Innovatives Projekt aus Halle unterstützt ältere Menschen bei der Rückkehr ins häusliche Umfeld

Rollator Senioren Pflege Alter
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Halle/MS. Die Paul-Riebeck-Stiftung und das BG Klinikum Bergmannstrost Halle erhalten für die Förderung ihres gemeinsamen Projekts „GERONT-Connect: GERiatrische Optimierte Nahtlosversorgung & Transition” rund 890.000 Euro. Das Geld stammt jeweils zur Hälfte vom Land Sachsen-Anhalt und den Pflegekassen. Das Projekt hat das Ziel, geriatrischen Patienten die notwendige Unterstützung zu bieten, um nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sicher und gesund in ihren Alltag zurückzukehren. Sozialministerin Petra Grimm-Benne: „Das reduziert nicht nur das Risiko von Rückfällen, sondern trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren bei. Älterwerden in der vertrauten Umgebung der eigenen vier Wände ist der Wunsch vieler Menschen. Unser Ziel ist es daher, dass Seniorinnen und Senioren in ihrem Wohnumfeld eine gut organisierte Nachsorge erfahren. So sollen sie auch nach einem Krankenhausaufenthalt in ihr Zuhause zurückkehren können. Genau hier setzt das GERONT-Projekt an.“

Mithilfe eines innovativen Versorgungsansatzes sollen geriatrische Patientinnen und Patienten im Stadtgebiet von Halle sektorenübergreifend besser versorgt werden. Dafür arbeiten mehrere Akteurinnen und Akteure der Paul-Riebeck-Stiftung und des BG Klinikums Bergmannstrost Halle eng zusammen, beispielsweise Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Ältere Menschen und ihre Angehörigen erhalten eine direkte und dauerhafte Ansprechperson, die sie in Bezug auf eine individuelle Versorgung berät. Die Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nach einem Krankenhausaufenthalt erleichtert den Seniorinnen und Senioren nicht nur die Rückkehr ins häusliche Umfeld, sondern sichert auch die kontinuierliche therapeutische und pflegerische Betreuung. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

„Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nach einem Sturz, einer Krankheit oder einer OP mit nahtloser und fachkundiger Nachsorge sehr schnell gute Genesungserfolge zu erreichen sind. Das funktioniert auch bei Patienten im hohen Alter. Wir dürfen nur die Betroffenen nicht allein lassen mit ihren Ängsten, der Rundumorganisation für nötige Therapien oder einem Wirrwarr an Zuständigkeiten. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam eine geschlossene Kette guter Versorgung entwickeln. Wieviel Lebensqualität könnten die Betroffenen bewahren oder wiedererlangen mit der Gewissheit, dass eine Rückkehr in die eigene Wohnung möglich ist?“, Andreas Fritschek, Vorstand der Paul-Riebeck-Stiftung zu Halle an der Saale.

Henry Rafler, Pflegedirektor im BG Klinikum Bergmannstrost: „Das Projekt besitzt für unser Klinikum und insbesondere für unsere betagten Patientinnen und Patienten eine herausragende Bedeutung. Es greift ein zentrales Versorgungsproblem auf, das wir im klinischen Alltag immer wieder erleben: Trotz des pflegepolitischen Grundsatzes „ambulant vor stationär“ müssen wir unsere Patientinnen und Patienten häufig in eine unbefriedigende Pflegesituation entlassen, die die Förderung der Selbständigkeit nicht leisten kann. Der neue Ansatz der Übergangsversorgung bedeutet für unsere älteren Patientinnen und Patienten vor allem eines: mehr Selbstbestimmung und eine reale Chance, nach einer schweren Verletzung oder Erkrankung in das vertraute häusliche Umfeld zurückzukehren. Wir als Klinikum gewinnen damit eine deutliche Qualitätssteigerung in dem klinischen Entlass- und Übergangsmanagement und stärken die Versorgungsqualität nachhaltig.“

GERONT-Connect ist das Ergebnis einer längeren Kooperation zwischen dem Institut für Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Paul-Riebeck-Stiftung. Während die Stiftung zusammen mit dem Klinikum Bergmannstrost den neuen Versorgungsansatz in die Praxis umsetzt, evaluiert die Universität und prüft die Umsetzbarkeit und Akzeptanz bei Patientinnen und Patienten sowie Leistungserbringerinnen und Leistungserbringern. „Ziel ist es, manifeste Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Das wird ein spannendes Projekt und vor allem ein zeitgemäßes, denn die Anzahl der Menschen, die Unterstützung in den Aktivitäten des täglichen Lebens benötigen, steigt kontinuierlich. Pflege hingegen ist ein zunehmend knappes Gut“, so Professorin Gabriele Meyer. Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Katrin Beutner und Felix Bühler ergänzen, dass die Zeit direkt nach einem Krankenhausaufenthalt ganz entscheidend sei. „Hier umsorgt, barrierefrei und in der Wiederherstellung der Unabhängigkeit begleitet zu werden, kann einen echten Unterschied machen.“

Für die Erprobung innovativer Projekte im Bereich der Pflege im Quartier stehen in Sachsen-Anhalt bis 2028 rund 6,5 Millionen Euro zur Verfügung. Durch regionale Modellvorhaben sollen Pflegebedürftige vor Ort in ihrem gewohnten Lebensumfeld unterstützt werden. Die Modellvorhaben sollen die Lebenssituation der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen erleichtern, bereits bestehende kommunale Angebote vernetzen oder einer wachsenden Pflegebedürftigkeit entgegenwirken. Bereits jetzt werden über 70 Prozent der über 200.000 Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt in ihrem häuslichen Umfeld betreut.

Hintergrund
Das Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG) hat mit der Neufassung des § 123 SGB XI die Flexibilisierung und Stärkung der häuslichen Pflege in den Fokus gerückt. Mit dieser Neufassung hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eröffnet, die Förderung von regionalspezifischen Modellvorhaben zur Entwicklung von Maßnahmen und Strukturen zur Unterstützung von Pflegebedürftigen und deren Pflegepersonen zu ermöglichen. Das Land Sachsen-Anhalt stellt die Fördermittel gemeinsam mit der sozialen Pflegeversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung zur Verfügung.