Halle/Saale. In Deutschland steht diese Geflügelkrankheit derzeit wieder verstärkt im Fokus der tierseuchenrechtlichen Überwachung. Nachdem über 30 Jahre keine Ausbrüche in Nutzgeflügelbeständen festgestellt worden waren, wurden seit 20.02.2026 wieder Fälle in Deutschland bestätigt, unter anderem in Geflügelhaltungen in Brandenburg und Bayern.
Die Newcastle-Krankheit oder Newcastle Disease (ND), auch als atypische Geflügelpest bezeichnet, gehört zu den bedeutendsten Viruserkrankungen des Geflügels weltweit, die bei Hühnern, Puten und zahlreichen anderen Vogelarten auftreten kann. Die Tierseuche wird durch das Newcastle Disease Virus (Avian Paramyxovirus-1, APMV-1) verursacht, das in unterschiedlichen Virustypen auftritt, wovon maßgeblich die Schwere der Krankheitssymptome abhängen. Für den Menschen stellt das Virus in der Regel keine gesundheitliche Gefahr dar.
Auch in Sachsen-Anhalt wird die Situation aufmerksam beobachtet. Bislang wurden im Land keine Ausbrüche festgestellt.
Dennoch wird eine erhöhte Wachsamkeit in Geflügelhaltungen empfohlen. Insbesondere sollten Geflügelhalter auf die Einhaltung der für Hühner und Truthühner vorgeschriebenen regelmäßigen Impfungen gegen ND achten und ggf. nachimpfen.
Neben der Impfung ist vor allem die Biosicherheit ein zentraler Baustein der Tierseuchenprävention. Dazu gehört unter anderem, den Kontakt zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln möglichst zu verhindern, Stallungen nur mit sauberer Kleidung und sauberen Schuhen zu betreten und betriebsfremde Personen- und Fahrzeugbewegungen zu kontrollieren. Schon einfache Hygienemaßnahmen können dazu beitragen, das Risiko einer Einschleppung von Krankheitserregern deutlich zu reduzieren.
Des Weiteren sollten Geflügelbestände durch den Tierhalter engmaschig auf Anzeichen von Krankheitssymptomen überprüft werden.
Symptome
Typisch für die ND ist – genau wie bei der Klassischen Geflügelpest – zunächst das Auftreten unspezifischer Symptome. Betroffene Tiere wirken matt, trinken und fressen weniger und zeigen teilweise einen Rückgang der Legeleistung. Im weiteren Verlauf können Atemwegssymptome wie Husten, Niesen oder Atemnot auftreten. In schweren Fällen kommt es zudem zu neurologischen Störungen, etwa Gleichgewichtsstörungen, Kopfschiefhaltung oder Lähmungserscheinungen. Auch Durchfall und Veränderungen der Eischalen können beobachtet werden. Zudem kann es bei sehr schnellem Verlauf zu plötzlichen Todesfällen kommen.
Es gibt derzeit keine Therapie gegen die ND. Bei Feststellung eines Ausbruchs folgt entsprechend der tierseuchenrechtlichen Vorschriften die Tötung aller Vögel der betroffenen Haltung sowie ggf. die Einrichtung von Restriktionszonen.
Eine labordiagnostische Untersuchung auf ND ist am Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) möglich. Insbesondere bei klinischen Symptomen, die einer Geflügelinfluenza (Vogelgrippe) ähneln, wird eine differenzialdiagnostische Untersuchung auf ND ausdrücklich empfohlen.
Impfung
In Deutschland spielt die Impfung eine zentrale Rolle bei der Prävention der Krankheit. Für Geflügel besteht seit 1994 eine bundesweite Impfpflicht für Hühner und Truthühner gegen ND. Dennoch ist eine Infektion trotz Impfung möglich, allerdings infizieren sich geimpfte Tiere schwerer, scheiden weniger Virus aus und zeigen eine geringere Ausprägung von Krankheitssymptomen.
Die aktuellen ND-Ausbrüche zeigen einmal mehr, wie wichtig eine konsequente Umsetzung von Impf- und Biosicherheitsmaßnahmen sowie eine frühzeitige diagnostische Abklärung bei Krankheitsverdacht in der Geflügelhaltung sind. Je früher Tierseuchenausbrüche erkannt werden, desto besser kann es gelingen die Weiterverbreitung von Krankheitserregern einzudämmen. Dies erspart Tierleid und hohe wirtschaftliche Verluste.