Leipzig/ver.di. Nach der heutigen Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt des kommunalen Nahverkehrs in Sachsen-Anhalt ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Beschäftigten zu einem viertägigen Warnstreik vom 19. bis 22. März 2026 auf.
Betroffen sind die Verkehrsbetriebe
- HAVAG (Halle)
- MVB (Magdeburg)
- DVG (Dessau)
- PVG Burgenlandkreis
Der kommunale Nahverkehr wird in diesem Zeitraum weitgehend zum Erliegen kommen.
Hintergrund ist der gewerkschaftsseitige Abbruch der Verhandlungen. Dort wurde ein Arbeitgeberpapier vorgelegt, das aus Sicht der Gewerkschaft ver.di kein verhandlungsfähiges Angebot, sondern eine Provokation darstellt.
„Nach vier Monaten Verhandlung legen die Arbeitgeber ein Papier vor, das den Namen Angebot nicht verdient. Das ist kein Schritt auf uns zu – das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Paul Schmidt.
Die Arbeitgeber stellen ihr Papier öffentlich als „umfangreiches Entlastungsangebot“ dar. Diese Darstellung weist ver.di entschieden zurück.
Tatsächlich enthält das Papier lediglich marginale Verbesserungen bei einzelnen Zuschlägen und für Auszubildende. Dem gegenüber stehen jedoch massive Verschlechterungen:
- Öffnung zur Verlängerung der Arbeitszeit statt Entlastung
- Angriffe auf bestehende Sicherheiten, etwa bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und dem Kündigungsschutz
- keinerlei Maßnahmen zur tatsächlichen Reduzierung der Arbeitsbelastung
- Weigerung, über zentrale Forderungen zu verhandeln
„Wenn man das Ganze ehrlich bilanziert, kommt im besten Fall ein Nullsummenspiel heraus – und selbst das nur, wenn man es sich schönrechnet. Entlastung, wie sie die Kolleginnen und Kollegen brauchen, ist in diesem Papier schlicht nicht enthalten.“, so Co-Verhandler Michael Sommer.
Besonders empört zeigt sich die Gewerkschaft über die Darstellung der Arbeitgeber, die Arbeitnehmerbank sei überhaupt nicht kompromissbereit. „Das ist schlicht falsch“, stellt Schmidt klar.
„Wir sagen es von Anfang an, sowohl in den Verhandlungen als auch öffentlich: die 35h-Woche ist ein Zielbild, das wir im Vorfeld der Tarifrunde aufgestellt haben“ fügt Schmidt an. Selbstredend sei die Tarifkommission zu Korridorlösungen und schrittweisem Vorangehen bereit. „Wir haben nie behauptet, dass es keinen Spielraum gebe. Die Arbeitgeber stellen uns hier bewusst ins schlechte Licht.“
Die Beschäftigten im Nahverkehr hätten mit ihren bisherigen Streiks bereits deutlich gemacht, dass es ihnen nicht um kosmetische Korrekturen geht, sondern um echte Entlastung.
„96 Stunden Stillstand zeigen: Wir lassen uns nicht mit Pseudoangeboten abspeisen“, so ein Oliver Heinecke, Mitglied der Tarifkommission. „Wer jeden Tag am Limit arbeitet, erkennt sehr genau, ob ein Angebot wirklich hilft – oder ob es nur blenden soll.“
ver.di betont, weiterhin zu Verhandlungen bereit zu sein – jedoch auf Grundlage eines ernsthaften Angebots. „Die Tür steht offen“, so Schmidt. „Wir bieten den Arbeitgebern nun proaktiv weitere Verhandlungstermine an. Aber wenn die Arbeitgeber weiterhin auf ihren Prinzipien sitzen bleiben und Entlastung verweigern, haben die Kolleginnen und Kollegen keine andere Wahl, als sie zu erkämpfen.“
Für die Gewerkschaft ist klar: Ohne eine spürbare Arbeitszeitverkürzung im Rahmen eines Wahlmodells wird es schwer, diesen Konflikt zu beenden. Ziel bleibt es, die Arbeitsbelastung im Nahverkehr nachhaltig zu reduzieren und die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen.