Sachsen-Anhalts Innenministerin stellt Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vor

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Magdeburg/MI. Sachsen-Anhalts Innenministerin Dr. Tamara Zieschang hat heute gemeinsam mit dem Leiter der Abteilung Verfassungsschutz, Jochen Hollmann, den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgestellt.

Darin wird insbesondere auf folgende Aspekte hingewiesen:

  • Die Zahl der Personen, die verfassungsfeindlichen Personenzusammenschlüssen zuzurechnen sind, ist im Jahr 2025 auf rund 7.310 Personen angestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 6.120 Personen). Das extremistische Personenpotenzial hat damit erneut einen Höchststand erreicht.

  • Der Anstieg des Personenpotenzials ist insbesondere auf einen Zuwachs im Phänomenbereich Rechtsextremismus zurückzuführen. Die Zahl der Rechtsextremisten lag im Jahr 2025 bei rund 5.100 (2024: 4.000) Personen. Das entspricht einem Anstieg von 27,5 Prozent. Auch im Phänomenbereich Linksextremismus nahm das Personenpotenzial zu. Der Verfassungsschutz rechnete der linksextremistischen Szene im vergangenen Jahr 770 Personen zu. Das ist ein Anstieg von 13,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2024 (680 Personen).

  • Der Verfassungsschutz beobachtete auch im Jahr 2025 Versuche ausländischer Mächte, mit Desinformationskampagnen auf demokratische Willensbildungsprozesse Einfluss zu nehmen. Im Vorfeld der Landtagswahl am 6. September 2026 wird eine Zunahme ausländisch gesteuerter Desinformationskampagnen erwartet.

Innenministerin Dr. Tamara Zieschang: „Der Rechtsextremismus stellt weiterhin die größte Herausforderung für unsere Demokratie dar. Rund 70 Prozent des gesamten extremistischen Personenpotenzials in Sachsen-Anhalt entfallen auf den Rechtsextremismus – und die Tendenz ist steigend. Aber auch die linksextremistische Szene ist deutlich angewachsen. Es ist alarmierend, dass die extremistischen Ränder der Gesellschaft wachsen und sich immer mehr Menschen Gruppen zuwenden, welche die Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen treten. Diesem Trend entgegenzuwirken, bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe. Der Verfassungsschutz leistet dabei wichtige Aufklärungsarbeit.“

Jochen Hollmann, Leiter des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt: „Der Verfassungsschutz war 2025 erneut mit einer komplexen Bedrohungslage konfrontiert: Die Zahl der Extremisten ist deutlich angewachsen und fremde Mächte sind fortwährend darum bemüht, das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Prozesse durch das Verbreiten von Desinformation, Cyberangriffe, Spionage und Sabotageakte zu erschüttern. Wir gehen davon aus, dass Extremisten im Inland und ausländische Akteure ihre Bestrebungen, mit Desinformationskampagnen auf demokratische Willensbildungsprozesse Einfluss zu nehmen, im Vorfeld der Landtagswahl am 6. September 2026 noch einmal verstärken werden. Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es, diese Bestrebungen aufzuklären und frühzeitig vor ihnen zu warnen.“

Rechtsextremismus

Das rechtsextremistische Personenpotenzial stieg von etwa 4.000 (2024) auf rund 5.100 Personen (2025). Hauptgrund war der starke Mitgliederzuwachs im Landesverband Sachsen-Anhalt der Alternative für Deutschland, der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist.

Insgesamt waren 3.680 Personen (2024: 2.750) in rechtsextremistischen Parteien organisiert. Davon entfielen 3.500 (2024: 2.580) auf die AfD Sachsen-Anhalt (+35,7 %). Die Partei Der III. Weg wuchs auf 110 Personen (2024: 100), Die Heimat blieb konstant bei 70.

Auch das unstrukturierte, gewaltbereite Spektrum wuchs leicht auf 1.170 Personen (2024: 1.110). Dazu zählen u. a. Musik- und Rockergruppen, Einzelpersonen sowie Jugendgruppen wie „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Deutsche Jugend Zuerst“ (insgesamt knapp 300 Personen; über ein Drittel minderjährig).

Das neonazistische, parteiungebundene Spektrum stieg leicht auf rund 310 Personen (2024: 290). Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gruppe Harz Verteidigen unter Alexander Deptolla.

„Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“

Das Personenpotenzial blieb stabil bei 700 Personen (2024: 700). Nach dem Verbot der Gruppe Königreich Deutschland (Mai 2025) war Gemeine Südharz die aktivste Gruppe.

Linksextremismus

Das Personenpotenzial stieg auf rund 770 (2024: 680). Davon gehörten 450 (2024: 385) zum nicht gewaltorientierten und 320 (2024: 295) zum gewaltorientierten Spektrum.

Der Anstieg wird u. a. mit Rekrutierungserfolgen und aktuellen politischen Konflikten begründet. Besonders auffällig ist ein Strukturwandel: Kommunistische Jugend- und Kadergruppen gewinnen an Bedeutung, während das autonome Spektrum an Mobilisierung verliert.

Islamismus

Das Personenpotenzial blieb stabil bei rund 400 Personen. Das salafistische Spektrum wuchs leicht auf 120 Personen (2024: 105).

Die Gefährdung durch radikalisierte Einzeltäter bleibt hoch. Beispiel: Ein 21-jähriger Tadschike mit Kontakt zum Islamischer Staat wurde im Dezember 2025 in Magdeburg festgenommen und später abgeschoben.

Spionage und hybride Bedrohungen

Hybride Einflussnahme durch Desinformation, Cyberangriffe und Sabotage bleibt eine zentrale Bedrohung. Besonders Aktivitäten aus Russland wurden beobachtet. Vor der Landtagswahl 2026 wird mit verstärkten Desinformationskampagnen gerechnet.

2025 kam es zudem zu Überlastungsangriffen auf das Landesportal „sachsen-anhalt.de“ sowie zu einem Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister in einem anderen Bundesland. Betroffene Systeme in Sachsen-Anhalt wurden vorsorglich abgesichert.

Auch im Bereich Proliferation gab es einen Verdachtsfall: Eine Person aus Sachsen-Anhalt soll Chemikalien für iranische Raketen geliefert haben; die Ermittlungen wurden unterstützt.

Der komplette Verfassungsschutzbericht 2025 und die Berichte der Vorjahre sind im Internet abrufbar unter: https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz