Spitzenkandidaten diskutieren im Polit-Talk bei Radio Brocken und ntv
Halle/RB. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der Parteien in der gemeinsamen Wahlarena von Radio Brocken, RTL und ntv am heutigen Mittwochabend ihre Positionen zu den zentralen Zukunftsfragen des Landes vorgestellt. In der 90-minütigen Live-Sendung aus dem Multimediazentrum Halle (Saale) diskutierten Sven Schulze (CDU), Armin Willingmann (SPD), Eva von Angern (Die Linke), Ulrich Siegmund (AfD), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen), Lydia Hüskens (FDP) und Claudia Wittig (BSW) unter der Moderation von Nikolaus Blome (RTL/ntv) und Dorothée Oster aus der Nachrichtenredaktion von Radio Brocken.
Im Mittelpunkt der Debatte standen die Themen Sicherheit, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Pflege, Migration und Integration sowie mögliche Koalitionen nach der Wahl. Die Diskussion verlief über weite Strecken engagiert und stellenweise auch emotional, blieb dabei jedoch inhaltlich dicht und geprägt von klaren politischen Unterschieden.
Sicherheit und Bildung im Fokus
Zu Beginn spielte die aktuelle Sicherheitslage eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund der jüngsten Drohnenvorfälle am Flughafen Leipzig/Halle warnte Sven Schulze (CDU): „Wir hatten zweimal letztendlich Glück, dass hier nichts passiert ist. Es hätte zweimal zu einer Katastrophe führen können.“ Auch beim Thema Bildung setzte Schulze einen klaren Akzent und sagte mit Blick auf die Sprachförderung: „Erst deutsche Sprache und dann erste Klasse.“ Deutlich wurde er außerdem in der Auseinandersetzung mit der AfD und ihrem Wahlprogramm: „Das ist ein Programm, übersetzt mit dem Namen: Frauen zurück an den Herd. Und das ist nicht das Frauenbild hier in Sachsen-Anhalt im Jahr 2026.“
Ukraine-Krieg sorgt für Kontroverse
Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen für Deutschland und Europa wurden teils heftig diskutiert. Ulrich Siegmund (AfD) sagte dazu: „Wir beteiligen uns hier an einem Krieg, der nicht unser ist. Es sind genug Menschen gestorben. Jetzt muss endlich mal Schluss sein.“ Dem hielt Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) mit Blick auf das internationale Recht entgegen: „Wenn das Völkerrecht von Putin gebrochen wird, wie soll Europa auf einen Angriffskrieg reagieren, wenn nicht, indem wir darauf bestehen, dass Völkerrecht gilt?“
Energie und Wirtschaft: unterschiedliche Ansätze
Beim Thema Energie und Wirtschaft zeigten sich ebenfalls deutliche Unterschiede. Lydia Hüskens (FDP) warb für einen technologieoffenen Ansatz und sagte: „Wir müssen dafür sorgen, dass nicht irgendeine Technologie verteufelt wird, sondern schlicht sagen: Das sind unsere ökologischen Ziele und die versuchen wir zu erreichen.“ Ulrich Siegmund (AfD) stellte da vor allem die Belastung der Verbraucherinnen und Verbraucher in den Vordergrund und sagte mit Blick auf die Spritpreise: „Für 2,40 Euro tanken wir aktuell, in Polen gerade mal 1,70 Euro.“ Armin Willingmann (SPD) verwies dagegen auf konkrete industriepolitische Entlastungen: „Wir haben uns gemeinsam für die Abschaffung der Gasspeicherumlage eingesetzt. Das hilft unserer chemischen Industrie erheblich.“
Bildung, Digitalisierung und regionale Entwicklung
Auch bei Bildung, Digitalisierung und den Lebensverhältnissen im Land wurden strukturelle Probleme angesprochen. Claudia Wittig (BSW) sagte mit Blick auf die Entwicklung vieler Regionen: „Wenn man in die kleinen Mittelstädte geht, stehen dort die Geschäfte leer, die jungen Menschen fehlen.“ Zur digitalen Ausstattung an Schulen erklärte sie: „Das ist ein echtes Armutszeugnis.“
Migration und Fachkräftemangel im Gesundheitswesen
Kontrovers diskutiert wurde zudem der Themenkomplex Migration, Integration und Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Armin Willingmann (SPD) kritisierte die migrationspolitischen Vorstellungen der AfD deutlich und sagte: „Das zeugt von einer ziemlich gravierenden Unkenntnis der tatsächlichen Situation. Wir haben in Sachsen-Anhalt rund 150 syrische Ärzte, die sind unverzichtbar.“ Eine Abschiebung wie es die AfD fordere, gefährde massiv die Gesundheitsversorgung im Land. Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) warf der AfD darüber hinaus vor, gesellschaftliche Unsicherheit gezielt zu verstärken: „Sie machen den Leuten Angst, den Leidtragenden unserer Gesellschaft.“
Soziale Verantwortung und staatliche Haftung
Eva von Angern (Die Linke) setzte ihren Schwerpunkt unter anderem bei sozialer Verantwortung und staatlicher Haftung. Mit Blick auf den Fall Domo in Leuna sagte sie: „Das ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Gewinne privatisiert werden, die Haftung aber nicht.“ Zugleich verband sie ihre Positionierung mit einem direkten Wahlaufruf: „Jede Stimme für die Linke ist eine Stimme dafür, dass es nicht mehr so weitergeht.“
Persönliche Einblicke zum Abschluss
Trotz teils emotionaler und aufgeheizter Debattenmomente zeigte die Schlussrunde zum Ende noch eine unerwartet persönliche Seite der Kandidatinnen und Kandidaten. So verriet Sven Schulze, dass er kürzlich bei einem Konzert des Rappers Sido gewesen sei: „Da war man sehr verwundert, dass ich als CDU-Vertreter extrem textsicher war.“ Armin Willingmann berichtete von seiner Vorliebe für klassische Musik und sagte: „Meistens bin ich lauter, aber nicht treffsicherer als der Tenor.“ Auch Lydia Hüskens gab einen persönlichen Einblick: „Ich mag außerordentlich gerne Goldschmiedearbeiten, die Ringe sind selber gemacht.“ Einen Schlusspunkt setzte schließlich Ulrich Siegmund, der sagte: „Ich koche super gern. Wenn wir die Wahl gewonnen haben, lade ich Sven Schulze auf einen Rinderbraten ein, damit er sieht, dass bei der AfD auch manchmal der Mann hinter dem Herd steht.“
Wahlarena als letzte politische Debatte vor der Wahl
Die Wahlarena bot den Bürgerinnen und Bürgern in Sachsen-Anhalt damit noch einmal unmittelbar vor der Wahl die Möglichkeit, politische Konzepte, persönliche Akzente und klare Unterschiede zwischen den Kandidatinnen und Kandidaten direkt zu vergleichen. Die Sendung wurde am Mittwoch, 2. September 2026, ab 17 Uhr live aus dem Multimediazentrum Halle (Saale) übertragen. Ausgestrahlt wurde das 90-minütige Format im TV bei ntv sowie im Online-Stream auf radiobrocken.de.
Auch über die Wahlarena hinaus begleitet Radio Brocken die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt umfassend. Am Wahltag, Sonntag, 6. September 2026, informiert der Sender kontinuierlich über den Verlauf der Stimmabgabe sowie über Hochrechnungen, Ergebnisse und erste Analysen zur Wahl.