Sachsen-Anhalt: Berufe in der Fachkrankenpflege am stärksten von Covid-19 betroffen

AOK

Magdeburg. AOK. In Sachsen-Anhalt waren Berufe in der Fachkrankenpflege im „Pandemie-Jahr“ 2020 am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen. Eine Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) zeigt, dass in Sachsen-Anhalt von März bis Dezember 2020 in dieser Berufsgruppe 2649 je 100.000 AOK-versicherte Beschäftigte im Zusammenhang mit Covid-19 krankgeschrieben worden waren. Damit liegt der Wert dieser Berufsgruppe mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert über alle Berufsgruppen in Sachsen-Anhalt (1271 Erkrankte je 100.000 AOK-versicherte Beschäftigte).

Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitsberufen in Sachsen-Anhalt waren überdurchschnittlich oft im Zusammenhang mit Covid-19 arbeitsunfähig und belegten die Plätzen 2 bis 10 der Rangliste. Neben Berufen in der Fachkrankenpflege waren in Sachsen-Anhalt von März bis Dezember 2020 insbesondere Berufe im chemisch-technischem Laboratorium (2.475 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte) sowie Lehrkräfte in der Sekundarstufe (2.468 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte) stark von Fehlzeiten im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen.

Die niedrigsten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit Covid-19 zeigten sich bei Berufen im Gastronomieservice (527 Betroffene je 100.000 Beschäftigte) sowie bei Fahrzeugführer/innen im Straßenverkehr (495 Betroffene je 100.000 Beschäftigte).

Insgesamt erhielten von März bis Dezember 2020 von den rund 296.000 AOK-versicherten Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt 3.656 Beschäftigte von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer Covid-19-Diagnose. Bei der Hälfte der betroffenen Beschäftigten wurde der gesicherte Nachweis der Infektion auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dokumentiert (50,7 Prozent). Bei den übrigen Fällen wurde SARS-CoV-2 nicht durch einen Labortest nachgewiesen, sondern aufgrund eines klinischen Kriteriums (wie zum Beispiel typische Symptome für Covid-19) und eines epidemiologischen Kriteriums (zum Beispiel enger Kontakt zu einer Person mit bestätigter Infektion) als Verdachtsfall dokumentiert.

Burgenlandkreis am stärksten betroffen

Eine Analyse der Zahlen nach Landkreisen zeigt: Am stärksten betroffen von Krankschreibungen in Verbindung mit Covid-19 waren der Burgenlandkreis mit 1750 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte sowie der Saalekreis mit 1648 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte. Danach folgen die Börde mit 1602 und Mansfeld-Südharz mit 1448 Erkrankten je 100.000 Beschäftigten.

Die Landkreise mit den wenigsten Krankschreibungen waren Jerichower Land (687 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte) und Dessau-Roßlau (656 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte).

2020 kein erhöhter Krankenstand im Fünf-Jahres-Vergleich

Ein Vergleich der monatlichen Krankenstände 2020 mit den Ergebnissen der letzten fünf Jahre zeigt, dass in den Monaten März, April, Juli, Oktober und Dezember der Krankenstand höher war als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. In diesem Vergleich, der Sondereffekte in einzelnen Jahren – zum Beispiel durch starke Grippewellen – ausgleicht, war die größte Differenz mit 1,2 Prozentpunkten Unterschied im März zu erkennen: In diesem Monat erreichte der Krankenstand 2020 mit 8,7 Prozent seinen Höchststand. Der niedrigste Krankenstand war mit 5,2 Prozent im Mai und August zu verzeichnen; er lag damit leicht unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre (6,4 Prozent).

Psychische Erkrankungen und Burnout: Weniger Krankmeldungen, aber längere Krankheitsdauer

Eine Zusatzauswertung zu den psychischen Erkrankungen bestätigt die Ergebnisse einer früher veröffentlichten WIdO-Analyse. Danach gab es im Jahr 2020 in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 12,4 Arbeitsunfähigkeitsfällen (AU-Fälle) je 100 AOK-Mitglieder weniger Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen als im Vorjahr: 2019 waren 12,8 AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder gemeldet worden.

Auch bei den darunter subsummierten „depressiven Störungen“ zeigt sich ein Rückgang von 2,6 in 2019 auf 2,4 AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder. Die Zahlen lassen vermuten, dass viele psychisch erkrankte Beschäftigte gerade in der ersten Lockdown-Phase aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichtet haben.

Bemerkenswert ist, dass parallel zur Abnahme der Fallzahlen die Länge dieser Krankschreibungen gestiegen ist. So stieg in Sachsen-Anhalt die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls bei den AOK-Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zwei Tage – von 27,4 Tagen im Jahr 2019 auf 29,9 Tage im Jahr 2020. Bei den depressiven Erkrankungen zeigt sich ein ähnlicher Effekt: auch hier gab es einen Anstieg von 41,7 Tagen im Jahr 2019 auf 46,2 Tage im Jahr 2020. Insgesamt verstärkt sich damit der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen aufgrund von psychischer Erkrankungen.

Auch beim Thema Burnout zeigt sich eine ähnliche Entwicklung: Die Burnout-Fallzahlen waren im Pandemiejahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (- 4,8 Prozent). Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Fehltage mit der Diagnose Burnout gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent auf durchschnittlich 30,5 Tage.