Pflegefinanzierung treibt immer mehr Menschen an den Rand ihrer finanziellen Existenz

AWO Regionalverband Halle-Merseburg e.V. ruft zum Protest auf: Postkarten-Aktion gegen steigenden Eigenanteil

Halle, 11.06.2019. AWO. „Absichern, nicht verunsichern!“ – so lautet die zentrale Forderung einer Postkarten-Aktion, mit der sich die AWO für eine gerechte Finanzierung der Pflege stark macht. Die AWO hat im Frühjahr bereits über 74.000 Unterschriften für eine entsprechende Petition gesammelt.

„Wir brauchen eine sozial gerechte Finanzierung und eine Änderung des Systems: der Eigenanteil muss begrenzt werden und die Kostensteigerungen sind durch die Pflegeversicherung zu tragen!“, so Dr. Gaby Hayne, Geschäftsführerin des AWO Regionalverbandes Halle-Merseburg, der sich an der Kampagne beteiligt. 

Wer sich gemeinsam mit der AWO für ein neues Gesetz stark machen möchte, das eine Begrenzung des Eigenanteils regelt, kann sich ab heute in unserer AWO-Geschäftsstelle in der Zerbster Straße 14 in Halle sowie in unseren Seniorenheimen eine Karte abholen und diese unterschrieben an den AWO Bundesverband in Berlin schicken.

Die Karten liegen ab Donnerstag in folgenden Seniorenheimen aus:

  • Seniorenheim „Haus Silberhöhe“, Querfurter Straße 13, 06132 Halle
  • Seniorenheim „Lindenhof“, Beesener Straße 227, 06110 Halle
  • Seniorenheim „Drosselweg“, Calvinstraße 6, 06110 Halle
  •      Seniorenheim „Schöne Aussicht“, Linzerstraße 25, 06128 Halle

Die Kampagne läuft noch bis Mitte Juni. Denn das Thema soll am 24. Juni im Petitionsausschuss des Bundestages debattiert werden.

Die aktuelle Regelung der Pflegeversicherung treibt viele Menschen an den Rand ihrer finanziellen Existenz. Im Bundesdurchschnitt müssen zurzeit jeden Monat 1.750 Euro aus eigener Tasche für einen Pflegeplatz im Seniorenheim bezahlt werden. Zum Vergleich: Ende 2017 lag das durchschnittliche Netto-Renteneinkommen in den alten Bundesländern bei monatlich 1.231 Euro und in den neuen Bundesländern bei 1.169 Euro.

„Eine gute Pflegeversicherung muss die betroffenen Bewohner*innen und deren Angehörige absichern. Ein steter Anstieg der Pflegekosten ist in einer Gesellschaft wie unserer eine soziale Ungerechtigkeit, welche die betroffenen Menschen extrem verunsichert und ihre Lebensleistung auch nicht würdigt. Es braucht dringend eine Begrenzung der Höhe des Eigenanteils und eine verlässliche Planung für die gesamte Dauer der Pflege. Durch die derzeitige Regelung sind Bewohner*innen, die ihren Anteil an unserer Gesellschaft in ihrem Leben geleistet haben, gezwungen, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen“, so Dr. Gaby Hayne. Und das wiederum belastet die kommunalen Haushalte – zudem bringt es vielen Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen Scham, Angst und große Sorge.

Die AWO fordert deshalb einen gesetzlich definierten und verlässlich abgesicherten Höchstbetrag für die Eigenanteile. Steigende Kosten müssen aus Mitteln der Pflegeversicherung getragen werden, fordert die AWO.