel ist es, das Anmeldeverfahren verständlicher, transparenter und effizienter zu gestalten, damit sowohl kurzfristige als auch langfristig geplante Veranstaltungen besser unterstützt werden.

Die Pilotveranstaltung „Sommersause Open Air“ wurde präsentiert von der Stadt Halle (Saale) in Kooperation mit Disco Deluxe (Lebenstraum e.V.), Drehkreuz, djversity, Stromwechsel, Aural Noise Sound Engineering, Netzwerk Musikveranstaltende Halle e.V., Passage 13, Mehrgenerationenhaus Pusteblume, Blendwerk e.V., Streetwork Halle. Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Kulturellen Themenjahr Halle.