Schnelltest senkt Antibiotika-Verordnungen in Sachsen-Anhalt

Werden Antibiotika zu häufig oder unnötig verschrieben, können Bakterien Resistenzen entwickeln – Antibiotika sind dann wirkungslos. Foto: AOK-Mediendienst.

Durch Tests und neue Arbeitshilfe Einsatz von Antibiotika verringern

Magdeburg. AOK. Ein CRP-Schnelltest kann helfen, den Einsatz von Antibiotika deutlich zu verringern. Der Test zeigt Ärzten, ob eine Erkrankung von Bakterien verursacht wurde und Antibiotika überhaupt sinnvoll sind. Eine Auswertung der AOK Sachsen-Anhalt anlässlich des europäischen Antibiotikatages am 18. November zeigt, dass bei 57 Prozent der Getesteten auf Antibiotika verzichtet wurde. Mit einer heute veröffentlichten Arbeitshilfe für Ärzte möchte die AOK zusätzlich helfen, Antibiotika-Verordnungen zu reduzieren.

Werden Antibiotika zu häufig oder unnötig verschrieben, können Bakterien Resistenzen entwickeln – Antibiotika sind dann wirkungslos. Schätzungen zufolge sterben schon jetzt weltweit rund 700.000 Menschen pro Jahr an Krankheiten, die bislang mit Antibiotika gut behandelbar waren.

Bei knapp 57 Prozent der Getesteten wurde auf Antibiotika verzichtet

Mit dem Ziel, Ärzte bei ihrer Therapie-Entscheidung zu unterstützen und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt für ihre Versicherten seit März 2018 die Kosten für einen sogenannten CRP-Schnelltest.

Rund 63.500 Mal wurde der Schnelltest bis zum 1. Quartal 2021 von Haus- und Fachärzten bei Versicherten der AOK Sachsen-Anhalt eingesetzt. Nur mit ein paar Tropfen Blut erhält der Arzt in wenigen Minuten einen Hinweis, ob ein Infekt bakteriell verursacht sein könnte. 

Im Ergebnis haben die Ärzte bei fast 57 Prozent der Getesteten, also in rund 36.000 Fällen, auf eine Antibiotika-Verordnung verzichtet. Das ist noch mal eine deutliche Steigerung zur letzten Auswertung: 2019 lag der Wert noch bei rund 40 Prozent. Auch im zweiten und dritten Quartal 2021 wurde der Test weitere 5.500 Mal eingesetzt. Die Zahlen, wie oft hier auf eine Antibiotika-Verordnung verzichtet wurde, liegen allerdings noch nicht vor.

Nach Ansicht der AOK Sachsen-Anhalt verdeutlicht die Auswertung den Nutzen des Schnelltests. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, sagt Kay Nitschke, Leiter ärztliche Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Er sollte deshalb noch häufiger eingesetzt werden. Denn rund 70.000 Schnelltests bei im gleichen Zeitraum über 900.000 Antibiotika-Verordnungen sind noch immer relativ wenig.“ 

Verordnungen rückläufig, aber immer noch hoch

Die gute Nachricht: Nach Zahlen des Arzneimittelkompass 2021 gehen bundesweit die Antibiotika-Verordnungen seit Jahren zurück. Insbesondere 2020 sind die Verordnungen – nicht zuletzt auch in Folge der Pandemie – bundesweit im Mittel um 27 Prozent gesunken. 

Der Trend ist auch bei Antibiotika zu beobachten, für die ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bestehen. Dazu gehören zum Beispiel die Fluorchinologe. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) auf Basis der Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung zeigt, dass 2018 noch etwa fünf Prozent der gesetzlich Versicherten ein Fluorchinolon-Antibiotikum verordnet bekamen, während es 2019 noch 3,1 Prozent und im „Pandemie-Jahr“ 2020 2,3 Prozent waren. „Trotz dieser deutlichen Reduktion gehören die Fluorchinolone aber mit bundesweit knapp 1,7 Millionen Verordnungen im vergangenen Jahr immer noch zu den häufig verordneten Antibiotika“, sagt Nitschke. 

Neue Arbeitshilfe soll rationalen Einsatz vereinfachen

Die AOK appelliert deshalb an alle Ärzte, Antibiotika umsichtiger zu verschreiben. Neben dem CRP-Schnelltest soll sie auch eine neue Arbeitshilfe unterstützen, die heute von der AOK und dem aqua-Institut kostenfrei veröffentlicht wurde. Der QISA-Band „Rationaler Antibiotikaeinsatz“ umfasst insgesamt zwölf Qualitätsindikatoren, mit denen Ärztinnen und Ärzte den rationalen Einsatz von Antibiotika in ihrer Praxis messen und bewerten können. 

Der neue QISA-Band ist ein Produkt des 2017 gestarteten Projektes „Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden“ (ARena), an dem sich unter der Konsortialführung des aQua-Instituts der AOK-Bundesverband, die AOK Bayern, die AOK Rhein-land/Hamburg, die KV Bayerns (KVB), die Agentur deutscher Arztnetze sowie knapp 200 Arztpraxen aus 14 Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfalen mit knapp 90.000 Behandlungsfällen beteiligt haben. Finanziert wurde das Projekt ARena mit Mitteln aus dem Innovationsfonds (Förderkennzeichen 01NVF16008).

Die 13 bisher erschienenen QISA-Themenbände stehen zum kostenlosen Download unter www.QISA.de zur Verfügung.