„Wir werden sichtbar“ – Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

AWO
© H@llAnzeiger

Halle/AWO. „Wir werden sichtbar“ so lautet dieses Jahr das Motto der Aktionswoche „Kinder aus suchtbelasteten Familien“, die vom 22. bis 28. Februar stattfindet. NACOA e.V., die Interessensvertretung betroffener Kinder, möchte die Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Fokus rücken und die Öffentlichkeit für deren herausfordernde Situation sensibilisieren.

Sucht ist kein Randproblem und viele Familien sind davon betroffen. In Deutschland wächst jedes 5. bis 6. Kind mit suchtkranken Eltern auf. Das Motto der Aktionswoche wurde aus gutem Grund gewählt, denn über Sucht spricht man nicht. Suchterkrankungen sind nach wie vor stark stigmatisiert, so dass Betroffene sich oft nicht trauen, darüber zu reden. Auch in der Familie wird nicht darüber gesprochen. Dieses Tabu verhindert, dass sich betroffene Kinder und Jugendliche Hilfe holen. Sie werden nicht als Angehörige eines Suchtkranken wahrgenommen und bleiben deshalb häufig mit der belastenden Situation alleine. Eine Suchterkrankung der Eltern oder eines Elternteils kann sich entwicklungshemmend auf die betroffenen Kinder auswirken. Sie brauchen deshalb Hilfe – so früh wie möglich. Ohne diese besteht das Risiko, dass sie später selber eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Störung entwickeln.

In den Kommunen und Landkreisen brauchen wir verbindliche Kooperationen zwischen Geburtskliniken, Jugendhilfe und Suchthilfe, um die Kinder frühzeitig zu erreichen. Rahmenverträge müssen das Ineinandergreifen der Hilfen automatisch regeln, damit die betroffenen Familien von Anfang an die optimale Unterstützung bekommen. Wenn uns das gelingt, tun wir etwas für die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen.

Erwachsene Betroffene finden Hilfe bei den Suchtberatungsstellen in Halle und im Saalekreis. Sie bieten offene Sprechzeiten an, so dass man sich dort an jedem Tag in der Woche ohne Termin Hilfe holen kann. Die Angebote der Beratungsstellen sind kostenlos und können auch anonym in Anspruch genommen werden. Wer keine Möglichkeit hat, eine Beratungsstelle aufzusuchen, kann „DigiSucht“, eine Onlineberatung, nutzen (www.suchtberatung.digital). Ein weiteres Online-Portal, die bke-Online-Beratung bietet Eltern die Möglichkeit, sich bei Fragen zur Erziehung mit Fachkräften auszutauschen. Auch Jugendliche, die Sorgen und Probleme haben, können dieses Online-Angebot nutzen (www.bke-beratung.de/jugendberatung). Und der Krisenwegweiser des Saalekreises und der Stadt Halle kann bei diversen Problemlagen weiterhelfen (Krisenwegweiser-Halle.de).

Die Fachstellen für Suchtprävention im Saalekreis und Halle bieten Grundschulen einen Parcours an, der spielerisch über Sucht aufklärt und Kindern bei Bedarf Möglichkeiten aufzeigt, wo sie sich Unterstützung holen können, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, das Familiengeheimnis zu verraten. Eine anschließende Beratungsstunde mit einer Fachkraft, erlaubt es den Kindern, ihre Sorgen bei einer unter der Schweigepflicht stehenden erwachsenen Person loszuwerden. 

In Kooperation mit der Fachstelle für Suchtprävention Saalekreis der AWO Erziehungshilfe Halle (Saale) gGmbH bieten die Bibliotheken Leuna, Bad Dürrenberg, Merseburg, Teutschenthal und Mücheln dieses Jahr eine Themenecke für ihre Leser*innen an. In der Aktionswoche wird es Plakate und Informationen für Eltern und auch Kinder und Jugendliche geben.

Plakate werden auch an Kinderärzt*innen im Saalekreis versendet, die in Warteräumen sensibilisieren können.

Zusätzlich wird es in der Gemeinschaftsschule Würdetal am 24.02. 2026 einen Filmvormittag geben. Gezeigt wird „Zoey“, ein Spielfilm über die Lebenswelt von Kindern aus einer suchtbelasteten Familie. Auch hier wird im Anschluss ein Gespräch für die Jugendlichen angeboten.

Auch die Fachstelle für Suchtprävention Halle zeigt zusammen mit der Arbeitsgruppe „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ im Rahmen der Aktionswoche am 26.02.2026 um 10.00 und 14.00 Uhr kurze Dokumentarfilme in der evangelischen Stadtmission, in denen betroffene Jugendliche über ihre Erfahrungen berichten. Im Anschluss stehen Expert*innen aus der Suchthilfe für eine Fragen- und Gesprächsrunde bereit. Die Veranstaltungen richten sich an Jugendliche und an Fachkräfte. Interessierte können sich gerne bei der Fachstelle für Suchtprävention melden: praevention@stadtmission-halle.de 

Möchten Sie sich einbringen zu diesem oder anderen präventiven Themen? Haben Sie Interesse an einer Weiterbildung?

Dann kontaktieren Sie die Fachstelle für Suchtprävention im Saalekreis: 
Fachstelle Suchtprävention Saalekreis der AWO Erziehungshilfe Halle (Saale) gGmbH
Mail: Suchtpraevention@awo-halle-merseburg.de