Mauerbau vor 59 Jahren – Erinnerung an Zementierung der Deutschen Teilung, Diktatur und Schießbefehl

Magdeburg/Berlin. BLSA/SED/LSA. Mit Errichtung des DDR-Grenzregimes wurde die Diktatur in der DDR ausgebaut. Die Landesbeauftragte hat eine Wanderausstellung mit den Namen aller bislang bekannten Todesopfer aus Sachsen-Anhalt an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer erarbeitet. Sie kann in Rathäusern und Schulen gezeigt werden. Darüber hinaus fordert sie dazu auf, in der politischen Bildung und im schulischen Unterricht die Ereignisse an der Grenze mit der Erlebnisgeneration aufzuarbeiten und junge Menschen über die SED-Diktatur zu informieren.

Dies wird ergänzt durch das Gesetz zum „Grünen Band“, mit dem in Sachsen-Anhalt aktiv an das Grenzregime erinnert wird. Die innerdeutsche Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen bleibt durch diesen Beschluss in ihrer historischen Ausdehnung erlebbar und lädt zum Austausch über die damit verbundenen Erinnerungen ein.

Birgit Neumann-Becker:
Täglich erinnert das im Herzen der Landeshauptstadt Magdeburg stehende Mauersegment die Passanten an den Mauerbau vom 13. August 1961. Die Berliner Mauer wurde zum Symbol politischer Repression in der DDR. Die Freiheitsrechte wurden in der DDR durch die militärische Abriegelung der Grenzen gegen den Exodus der Bevölkerung mit Schießbefehl und hohe Haftstrafen für Grenzverletzer eingeschränkt. Das Freiheitsstreben insbesondere vieler junger Menschen fand an der Berliner Mauer, die zum Symbol nicht nur der deutschen Teilung sondern auch des Kalten Krieges wurde, sein Ende. Lange Jahre brachten Fluchthelfer Menschen über die Grenze und riskierten damit selbst hohe Haftstrafen.

Hintergrund

Am Donnerstag, dem 13. August jährt sich zum 59. Mal der Bau der Berliner Mauer. Voraus gegangen war die Errichtung eines strikten Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze, das u.a. mit der Grenzbefestigung und Zwangsaussiedlungen durchgesetzt wurde.

Am 13. August 1961 riegelten Polizei und Betriebskampfgruppen den sowjetischen Sektor ab und  begannen mit dem Bau der Berliner Mauer. Sie wurde zum Todes-Ort für mehr als 130 Flüchtlinge, darunter 10 aus Sachsen-Anhalt. 37 Menschen wurden schon vor dem Mauerbau an der Sektorengrenze getötet, davon 3 aus Sachsen-Anhalt. Mehr als 250 starben im Zusammenhang mit den Schikanen bei den Grenzkontrollen.

Nicht nur für DDR-Bürger sondern auch für Menschen aus anderen Ostblockländern war Berlin die letzte Möglichkeit, den kommunistischen Einflussbereich zu verlassen. Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde ihnen diese letzte Möglichkeit genommen.

Es folgte die Implementierung eines tödlichen Grenzregimes an der Berliner Mauer, an der innerdeutschen Grenze und an den anderen Grenzen osteuropäischer Länder zu Westeuropa.

Nach § 213 des Strafgesetzbuchs der DDR von 1968 wurde der „ungesetzliche Grenzübertritt“ in einfachen Fällen mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug und in „schweren Fällen“ mit Haft von ein bis fünf (ab 1979: acht) Jahren bestraft. Diese Gesetzgebung der DDR verstieß gegen Art. 12 bis 15 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Es gehört zu den Kennzeichen eines diktatorischen Regimes, die grundlegenden Menschen- und Freiheitsrechte einzuschränken. Obwohl die DDR 1974 den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet hatte, der einen Artikel über Reisefreiheit enthält, wurde dieser Vertrag niemals in nationales Recht umgesetzt. Sogenannte Republikflucht stand weiter und durch das Gesetz vom 28. Juni 1979 sogar verschärft unter Strafe. Die innerdeutsche Grenze wurde auf 1.376 km nicht nur durch Stacheldraht, Mauern und Zäune, durch breite Sperrgürtel sondern auch durch ca. 1,3 Mio Minen, 55.000 Selbstschussanlagen, 3.000 auf Menschen abgerichtete Hunde und einen Schießbefehl gegen die Bevölkerung „gesichert“. Die Berliner Mauer hatte eine Gesamtlänge von 43,1 km.

Heute kann die ehemalige Grenze durch Berlin als „Mauerweg“, die eine herausragende Sehenswürdigkeit der Stadt Berlin ist, auf 150 km zu Fuß oder per Rad nachgegangen werden. Gedenkstelen erinnern ortsbezogen an die Mauertoten.