Stärkung der Klimaschutzfunktion der Wälder gefordert

Baumstämme

Weber: „Langfristige Holznutzung ist gut für das Klima und für die regionale Wirtschaft“

Magdeburg. MULE/LSA. Sachsen-Anhalts Staatssekretär für Landwirtschaft, Dr. Ralf-Peter Weber, hat heute zusammen mit Wolfram Günther, Anja Siegesmund und Axel Vogel, Umweltminister und -ministerin aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, eine gemeinsame Erklärung für eine Waldpolitik der Zukunft unterzeichnet und auf einer Exkursion die Klimaschutzfunktion intakter Wälder unterstrichen. Im Austausch mit Förstern im sächsischen Werdauer Wald ging es um Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung klimastabiler Wälder.

Staatssekretär Dr. Ralf-Peter Weber erklärte: „Unsere Wälder leiden unter der Klimakrise. Am Waldumbau kommt niemand mehr vorbei. Nur mehrschichtige Mischwälder mit standortangepassten Arten werden dem Klimawandel trotzen können. Dabei setzen wir in Sachsen-Anhalt auf Naturverjüngung, Wildlingsgewinnung und nutzen heimisches Saatgut aus der Landesdarre. Das auf eigenen Plantagen gewonnene Saatgut steht ebenso auch für den privaten Waldbesitz zur Verfügung wie unsere Entscheidungshilfen zur klimaangepassten Baumartenwahl oder Karten zur Standortswasserbilanz. Gleichzeitig haben wir die regionalen Wertschöpfungsketten im Blick: Langfristige Holznutzung ist gut für das Klima und für die regionale Wirtschaft. Im Rahmen des Strukturwandels haben wir deshalb im Süden Sachsen-Anhalts das Innovationshub ‚Zukunft Holz und Klima‘ initiiert. Als Zentrum für Forschung und Wirtschaft in den Bereichen Holz und Forst sollen Ideen zur gemeinsamen Umsetzung einer nachhaltigen regionalen Kreislaufwirtschaft entwickelt werden.“

Bei den kommenden Umwelt- und Agrarminister-Konferenzen im Herbst soll gemeinsam mit dem Bund ein Fahrplan für eine ökologische Waldprämie vereinbart werden, um schnellstmöglich Standards in Bundeswald- und Bundesjagdgesetz zu verankern und Förderinstrumente anzupassen.

Die gemeinsame Erklärung für eine klimaschützende Waldpolitik der Zukunft „Waldkrise und Klimakrise – Zwei Seiten einer Medaille“ enthält unter anderem folgende Punkte:

  • Waldumbau: Eine zielgerichtete Förderung durch die EU, den Bund und die Länder innerhalb der vorhandenen Finanzierungsinstrumente wie der GAK muss entsprechend der Herausforderungen durch die Klimakrise weiterentwickelt und verstetigt werden. Als Ergänzung zur Naturverjüngung ist neben der Verwendung von herkunftsgesichertem Saatgut bei Freilandsaaten auch die Nutzung von herkunftsgesicherten Pflanzgut bzw. Wildlingen erforderlich. Waldbesitzer (alle Besitzarten), die ihrer Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder in besonderer Weise gerecht werden, sind hierin stärker zu unterstützen. Gezielte Waldumbaumaßnahmen müssen attraktiv gefördert werden. Alle finanziellen Förderangebote setzen effektive Anreize, Klimaschutz- und Ökosystemleistungen der Wälder über das gesetzliche Mindestmaß hinaus nachhaltig zu erhöhen.

  • Waldschutz: Schäden durch Wildverbiss müssen durch eine effektive, tierschutzgerechte Jagd deutlich auf ein waldverträgliches Maß reduziert werden. Die jagdrechtlichen Vorschriften müssen daher noch stärker auf die notwendige nachhaltige Sicherung der Waldfunktionen ausgerichtet werden. Die Waldbrandvorsorge ist durch Waldumbau hin zu Misch- und Laubwäldern, die Anlage von Waldbrandschutzriegeln, die Waldbrandüberwachung mit moderner Technik sowie die Anlage von Löschwasserentnahmestellen und Waldbrandschutzwegen umzusetzen. Die Forschung zum Waldschutz mit biologischen Mitteln bzw. präventiven Bewirtschaftungsansätzen soll intensiviert werden.

  • Wasserspeicherkapazität: Sie muss erhalten und erhöht werden, indem Niederschlag z. B. besser in Biomasse und Totholz auf den Flächen gespeichert wird. Sich aufbauende Abflusskonzentrationen (z.B. entlang von Wegen oder Geländeeinschnitten) müssen gemindert werden. Das Wasser kann zum Beispiel in die Fläche abgeleitet oder gezielte in Tümpeln, Teichen und Weihern zurückgehalten werden.  Der Waldboden ist befahrungs- und verdichtungsempfindlich. Bei der Waldpflege und Holzernte müssen die Maschinen daher bodenschonend eingesetzt werden, um die Böden nicht unnötig zu schädigen.

  • Holznutzung: Die langfristige Nutzung von Holz und die stoffliche Substitution nichtregenerierbarer Ressourcen durch Holz leisten einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz sowie eine CO2-neutrale Wirtschaftsweise. Die vorrangige Bedarfsdeckung für Bau- und Möbelholz vor Energieholz, Zellstoff oder andere kurzlebige Verwendungen sollte angestrebt werden. Die Forschung auf diesem Gebiet, innovative Ideen für neue Produkte sowie ein verbessertes Design von holzbasierten Erzeugnissen (einfacheres Recycling und Wiederverwendung) sollten gezielt unterstützt werden. Verbraucher müssen besser bei der Produktauswahl unterstützt werden, indem Informationen über den ökologischen Fußabdruck von Holzerzeugnissen im Vergleich zu Nicht-Holz-Alternativen bereitgestellt werden. Durch den Bundesrat soll daraufhin gewirkt werden, dass verpflichtende Herstellerangaben zur CO2-Bilanz der Herstellung sowie der Herkunft der Grundstoffe insbesondere auf Vorprodukten, Baustoffe und Materialien eingeführt werden.

Mehr Informationen zur Zukunft des Waldes in Sachsen-Anhalt sind hier zu finden: Zukunft des Waldes (sachsen-anhalt.de)