Tarifgebundene Unternehmen besetzen Stellen erfolgreicher

Magdeburg. MS/LSA. Tarifgebundene Unternehmen in Sachsen-Anhalt besetzen Stellen erfolgreicher und ihr Personal wechselt seltener. Das geht aus aktuellen Daten des IAB-Betriebspanels hervor, einer bundesweiten Arbeitgeberbefragung. Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne kommentierte: „Tarifbindung zahlt sich für Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte aus.“ Kay Senius, Leiter der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt: „Arbeitnehmer profitieren derzeit auf dem Arbeitsmarkt von einem Überangebot an freien Arbeitsstellen. Eine profitable Rolle, wenn es darum geht, den passenden Arbeitgeber für sich zu finden. So gewinnt in diesem Wettbewerb zuerst das Unternehmen neue Fachkräfte, welches neben modernen Benefits, wie beispielsweise flexiblen Arbeitszeitmodellen, betrieblichen Gesundheitsmanagement, individuellen Karrierechancen auch Arbeitnehmer attraktiv vergütet.“ Unternehmen mit Tarifbindung konnten knapp zwei Drittel der angebotenen Fachkräftestellen besetzen (63 Prozent), bei Unternehmen, die sich nicht wenigstens an einem Tarifvertrag orientieren, lag die Quote bei gut der Hälfte der angebotenen Jobs (55 Prozent).

Auch die Arbeitnehmer profitieren. Tarifgebundene Unternehmen zahlen meist ein deutlich höheres Entgelt und die Beschäftigungsverhältnisse sind häufig auch stabiler. Die monatlichen Durchschnittsverdienste von (Vollzeit-)Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen liegen um rund zwölf Prozent über dem Durchschnittsverdienst in Sachsen-Anhalt, während die Monatsverdienste von Beschäftigten in nicht tarifgebundenen Betrieben deutlich unter dem Durchschnitt aller Beschäftigten liegen. Besonders niedrig sind die Verdienste in Betrieben, die nicht tarifgebunden sind und sich auch nicht an einem Tarifvertrag orientieren. Diese liegen fast 20 Prozent unter dem Durchschnitt aller Beschäftigten.

Grimm-Benne sagte, wo schlecht bezahlt werde, sei es schwer, qualifizierte Fachkräfte zu binden: „Sich stärker in Arbeitgeberverbänden zu organisieren und durch die Anwendung tariflicher Standards faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, liege auch im Eigeninteresse von Unternehmen, die langfristig wettbewerbsfähig im Kampf um Fachkräfte bleiben wollen.“

Senius: „Mit Blick auf das Potential der Auspendler als Rückkehrer aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt und den Möglichkeiten der gezielten Suche nach ausländischen Fachkräften sind Unternehmen mit Tarifbindung deutlich im Vorteil. Wir befinden uns im Konkurrenzkampf mit den anderen Bundesländern um die Fachkräfte. Die Vergütung ist ein wesentlicher Entscheidungsfaktor für die Wahl des Arbeitsortes.“

In Sachsen-Anhalt ist laut IAB-Betriebspanel jeder vierte Betrieb tarifgebunden. Damit hat Sachsen-Anhalt die höchste Tarifbindung unter den neuen Ländern. Die Tarifbindung in Sachsen-Anhalt sei im Vergleich zum Vorjahr stabil, sagte die Ministerin. Langfristig sei die Tarifbindung in Ost-und Westdeutschland aber rückläufig. Dies sei bedauerlich. So ist in der Pflege- und Gesundheitsbranche der Anteil an Betrieben mit Tarifbindung von 28 Prozent im Jahr 2005 auf jetzt 19 Prozent gesunken. Im Jahr 2018 sind 24 % der Betriebe mit 50 % der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt tarifgebunden; in Ostdeutschland insgesamt ist es knapp jeder fünfte (19 Prozent) mit 45 Prozent der Beschäftigten.

Das Ausmaß der Tarifbindung variiert dabei je nach Wirtschaftszweig stark. Im Bereich Energie/Wasser/Abfall und Bergbau, im Baugewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung sind überdurchschnittlich viele Betriebe an einen Tarifvertrag gebunden. Im Gegensatz hierzu spielen Tarifverträge im Bereich der Information und Kommunikation eine geringe Rolle. Zudem steigt der tarifliche Deckungsgrad mit der Betriebsgröße.