Alternative zur Knochenmarkprobe: Kindern mit Muskelkrebs könnte eine schmerzhafte Untersuchung erspart bleiben

Prof. Hettmer erklärt, wie FDG-PET-Scans eine schmerzhafte Bestimmung des Krankheitsstadiums bei Rhabdomyosarkomen in den meisten Fällen überflüssig machen können. Foto: Universitätsmedizin Halle.

Halle/UMH. Ein PET-Scan kann bei Menschen mit Rhabdomyosarkom einen Befall des Knochenmarks ebenso zuverlässig erkennen wie die bisher übliche Knochenmarkpunktion. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung der Universitätsmedizin Halle, die im „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht wurde. Dafür wurden Daten von mehr als 300 Patient:innen ausgewertet, darunter viele Kinder und Jugendliche.

Weniger schmerzhafte Untersuchungen

Rhabdomyosarkome sind seltene Tumoren des Muskelgewebes und gehören im Kindesalter zu den häufigsten Weichteiltumoren. Da sich die Erkrankung auch auf das Knochenmark ausbreiten kann, ist eine zuverlässige Diagnostik für die Therapieplanung wichtig.

Bisher gilt die Knochenmarkpunktion als Standard. Sie ist jedoch schmerzhaft und untersucht nur einzelne Entnahmestellen. Ein ungleichmäßig verteilter Befall kann dadurch übersehen werden.

Die Forschenden untersuchten deshalb die Positronen-Emissions-Tomographie mit dem radioaktiv markierten Zucker FDG (FDG-PET). Da Tumorzellen einen hohen Energiebedarf haben, nehmen sie mehr FDG auf und können dadurch im PET sichtbar gemacht werden.

PET in drei Vierteln der Fälle ausreichend

Bei rund drei Vierteln der untersuchten Patient:innen lag kein Knochenmarksbefall vor. Bei den übrigen Patient:innen stimmten Knochenmarkpunktion und FDG-PET in rund 70 Prozent der positiven Fälle überein. In weiteren 30 Prozent wurde der Befall ausschließlich durch die PET-Untersuchung erkannt. Nur in einem Fall lieferte die Knochenmarkpunktion einen positiven Befund, der durch PET nicht erkannt wurde.

Die Forschenden kommen daher zu dem Schluss, dass FDG-PET einen Knochenmarksbefall ebenso zuverlässig erkennen kann wie die bisherige Standarduntersuchung.

Änderung der Diagnostik empfohlen

Die Studienautor:innen schlagen vor, FDG-PET künftig als ersten diagnostischen Schritt einzusetzen. Zeigt die Untersuchung keinen Hinweis auf einen Knochenmarksbefall, könnte bei vielen Patient:innen auf eine Knochenmarkpunktion verzichtet werden.

Bei einem auffälligen PET-Befund empfehlen die Forschenden weiterhin eine Knochenmarkuntersuchung oder eine MRT. Denn auch Entzündungen oder Verletzungen können zu einem auffälligen PET-Bild führen.

„Wenn sich eine schmerzhafte Untersuchung vermeiden lässt, ohne die Qualität der Diagnostik zu beeinträchtigen, ist das ein wichtiger Gewinn für die Patient:innen“, sagt Studienautorin Prof. Dr. Simone Hettmer von der Universitätsmedizin Halle. Nach den Ergebnissen der Studie könnte dies bei etwa drei Vierteln der Patient:innen möglich sein.

An der internationalen Studie waren neben der Universitätsmedizin Halle unter anderem Forschungseinrichtungen aus Italien, den USA, den Niederlanden und Deutschland beteiligt.

Originalpublikation
Mercolini F, Just M, Shulkin B, […] Schoot RA, Hettmer S. Omitting Bone Marrow Sampling in FDG-Avid Rhabdomyosarcoma With 2-[18F]FDG PET-Negative Marrow: Results From an International Retrospective Study. J Clin Oncol. 2026 August doi: 10.1200/JCO-25-03080