Zahnärztlicher Befund direkt in der Geriatrie: Kooperation stärkt Versorgung älterer Menschen

Dr. Andernach, Prof. Hey und PD Dr. Schweyen (v.l.). Foto: Universitätsmedizin Halle.

Halle/UMH. Ältere Patient:innen der Universitätsmedizin Halle erhalten während ihres stationären Aufenthalts in der Universitätsklinik und Poliklinik für Altersmedizin eine zahnärztliche Befundung. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Zahngesundheit älterer Menschen als festen Bestandteil der Altersmedizin zu stärken. Um den Schwerpunkt auch extern sichtbarer zu machen, wurde eine der Zahnkliniken des Departments im Jahr 2025 offiziell in „Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Alterszahnmedizin“ umbenannt.

„Für viele ältere Menschen stellt der Zahnarztbesuch aufgrund eingeschränkter Mobilität oder fehlender Unterstützung eine Herausforderung dar. Zudem wird der eigene Behandlungsbedarf im Alter oft unterschätzt oder nicht mehr als dringlich empfunden. Nicht selten berichten Patient:innen, ihre Prothesen nicht mehr zu tragen, weil sie sie viele Jahre nicht kontrollieren oder haben anpassen lassen“, sagt Dr. Stefanie Andernach, kommissarische Direktorin der Universitätsklinik und Poliklinik für Altersmedizin der Universitätsmedizin Halle. „Die Patient:innen sind aufgrund anderer Erkrankungen bei uns in stationärer Behandlung, erhalten aber dank des Kooperationsprojekts auch einen zahnärztlichen Befund und somit eine individuelle Empfehlung zur Weiterbehandlung.“

Bedürfnisse der Patient:innen in der Alterszahnmedizin sehr individuell

„Den regelmäßigen Austausch und das gegenseitige Lernen empfinden beide Projektpartner als sehr wertvoll, denn sowohl die geriatrische als auch die zahnärztliche Behandlung von Senior:innen unterliegen besonderen Anforderungen“, sagt PD Dr. Ramona Schweyen, Oberärztin und Leiterin der Sektion Alterszahnmedizin im Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. „Grundsätzlich gelten für Zahnersatz und Füllungen für ältere Menschen die gleichen Qualitätsstandards wie für jüngere, doch die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. Während ein 85-Jähriger, der mit dem Fahrrad zur Klinik fährt, noch Implantate wünscht, kann dieselbe Behandlung für eine 73-jährige Patientin nach einem Schlaganfall ungeeignet sein“, erklärt PD Dr. Schweyen.

Altersmedizin und Altersforschung im Fokus

Um die Vielschichtigkeit der Alterszahnmedizin auch nach außen deutlich hervorzuheben, erfolgte im Jahr 2025 die Umbenennung der Klinik. Außerdem wird die Alterszahnmedizin mit einer interdisziplinären Vorlesungsreihe aus geriatrischer, zahnmedizinischer, pflegerischer und rechtlicher Sicht ab dem kommenden Sommersemester auch im Studium stärker verankert sein.

„Die ärztliche und zahnärztliche Versorgung älterer Menschen wird uns in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen. Diesen Bedarf hat die Universitätsmedizin frühzeitig erkannt und die Schwerpunkte Altersmedizin und Altersforschung bereits vor einigen Jahren definiert“, ergänzt Prof. Dr. Jeremias Hey, Direktor der Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Alterszahnmedizin der Universitätsmedizin Halle. „Langfristiges Ziel ist es, die vulnerable Patientengruppe unterstützungsbedürftiger älterer Senior:innen besser zu erreichen und einen Beitrag zum ‚Gesunden Altern‘ zu leisten.“