Bahntechnologie-Bündnis „TRAINS“ arbeitet in Sachsen-Anhalt am Klimawandel auf der Schiene

Magdeburg. IMG/LSA. Das Flaggschiff der künftigen Bahntechnologie-Region „Anhalt“ ist ein Zug. Genauer: ein „grüner“ Triebwagen, den die Dessauer Verkehrs AG zunächst auf der Strecke zwischen Dessau und Wörlitz im Testbetrieb fahren lassen will. Dieser Triebwagen wird der erste „Wasserstoffzug“ sein: Angetrieben wird die technische Neuheit von einem Gasmotor, der Wasserstoff als Verbrennungsmedium nutzt. Die mögliche Umrüstung bestehender Triebzüge auf saubere Gasmotoren ist das zentrale Projekt des Bahntechnologie-Clusters „TRAINS“. Das Bündnis tritt an,den Klimawandel auf der Schiene voranzutreiben, gleichzeitig die traditionsreiche Bahntechnik-Region Anhalt zu einer Hochtechnologie-Region zu machen, Arbeitsplätze zu schaffen und eine umwelt- und nutzerfreundliche Mobilität im ländlichen Raum zu fördern.

Ausgewählt aus 107 Bewerbern

Vor mehr als drei Jahren wurde TRAINS gegründet, um die Region Anhalt weiter zu entwickeln. Initiatoren waren der Verein Bahntechnologie Dessau e.V., in dem zahlreiche Unternehmen und Institutionen der Bahntechnik-Branche der Region Anhalt organisiert sind, und die Hochschule Anhalt. Inzwischen gehören dem Bündnis mehr als 50Mitglieder an, neben Unternehmen auch Forschungsinstitute, Strukturplaner, die Industrie- und Handelskammer, regionale Verbände und Politikvertreter. Vor gut einem Jahr hat TRAINS dann im Förderprogramm „Wandel durch Innovation in der Region – WIR!“ des Bundesministeriums für Forschung und Soziales den Zuschlag bekommen, verbunden mit einer Förderung in Höhe von 12,2 Millionen Euro. Das neue grüne Mobilitäts-Projekt aus Sachsen-Anhalt setzte sich damit als eines von nur 20 Projekten aus bundesweit 107 Anträgen durch.

Nun hat die praktische Umsetzung begonnen. „Studien zu Diesel-Ersatzlösungen für Bestandsbetriebszüge“ heißt das erste Projekt, das vor wenigen Tagen gestartet ist. Ein Jahr lang entwickeln Ingenieure und Wissenschaftler praktikable technische Lösungen, um Dieselmotoren auf Wasserstoffverbrennung umzurüsten. „Eine solche Lösung gibt es bisher noch nicht, lediglich mit LKW-Motoren wird bisher experimentiert. TRAINS will beweisen, dass eine Umrüstung der Flotte auf Gasmotoren für Bahnunternehmen wirtschaftlich möglich ist und damit grüne Mobilität auf der Schiene“, sagt Sascha Ziesemeier, TRAINS-Bündnismanager von der Hochschule Anhalt, der größten Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Sachsen-Anhalt. Und natürlich sei das Ziel, so Ziesemeier, dass eine solche Umrüstung in der Region Anhalt durchgeführt werde. Im Bündnis sind Partner, die für den Einbau von Gasverbrennungsmotorenin Bestandsbetriebszügen für die Energiewendebereits über theoretische und praktische Kompetenzen verfügen: Das WTZ Roßlau und das „Institut für Mobile Systeme“ der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg gehören dazu. Ebenso unterstützt die KEYOU GmbH in Unterschleißheim bei München die Umrüstung von Dieselmotoren auf Wasserstoffverbrennung.

Grün durch Wasserstoff

Zum grünen Triebwagen wird der Zug aus Sachen-Anhalt allerdings erst mit Grünem Wasserstoff als Brennstoff. Hergestellt werden soll der Wasserstoff durch Elektrolyse aus Wind- und Photovoltaik-Energie, gewonnen aus einer „Power-to-Gas-Anlage“. Mit der Nutzung des grünen Wasserstoffs als Treibstoff realisiert TRAINS die Sektorenkopplung „Erneuerbare Energien“ und „Schienenverkehr“. Auch für die Wasserstoff-Gewinnung per Elektrolyse gibt es Partner im Region-Bündnis.    

Die Region Anhalt untermauert mit TRAINS ihre Kompetenz in der Bahntechnologie. Die Bahntechnik hat hier eine mehr als 100-jährige Geschichte. Gegen Ende der DDR waren dort etwa 10.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt. Heute arbeiten, nach einem tiefen Einschnitt in den 1990er-Jahren, wieder rund 2.500 Personen in dieser Branche mit überwiegend mittelständischen Firmen und ihren Zulieferern. Anhalt, die Region um Dessau-Roßlau, Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg mit etwa 390.000 Menschen, zählt zu den ältesten Industrieregionen Deutschlands. Die Chemie-, Pharma- und Luftfahrttechnik sowie Maschinen- und Anlagenbau, insbesondere im Bereich Bahntechnik, prägen die Region bis heute.

„Das Bündnis TRAINS mit etwa 20 Teilprojekten wird ja gerade erst aufgebaut. Mit den Eigenmitteln beispielsweise bei den beteiligten Industrieunternehmen werden bis 2025 insgesamt rund 16 Millionen Euro investiert“, sagt Bündnismanager Sascha Ziesemeier.  In einem weiteren Teilprojekt forschen beispielsweise Wissenschaftler der Hochschule Anhalt an einem Digitalprojekt, in dem der grüne Triebwagen mit Sensortechnik ausgestattet wird, um anhand eines digitalen „Zwillings“ eventuelle Schadensereignisse vorauszuberechnen. Begonnen hat neben den „Studien zu Diesel-Ersatzlösungen“ auch der Aufbau des TRAINS-Centers“. An diesem Innovations- und Servicezentrum für Bahntechnologien sollen die Beteiligen technologische Entwicklungen umsetzen, um auch überregionale Forschungspartner einzubinden. Bis Ende 2025 sollen alle innovativen Mobilitäts- und Schienenverkehrsprojekte in der Bahntechnologie-Region Sachsen-Anhalt umgesetzt werden.

Autor: Michael Falgowski/IMG Sachsen-Anhalt