Mückensaison 2020 – Erste Fälle der West-Nil-Virusinfektionen festgestellt

Aktuelles

Halle. LAV/LSA. Nach dem Erstauftreten der Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) im Jahr 2018 und in vermehrtem Umfang auch 2019 wurden für die Mückensaison dieses Jahres die ersten Fälle bei Vögeln gemeldet.

Neben je einem Nachweis in Berlin am 14.7.2020 und Erfurt am 22.07.2020 stellte das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) bei einer Alpendohle aus Halle (Saale) am 15.7.2020 sowie bei einem Uhu aus Bernburg am 21.07.2020 bereits zwei Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV s. Abb. 1) fest. Damit konzentrieren sich die bisherigen WNV-Fälle wie in den Vorjahren in der östlichen Mitte Deutschlands. Von insgesamt 88 in Deutschland im Jahr 2019 festgestellten Infektionen entfielen 29 auf Sachsen-Anhalt, davon 12 bei Vögeln und 17 bei Pferden. Das neben dem WNV auftretende Usutu-Virus (USUV), welches durch das Amselsterben bekannt geworden ist, wurde in diesem Jahr im Landesamt für Verbraucherschutz noch nicht nachgewiesen.

Die Infektion mit dem West-Nil-Virus bei Vögeln und Pferden stellt eine anzeigepflichtige Seuche dar. In Sachsen-Anhalt ist gesetzlich geregelt, dass Untersuchungen auf anzeigepflichtige Tierseuchen am LAV erfolgen müssen. Proben, auch Vögel, können bei den Veterinärämtern der Landkreise und kreisfreien Städte und weiteren Stützpunkten des nach Kurierplan fahren-den LAV-Kuriers abgegeben werden.

Allgemeine Informationen zur Infektion mit dem West-Nil-Virus

Das WNV stammt ursprünglich aus Afrika, ist aber mittlerweile in den meisten Kontinenten (Europa, Asien, Afrika, Australien, Nord-, Zentral- und Südamerika), oft in tropischen Regionen, verbreitet. Es gehört zur Familie der Flaviviridae und ist u.a. eng verwandt mit dem Usutu-Virus (USUV).

Bei dem WNV (und auch dem USUV) handelt es sich um ein sogenanntes Arbovirus (engl.: arthropod-borne virus), es wird durch Stechmücken (Culex-, Aedes- und vermutlich noch weitere Arten), welche auch in Nordeuropa vorkommen, übertragen. Der natürliche Ansteckungszyklus läuft von Wildvögeln über Stechmücken zu Wildvögeln. Der Eintrag in eine bisher freie Region erfolgt höchstwahrscheinlich über infizierte Zugvögel, an denen heimische Mücken Blut saugen. Die Temperaturen der jeweiligen Region entscheiden darüber, ob sich das Virus in der lokalen Mückenpopulation halten und so in die nächste Saison getragen werden kann.

Das WNV hat ein breites Wirtsspektrum, es ist bei sehr vielen Vogel- und Säugetierarten nachgewiesen worden. An der WNV-Infektion erkranken hauptsächlich Rabenvögel, Greif- und Eulenvögel schwer und oft mit tödlichem Ausgang. Diese sind für das Virus die Hauptwirte, in denen es sich zu sehr hohen Konzentrationen vermehren kann. Betroffene Tiere zeigen neurologische Symptome wie z. B. Apathie, Taumeln, Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten oder werden einfach tot aufgefunden.

Pferde und Menschen, die ebenfalls über stechende Insekten angesteckt werden können, sind für das Virus „Fehl- bzw. Endwirte“. Sie vermehren das Virus nur zu geringen Konzentrationen und es zirkuliert nur über einen kurzen Zeitraum überhaupt in ihrem Blut. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass das WNV beim Stich eines Menschen oder Pferdes von einer Mücke aufgenommen und weitergegeben werden kann, nahezu bei null.

Bei Pferden erkranken ca. 10 % der Infizierten Tiere mit Symptomen einer Gehirn- oder Gehirn-Rückenmarksentzündung. Klinisch zu sehen sind z.B. Ataxien (Taumeln, Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten), Gliedmaßenschwächen und weitere Lähmungserscheinungen (z.B. Hängen der Lippen) und Schreckhaftigkeit. Von den neurologisch betroffenen Tieren stirbt etwa ein Drittel an der Infektion, bzw. den anhaltenden neurologischen Symptomen. Für Pferde stehen WNV-Impfstoffe zur Verfügung, die prophylaktisch eingesetzt werden können.

Die überwiegende Zahl der Infektionen beim Menschen verläuft unauffällig oder mild. Etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte Erkrankung, die 3–6 Tage andauert. Vorherrschend sind dabei plötzlich einsetzendes Fieber und Symptome eines grippalen Infektes. Nur etwa jede 150. infizierte Person erkrankt schwer. Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Alter der Erkrankten. Personen über 50 Jahre, sowie Immunsupprimierte haben das höchste Risiko schwer zu erkranken. Bei einem schweren Verlauf (West-Nil-Enzephalitis, -Meningitis, -Poliomyelitis) treten Symptome wie Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Stupor, Desorientierung, Koma, Tremor, Krämpfe, Muskelschwäche und Paralyse auf.

Eine Schutzimpfung für Menschen gibt es nicht. Wie bei anderen durch Mücken oder Zecken übertragbaren Infektionen zählt zu den Schutzmaßnahmen u.a. die Vermeidung von Mücken- bzw. Zeckenstichen durch entsprechende Kleidung und Repellents, sowie die Reduzierung möglicher Brutstätten.