“Reparaturbonus”: Anreizprogramm zum Schutz und Recycling kostbarer Rohstoffe

Mülltonne

Umweltminister Willingmann will Einführung von Reparaturbonus prüfen 

Magdeburg. MWU/LSA. Die Menge des jährlich weltweit anfallenden Elektroschrotts wird nach Schätzungen von Umweltexperten des Brüsseler WEEE Forums in diesem Jahr mit 57,4 Millionen Tonnen einen neuen Höchstwert erreichen. Demnach wird die Masse ausrangierter Kühlschränke, Monitore und Handys sogar das Gewicht der Chinesischen Mauer übersteigen. Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann hat deshalb am Freitag im Landtag dafür geworben, mehr für die Vermeidung von Elektromüll zu tun, um Umwelt und kostbare Rohstoffe zu schützen. Der Minister will hierbei auf Anreize setzen. „Wenn es sich lohnt, ein defektes Gerät zu reparieren, wird es nicht gleich ausrangiert. Deshalb wird das Umweltministerium die Einführung eines Reparaturbonus sowie die Unterstützung von Reparaturinitiativen prüfen“, erklärte Willingmann.

In Thüringen können Verbraucher bereits kaputte Elektrogeräte reparieren lassen und bekommen gegen Vorlage der Rechnung bei der örtlichen Verbraucherzentrale die Hälfte der Reparaturkosten als „Reparaturbonus“ erstattet – bis maximal 100 Euro pro Person und Kalenderjahr. Auch Sachsen prüft die Einführung eines Anreizmodells.

Eins-zu-eins werde das Thüringer Modell sicherlich nicht übernommen, betonte der Minister weiter. „Mir ist es wichtig, ein möglichst unbürokratisches Modell zu entwickeln. Hier setze ich auch auf die Expertise unserer Kommunen als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger sowie auf die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Um eine nachhaltige Veränderung des Verbraucherverhaltens zu erreichen, halte ich es zudem für unerlässlich, das bereits bestehende ehrenamtliche Engagement im Land einzubeziehen und zu klären, inwieweit Reparaturinitiativen noch stärker unterstützt werden könnten“, so Willingmann.

Im Hinblick auf die Finanzierung eines möglichen Programms für Sachsen-Anhalt zeigte sich der Umweltminister optimistisch: „Bereits mit bescheidenem Mitteleinsatz könnten wir einen Beitrag leisten, unser Land ein Stück weit nachhaltiger aufzustellen.“ Pro Jahr werden in Deutschland rund 773.000 Tonnen Elektroaltgeräte aus privaten Haushalten gesammelt – das entspricht einem jährlichen Aufkommen pro Einwohner von mehr als neun Kilogramm. Obwohl die Herstellung neuer Elektrogeräte mit hohen Energie- und Ressourcenverbrauch verbunden ist, werden die Geräte immer früher weggeworfen.

 

Seit März 2021 sind Hersteller nach EU-Verordnungen zwar dazu verpflichtet, Produkte wie Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kühlschränke nur dann auf den Markt zu bringen, wenn sie Ersatzteile und Reparaturanleitungen vorhalten. Dennoch seien weitere Anstrengungen im Hinblick auf Ressourcenschutz und Müllvermeidung notwendig, erläuterte Willingmann. „Das belegen die jüngsten Schätzungen zum Aufkommen von Elektromüll eindrucksvoll.“