Konjunkturumfrage 4. Quartal 2025

Handwerk Sachsen-Anhalt
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„Krise ist in weiten Teilen des Handwerks angekommen“

Halle/HWK. Die konjunkturelle Lage im Handwerk kam im 4. Quartal 2025 kaum voran. Mit einem Wert von plus 22 verharrte der Index der Geschäftslage nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Die Gewerke bewerten die Lage unterschiedlich: Das Ausbau- und Kfz-Handwerk bleibt stabil, während Bauhauptgewerbe und gewerblicher Bedarf zurückhaltender beurteilt werden – ein Trend, der schon im 4. Quartal 2024 sichtbar war.

„Wir brauchen nichts schönreden – die Krise ist in weiten Teilen des Handwerks angekommen und wird sich fortsetzen. Der Ball liegt vor allem in Berlin, von wo Impulse fehlen“, so Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.

Zu den Konjunkturzahlen

Der Geschäftslageindex blieb im letzten Quartal des Vorjahres auf einem niedrigen Niveau stecken: plus 22, zwei Punkte weniger als ein Jahr zuvor. Von Aufbruchsstimmung kann keine Rede sein – die Betriebe sehen kaum Anzeichen für eine baldige konjunkturelle Belebung.

Die Erwartungen der Betriebe bleiben deutlich pessimistisch. Der Index der Geschäftserwartungen für das kommende Quartal liegt bei minus 25 und damit spürbar unter dem Wert des Vorquartals (minus 9), aber nahezu auf Vorjahresniveau. Lediglich 7 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren Geschäftslage, während 38 Prozent von einer weiteren Verschlechterung ausgehen. Am vergleichsweise wenigsten pessimistisch zeigen sich noch die Handwerke für personenbezogenen Bedarf.

Auch am Arbeitsmarkt setzt sich der Negativtrend fort. Die Zahl der Beschäftigten im Handwerk ging im 4. Quartal 2025 um rund ein Prozent zurück und lag bei 57.500. Der Rückgang betrifft alle Gewerkegruppen und spiegelt vor allem demografische Effekte und den anhaltenden Fachkräftemangel wider, verstärkt durch die insgesamt sinkende Attraktivität von Handwerksberufen. In der Mehrzahl der Betriebe (79 Prozent) blieb die Beschäftigtenzahl zwar stabil, für das 1. Quartal 2026 werden jedoch weitere leichte Verluste erwartet.

Der nominale Umsatz im Handwerk erhöhte sich im 4. Quartal 2025 um rund drei Prozent. Preissteigerungen schmälerten die realen Zuwächse jedoch deutlich. Zudem zeigte sich eine stark unterschiedliche Entwicklung zwischen den Gewerkegruppen: Während die Handwerke für personenbezogenen Bedarf und die Ausbauhandwerke Umsatzplus verzeichneten, mussten die Bauhaupthandwerke deutliche Rückgänge hinnehmen. In 39 Prozent der Betriebe stiegen die Umsätze, in 32 Prozent gingen sie zurück.

Die Auftragsreichweiten weiteten sich von 5,8 auf 6,8 Wochen aus. Ursache ist vor allem ein in vielen Gewerken auftretender winterlicher Auftragsstau. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Auslastung der Betriebe weiter auf 77 Prozent, nach 82 Prozent im 2. und 80 Prozent im 3. Quartal 2025.

Zum 31. Dezember 2025 waren im Kammerbezirk 12.755 Handwerksbetriebe registriert. Damit sank die Zahl der Betriebe gegenüber Ende Oktober um 130 und lag 194 unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang betrifft ausschließlich zulassungspflichtige Handwerke. Besonders kritisch ist dabei das Schrumpfen größerer, leistungsfähiger Betriebe, das sich zunehmend in sinkenden Beschäftigtenzahlen und einer rückläufigen Ausbildungsleistung niederschlagen wird. Vor diesem Hintergrund ist ein gesamtgesellschaftliches Umdenken über die Bedeutung des Handwerks als Wirtschaftsfaktor erforderlich.

Sonderthema Hemmnisse des Handwerks

Seit 27 Jahren erhebt die Handwerkskammer regelmäßig die Einschätzung der Betriebe zu Hemmnissen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Dadurch steht heute eine belastbare Zeitreihe zur Verfügung.

An der Rangfolge der Hindernisse hat sich Ende 2025 gegenüber dem Vorjahr kaum etwas verändert. Wie schon seit Beginn der Befragung dominieren auf hohem Niveau die Klagen über zu hohe Sozialabgaben und Steuern, die rund drei Viertel der Betriebe als Belastung benennen. Zusammen mit den bürokratischen Anforderungen, die 59 Prozent als starkes oder sehr starkes Hemmnis bewerten, sowie dem Mangel an Fachpersonal (43 Prozent) bilden sie die vier zentralen Problemfelder des Handwerks.

Dass 2025 deutlich häufiger die fehlende Nachfrage genannt wird, unterstreicht die Tiefe der konjunkturellen Krise und den dringenden Bedarf an wirksamen wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen.