Halle. SWH/HAVAG. Am 10. September 2026 haben sich die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) und Stadler, der Hersteller der TINA-Straßenbahnen, erneut mit der Bürgerinitiative ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen die seit dem ersten Gespräch (Mai 2026) umgesetzten Maßnahmen sowie die weiteren Arbeiten an Fahrzeugen, Gleisanlagen und im Betrieb. Erste technische Fahrzeugverbesserungen zeigen nach Informationen der HAVAG messbare Fortschritte bei der Reduzierung der Vibrationen. Weitere Optimierungen befinden sich auskunftsgemäß bei Stadler in der Entwicklung und werden anhand von Messungen und Erfahrungen im praktischen Betrieb erprobt.
Maßnahmen am Fahrzeug
Stadler hat verschiedene technische Optimierungen untersucht und bereits umgesetzt. Eine alternative weichere Radvariante wurde an einem umgebauten TINA-Fahrzeug im HAVAG-Netz erprobt. Messungen haben gezeigt, dass sich die Vibrationen dadurch nachweislich um mindestens fünf bis zehn Prozent reduzieren lassen.
Wagen 857 wurde testweise mit den technischen Verbesserungen umgebaut und war zuvor als Messfahrzeug im Einsatz. Nach erfolgreicher Erprobung hat die zuständige Behörde das Fahrzeug am 7. September 2026 für den Linienbetrieb freigegeben. Die HAVAG will Wagen 857 nun in den regulären Fahrgastbetrieb übernehmen und dort weitere Betriebserfahrungen sammeln.
Die Arbeiten am Fahrzeug gehen bereits in die nächste Entwicklungsstufe. Neben der erfolgreich getesteten Radvariante entwickelt Stadler derzeit ein nochmals weicheres Rad, das Schwingungen zwischen Fahrzeug und Gleis weiter reduzieren soll. Parallel dazu entsteht mit dem sogenannten Tilger eine zusätzliche technische Lösung für das Fahrwerk. Vereinfacht gesagt soll er gezielt Anregungen infolge Unebenheiten zwischen Rad und Schiene aufnehmen und die Übertragung in das Gesamtsystem mindern.
Beide Ansätze werden derzeit für den Praxiseinsatz vorbereitet und anschließend unter realen Betriebsbedingungen in Halle erprobt. Auch weitere Verbesserungen zur Reduktion der technikbedingten Geräusche, z.B. von Klimaanlagen wurden bereits umgesetzt. Diese werden an definierten Punkten und zu bestimmten Zeitfenstern automatisiert gemindert.
Maßnahmen an Infrastruktur und im Betrieb
Die HAVAG hat an fünf Infrastrukturpunkten temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen umgesetzt und überprüft deren Wirksamkeit regelmäßig. Ergänzend wird das eigene Schienenschleiffahrzeug bedarfsorientiert eingesetzt, um insbesondere in den Nachtstunden von Montag bis Donnerstag an der Verbesserung der Gleisinfrastruktur arbeiten zu können. Intensivere Gleisbauarbeiten übernehmen externe Fachfirmen.
Die Gleisinfrastruktur wird laufend bewertet, gewartet und instandgesetzt. Dazu gehören unter anderem Schweiß-, Instandsetzungs- und Schleifarbeiten an Schienen, Weichen und Gleisdreiecken. Maßnahmen erfolgten beispielsweise an der Wendeschleife Trotha, an der Vogelweide, in der Damaschkestraße, in der Rannischen Straße am Franckeplatz sowie an der Einfahrt zum Betriebshof in der Freiimfelder Straße. Weitere Arbeiten (auch Austausch vereinzelter Gleisabschnitte), unter anderem in der Großen Brunnenstraße zwischen Gabelsberger Straße und Kleiner Brunnenstraße, sind in Vorbereitung.
Vereinzelte Hinweise aus der Anwohnerschaft zum punktuellen Auftreten von Vibrationen werden weiterhin mit Messdaten und Betriebserfahrungen abgeglichen. Die HAVAG prüft zudem, ob betriebliche Maßnahmen angepasst, verlängert oder aufgehoben werden können. Entscheidungen erfolgen auf Grundlage von Messergebnissen, Betriebserfahrungen und normbasierten Bewertungen.
Erfahrungen über Halle (Saale) hinaus
Die TINA-Fahrzeuge sind inzwischen in sechs Städten im Einsatz: Nach Darmstadt folgten Basel (CH), Halle (Saale), Rostock und Gera; zuletzt kam Den Haag (NL) hinzu. Die Erfahrungen aus den verschiedenen Betrieben fließen in die laufende technische Weiterentwicklung der TINA ein. Weitere Städte, wie z.B. Görlitz und Zwickau haben neue TINA-Fahrzeuge bei Stadler bestellt.
Zeitschiene und weiterer Dialog
Einzelne Maßnahmen an Infrastruktur und Betrieb können kurzfristig Wirkung zeigen. Die technischen Weiterentwicklungen an den Fahrzeugen sind – wie bereits nach dem ersten Bürgerdialog erläutert – auf schrittweise Verbesserungen über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren ausgelegt. Änderungen werden vor einem Einsatz im regulären Betrieb auf Wirksamkeit, Betriebssicherheit und Zulassung geprüft.
HAVAG und Stadler setzen die technische und betriebliche Optimierung der TINA-Fahrzeuge fort. Die Rückmeldungen aus der Anwohnerschaft werden weiterhin gemeinsam mit Messungen und Betriebserfahrungen betrachtet. Die HAVAG steht mit der Bürgerinitiative im Austausch, informiert fortlaufend über den neuesten Stand und beabsichtigt, die Treffen mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative fortzusetzen.