Runder Tisch Geburt und Familie bringt Geburtshilfe voran

Magdeburg. MS/LSA. Welche Weichen müssen in Sachsen-Anhalt gestellt werden, um die natürliche Geburt zu stärken, den Bedarf an Geburtshilfe zu decken und die Qualität zu sichern? Mit diesen Fragen konstituierte sich auf Einladung des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration im November 2016 ein „Runder Tisch Geburt und Familie“. Nach vier Zusammenkünften haben die Mitglieder heute in Magdeburg Bilanz gezogen. Zentrale Anliegen des Runden Tisches konnten umgesetzt werden. So gibt es eine Studie zur Situation der Hebammen, in Halle wird zum Wintersemester 2020/21 ein Studiengang für Hebammen eingerichtet und die ersten beiden hebammengeleiteten Kreißsäle in Sachsen-Anhalt haben erfolgreich die Arbeit aufgenommen.  „Wir können gemeinsam stolz auf das Erreichte sein“, resümiert Sozialministerin Petra Grimm-Benne und dankt allen Mitwirkenden.

Auf Initiative des Runden Tisches beleuchtet eine Studie nun erstmals die Situation von rund 430 Hebammen und Entbindungspfleger in Sachsen-Anhalt. Regional ist die Situation danach sehr unterschiedlich. Ein Blick auf die Geburtenzahlen der vergangenen zehn Jahre zeigt: in Magdeburg stieg die Geburtenzahl um fast ein Viertel, in Mansfeld-Südharz sank sie um 8,8 Prozent. Entsprechend werden für einzelne Regionen auch unterschiedliche Bedarfe prognostiziert.

„Um den Bedarf zu decken, ist die Akademisierung der Hebammenausbildung ein wichtiger Baustein“, sagt Grimm-Benne. Damit werde der Beruf aufgewertet und attraktiv für Studienanfängerinnen und -anfänger. In Sachsen-Anhalt wird der erste Studiengang Hebammenwissenschaft mit 20 Studienplätzen zum Wintersemester 2021/22 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) starten. „Der Studiengang wird derzeit erarbeitet und in den Gremien der Universität verabschiedet, wobei noch wichtige Regelungen von Seiten der Regierungsbehörden festzulegen sind“ ergänzt Frau Dr. Gertrud M. Ayerle, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Fakultät der MLU. Weiter bekräftigt sie: „Der Studiengang stellt neben dem hochschulischen einen berufspraktischen Studienteil im Umfang von mindestens 2.200 Stunden sicher. Dadurch können die Kompetenzen einer Hebamme fundiert erlernt und auf einer soliden Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aufbauen“.

Als weiteren Schritt einigten sich die Teilnehmenden auf Handlungsempfehlungen, darunter die im Koalitionsvertrag verankerte Prüfung, ob ein „Hebammengeleiteter Kreißsaal“ eingerichtet werden kann. „Aus der Theorie ist bereits gute Praxis geworden“, sagt Grimm-Benne. Beim sachsen-anhaltischen Pilotprojekt mit zwei Kliniken in Halle (Saale) begleiten Hebammen natürliche Geburten und entscheiden eigenverantwortlich, wann ein Arzt hinzugezogen werden muss. Das Land finanziert über drei Jahre zusätzliches Personal und Sachkosten. „Die Arbeitsverhältnisse von Hebammen sollen verbessert und durch bessere Betreuung die Qualität der Geburtshilfe gesichert werden“, sagt Grimm-Benne im Vorfeld über die Aufwertung des Berufsstandes. Zudem soll mit dem hebammengeleiteten Kreißsaal die natürliche Geburt gestärkt und die gestiegenen Kaiserschnittzahlen im Land gesenkt werden.

Das Zusatzangebot Hebammenkreißsaal bietet Spontangeburten betreut durch eine Hebamme im 1:1-Verhältnis, in häuslich-geborgener Atmosphäre mitten im Herzen einer großen Klinik, das heißt für den Ernstfall abgesichert durch Hochleistungsmedizin eines Perinatalzentrum Level 1“, sagt Priv.-Doz. Dr. Gregor Seliger, leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Halle.

Gemeinsam mit den Aktiven am Runden Tisch hatte sich Sachsen-Anhalt zudem auf den Weg gemacht, einen Hebammenfonds aufzulegen, der Berufseinsteigerinnen unterstützt. Nach dem Start Ende 2019 soll er 2020 fortgesetzt werden. Derzeit sind die Haushaltsberatungen allerdings noch nicht abgeschlossen.