AOK: Anteil der Demenzfälle in Sachsen-Anhalt wird bis 2060 deutlich steigen

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Magdbeurg/AOK. Der Anteil der Demenzkranken wird bis 2060 in Sachsen-Anhalt bei steigender Lebenserwartung deutlich zunehmen. Leiden heute rund 2,1 Prozent der Bevölkerung an Demenz, könnten es 2060 bereits 3,9 Prozent sein. Das wäre der höchste Wert unter allen Bundesländern. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Das geht aus einer Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln hervor.

Unter der Annahme, dass die Lebenserwartung weiter steigt, werden die Demenzfälle in Sachsen-Anhalt von 49.000 im Jahr 2020 auf rund 53.000 im Jahr 2060 ansteigen. Dieser Sprung ist zwar nicht sehr groß. Gemessen an der Gesamtbevölkerung in Sachsen-Anhalt wird allerdings die Prävalenz – also der Anteil der Demenzfälle an der Bevölkerung – deutlich zunehmen. Mit einem prognostizierten Anteil von 3,9 Prozent im Jahr 2060 hätte Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich den höchsten Anteil. Danach kämen Mecklenburg-Vorpommern mit 3,8 Prozent und Thüringen mit 3,7 Prozent. Die geringste Prävalenz hätte Hamburg mit 2 Prozent.

Prävention kann Effekt abmildern

Dieser deutliche Zuwachs lässt sich bremsen – durch Prävention. Nach heutigem Forschungsstand könnte rund die Hälfte der Neuerkrankungen verhindert werden. Voraussetzung sind Verbesserungen bei wichtigen Risikofaktoren. Dazu zählen etwa eine bessere Vorbeugung von Bluthochdruck und Diabetes, aber auch ein höheres Bildungsniveau.

Wenn man diese Präventionsszenarien zugrunde legt, könnte der Anteil Demenzerkrankter im Jahr 2060 deutlich niedriger liegen und sich zwischen 2,9 und 2,4 Prozent stabilisieren. „Die alternativen Szenarien machen deutlich, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt. Schon kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, so Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Durch Prävention und eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Verzicht auf das Rauchen, mehr Bildung, die Behandlung von Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation kann einer Demenzentwicklung vorgebeugt werden.“

Osten besonders betroffen

Grundsätzlich zeigt die Prognose, dass über alle bundesweit 400 Kreise und kreisfreien Städte hinweg insbesondere für ländliche Regionen im Osten eine hohe Demenz-Prävalenz prognostiziert wird (siehe Abbildung 1)

In den Landkreisen in Sachsen-Anhalt reicht die Spanne der Anteile an Demenzerkrankten 2020 von 1,8 Prozent im Altmarkkreis Salzwedel bis 2,6 Prozent im Landkreis Dessau-Roßlau. Für das Jahr 2060 wird eine Spanne von 2,6 Prozent in Halle (Saale) bis 5,6 Prozent im Landkreis Stendal vorausgesagt – also Steigerungsraten von bis zu 115 Prozent. (siehe Abbildung 2)

Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall

Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen zudem nicht nur eine deutliche Zunahme der Anteile an Demenzfällen, sondern gleichzeitig auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Dementsprechend wird der Zahl der Demenzerkrankten eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können.

2020 standen in Sachsen-Anhalt rein rechnerisch einem Demenzfall ca. 29 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber. Diese Zahl wird bis zum Jahr 2060 auf 12 Personen je Demenzfall schrumpfen. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein.

Auch in den Landkreisen zeigen sich große Spannen. In Halle (Saale) stehen den Prognosen zufolge 2060 einem Demenzfall rund 23 Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüber. Schlusslicht ist der Landkreis Stendal: hier stehen einem Demenzfall nur rund 7 Personen gegenüber. (siehe Tabelle)

„Unsere Ergebnisse zeigen klar: Demenz ist eine ganz konkrete Herausforderung für Kommunen. Die regionalen Unterschiede werden größer. Darauf müssen sich Versorgungsstrukturen, Pflegeangebote und auch die Kommunalpolitik einstellen“, betont Corinna Beutel. Die Daten zur regionalen Entwicklung der Demenzzahlen und zur Bevölkerung im Erwerbsalter ermöglichten eine frühzeitige Planung. Versorgungsstrukturen ließen sich gezielt anpassen. „Die Prävention von Demenz ist mehr als Gesundheitspolitik. Sie ist auch sozial- und wirtschaftspolitisch dringend geboten. Nur so lassen sich schon heute abzeichnende regionale Engpässe in der Versorgung vermeiden,“ so Beutel.