Magdeburg/MI. In Sachsen‑Anhalt ist die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Die Landespolizei registrierte insgesamt 70.704 Verkehrsunfälle und damit 349 bzw. 0,5 Prozent Unfälle weniger als im Jahr 2024. Grundlage ist die Polizeiliche Verkehrsunfallbilanz 2025, die Innenministerin Dr. Tamara Zieschang am Dienstag gemeinsam mit Verkehrsreferentin Janine Herfen vorgestellt hat.
Innenministerin Dr. Tamara Zieschang: „Im Durchschnitt passiert alle sieben Minuten ein Verkehrsunfall auf Sachsen‑Anhalts Straßen. Diese Zahl macht deutlich, wie allgegenwärtig die Gefahren im Straßenverkehr sind. Im Jahr 2025 verloren 101 Menschen dabei ihr Leben. Die Zahl der Verkehrstoten befindet sich damit auf einem historischen Tiefstand. Gleichwohl steht hinter jedem Verkehrstoten ein schmerzlicher Verlust. Daher gilt es, nicht nachzulassen und gemeinsam für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen.“
Weniger Verkehrstote bei nahezu konstantem Unfallgeschehen
Im vergangenen Jahr verunglückten 10.386 Menschen auf den Straßen Sachsen-Anhalts. Das waren 417 Menschen bzw. vier Prozent mehr als im Jahr 2024. Landesweit kamen 2025 insgesamt 101 Menschen bei 94 Verkehrsunfällen ums Leben. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Rückgang um zehn Todesopfer bzw. neun Prozent. Damit fiel die Zahl erneut auf den bislang niedrigsten Stand seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1992. In den vergangenen zehn Jahren ist dies ein Rückgang um rund ein Viertel. Unter den Verkehrsunfallopfern waren vor allem Fahrer bzw. Insassen von PKW, von denen insgesamt 45 ums Leben kamen. Zudem verunglückten 15 Fußgänger sowie 27 Nutzerinnen und Nutzer von Zweirädern tödlich, darunter Kraftrad‑, Fahrrad‑ und Pedelec‑Fahrende. Mit LKW kamen acht Menschen ums Leben. Weitere Todesfälle betrafen vereinzelt Nutzende von Kleinkrafträdern, Elektrokleinstfahrzeugen und eines Krankenfahrstuhls sowie in einem Fall den Insassen einer Straßenbahn. Der Rückgang der Verkehrstoten ist vor allem auf weniger tödliche Unfälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren zurückzuführen.
Zahl der Verletzten
Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Verletzten leicht zu. 2025 wurden 8.575 Leichtverletzte registriert, dies entspricht einem Plus von 382 Fällen bzw. fünf Prozent. Auch bei den Schwerverletzten gab es einen Anstieg um 45 Personen auf insgesamt 1.710 (plus drei Prozent).
Rückgang der Getöteten auf Autobahnen
Die Zahl der Verkehrsunfälle auf Autobahnen in Sachsen-Anhalt blieb 2025 mit 4.628 nahezu konstant (2024: 4.537). Deutlich gesunken ist jedoch die Zahl der Getöteten von 30 auf 8 (−73 %). Hauptgrund sind weniger tödliche Unfälle auf A2 und A14. Gleichzeitig stieg die Zahl der Verletzten leicht (841 Leichtverletzte, 220 Schwerverletzte). Stauende-Unfälle gingen leicht zurück (171 Fälle), ebenso die Zahl der Verunglückten (93; −30 %); es gab ein Todesopfer (2024: 11).
Unfallursachen
Häufigste Ursache bleibt „Wild auf der Fahrbahn“ (ca. 20 %, 14.589 Fälle), meist mit Rehwild. Personenschäden traten in 132 Fällen auf (143 Verletzte), Todesfälle gab es keine. Weitere häufige Ursachen sind Fehler beim Wenden/Rückwärtsfahren (11 %), zu geringer Abstand (9 %), überhöhte Geschwindigkeit (7 %) und Vorfahrtsverstöße (6 %).
Bei schweren Unfällen ist unangepasste Geschwindigkeit die Hauptursache (429 Fälle). Von 94 tödlichen Unfällen (101 Tote) gingen 23 darauf zurück. Weitere Ursachen: Vorfahrtsverstöße und eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit.
Alkohol und Drogen
2025 wurden 1.269 Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss registriert (leicht rückläufig). Alkoholunfälle haben sich seit 2007 etwa halbiert. Es gab 523 Verletzte und 2 Tote (2024: 10). Drogenunfälle nahmen leicht zu (270 Fälle), ohne tödliche Folgen.
Pedelecs und E-Scooter
Unfälle mit Pedelecs stiegen deutlich (+42 % auf 490 Fälle). Verunglückte: 409 (+43 %), darunter 4 Tote. 58 % trugen keinen Helm.
E-Scooter-Unfälle machten nur 0,5 % aus, nahmen aber stark zu (332 Fälle). 250 Personen verunglückten, 2 starben. Häufig betroffen sind junge Erwachsene; viele Unfälle passieren in Magdeburg und Halle.
Fahrrad- und Fußverkehr
Fahrradunfälle gingen leicht zurück (2.634 Fälle), ebenso die Todesfälle (8; −5). Viele Unfälle werden von Radfahrenden selbst verursacht, oft durch falsche Straßenbenutzung.
Fußgängerunfälle blieben nahezu konstant (914), jedoch stieg die Zahl der Todesopfer auf 15. Häufige Ursachen sind Unachtsamkeit und Rotlichtverstöße.
Lkw-Unfälle
Die Zahl der Lkw-Unfälle stieg leicht (11.462), der Anteil blieb bei 16 %. Insgesamt gab es weniger Verletzte und deutlich weniger Tote (22; −46 %). Viele Unfälle betreffen Fahrzeuge bis 3,5 t, deren Zahl zunahm.
Risikogruppen
Menschen ab 75 Jahren stellen 14 % der Bevölkerung, aber rund ein Drittel der Verkehrstoten. 33 Senioren starben (+6). Häufige Ursachen sind Vorfahrtsfehler und falsche Straßenbenutzung; 78 % der Unfälle werden von ihnen selbst verursacht.
Auch junge Erwachsene (18–24) sind überdurchschnittlich oft beteiligt (10.691 Unfälle), meist selbst verursacht. Die Zahl der Todesopfer sank jedoch auf 5.
Abschließend betont Innenministerin Dr. Tamara Zieschang: „Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beteiligt sich die Landespolizei regelmäßig u.a. an bundes- bzw. europaweiten Kontrollaktionen. Kontrollen allein reichen aber nicht aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel mit konsequenter Präventionsarbeit. Wir müssen gezielt diejenigen erreichen und sensibilisieren, die besonders gefährdet sind, vor allem Kinder und Senioren. Nur wer Risiken kennt und erkennt, kann sie vermeiden und so Leben schützen.“
Fazit
Die Verkehrssicherheit verbessert sich in einigen Bereichen (weniger Tote, insbesondere auf Autobahnen und bei Alkoholunfällen). Gleichzeitig nehmen Risiken durch neue Mobilitätsformen, hohe Geschwindigkeit und menschliches Fehlverhalten zu. Polizei setzt weiterhin auf Kontrollen und Prävention, besonders für gefährdete Gruppen wie Kinder und Senioren.