Landesregierung verabschiedet Jugendpolitisches Programm des Landes Sachsen-Anhalt

Magdeburg. STK/MK/LSA. Mit der Verabschiedung des gemeinsam mit Jugendlichen erarbeiteten Jugendpolitischen Programms legt die Landesregierung eine Strategie für eine eigenständige Jugendpolitik im Land Sachsen-Anhalt vor. Damit wird ein weiteres zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag der Landesregierung umgesetzt. Sozialministerin Petra Grimm-Benne: „Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist wesentliches Element unserer Demokratie. Deshalb ist das Jugendpolitische Programm in engem Dialog zwischen Jugendlichen, Jugendverbänden und Land entstanden. Der erfolgreiche Dialog hat gezeigt: Kinder und Jugendliche sind die besten Expertinnen und Experten in eigener Sache.“

259.000 Sachsen-Anhalter sind zwischen 12 und 27 Jahren alt – das sind rund 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Jugendpolitik wirkt als Querschnittsaufgabe in verschiedene Themen hinein. Ob internationaler Jugendaustausch, Mitbestimmung in Bildungseinrichtungen, bedarfsgerechter Nahverkehr oder wirksamer Klimaschutz – Maßnahmen in allen Politikfeldern können Auswirkungen auf die junge Generation haben.

Ca. 2.600 junge Menschen wurden für den „7. Kinder- und Jugendbericht 2018“ zu ihrer Lebenssituation befragt. Im Anschluss wurden im Rahmen des Projektes „Jugend Macht Zukunft“ des Kinder- und Jugendrings Sachsen-Anhalt e. V. Hinweise, Anregungen und Forderungen formuliert, wie ihre Lebensrealität verbessert werden kann. Auch das Landeszentrum „Jugend+Kommune“ diskutierte mit jungen Menschen zur Dialogstruktur zwischen Politik, Verwaltung und der jungen Generation. Anregungen wurden mit dem Kinder- und Jugendring sowie allen Ressorts der Landesregierung in jugendpolitische Schwerpunkte überführt.

Der Kinder- und Jugendbeauftragte der Landesregierung, Holger Paech, begrüßt die konsequente Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen: „Jugendliche reflektieren sich und ihre Umwelt. Sie formulieren Vorstellungen und Visionen, lassen dabei aber auch einen unaufgeregten Blick für Rahmenbedingungen und damit für das Machbare erkennen. In dieser Form hat das Jugendpolitische Programm eine Tür weit aufgestoßen – eine Tür zu einem auf Dauer angelegten fairen Generationen-Dialog.“

Das Jugendpolitische Programm ist daher als dynamischer Prozess angelegt, in dessen Rahmen die Umsetzung, aber ebenso neue Strategien regelmäßig verhandelt werden müssen.

Das vollständige Programm sowie ein Videostatement von Ministerin Petra Grimm-Benne finden Sie unter www.jugendpolitik.sachsen-anhalt.de.

Zentrale Erkenntnisse des Jugendpolitischen Programms

Das Jugendpolitische Programm bildet einen strategischen Rahmen für eine eigenständige Jugendpolitik in Sachsen-Anhalt, die offensiv auf die Beteiligung der jungen Menschen setzt. Dafür soll der Dialog zwischen jungen Menschen und der Landesregierung gestärkt werden. Jugendliche wünschen sich mehr Mitbestimmung in gesellschaftlichen Prozessen. Als Expertinnen und Experten in eigener Sache wollen sie in Entscheidungen einbezogen werden. Gelingende Beteiligung von Jugendlichen muss nicht nur ermöglicht, sondern auch erlernt werden. Im Sinne einer breit angelegten Demokratiestärkung soll die Teilhabe entlang der Bildungskette Kita, Schule, Berufs- und Hochschule nachhaltig gestärkt werden.

In der zunehmenden kulturellen Vielfalt und globalisierten Welt gewinnt grenzüberschreitende Lernmobilität an Bedeutung. Ob bei Mitbestimmungsprozessen auf europäischer Ebene, internationalen Schul- und Jugendaustauschen oder Freiwilligendiensten: Die Möglichkeiten von Auslandsaufenthalten und internationalen Vernetzungen sind zu stärken, damit Jugendliche unabhängig von dem Einkommen ihrer Eltern die Chance erhalten, die globalisierte Welt zu entdecken und zu gestalten.

Engagement ist eine zentrale Säule unserer Demokratie. Der Kinder- und Jugendbericht des Landes Sachsen-Anhalt hat ergeben, dass 93 % der befragten Jugendlichen bereit sind, sich zukünftig ehrenamtlich zu engagieren. Durch verbesserte Rahmenbedingungen wie erleichterte Zugänge zum Engagement soll dieses Engagementpotential mobilisiert und genutzt werden.

Politische Bildung – in Schulen, in der außerschulischen Jugendbildung, in der Vereinsarbeit oder in der internationalen Jugendarbeit – stärkt die politische Urteils- und Handlungsfähigkeit und die Identifikation mit demokratischen Werten. Gerade im Hinblick auf das Wahljahr 2021 gewinnt die politische Bildung an Bedeutung. Damit Bildungsangebote die Selbstwirksamkeit des eigenen Handelns erlebbar machen, sind sie gemeinsam mit Jugendlichen zu entwickeln. Dabei sind aktuelle Handlungsbedarfe wie Hass im Netz, die Radikalisierungsprävention oder die Aufklärung über Antisemitismus verstärkt zu berücksichtigen.

Umweltpolitik ist auch Jugendpolitik. 85 % der im Rahmen des Kinder- und Jugendberichtes befragten jungen Menschen in Sachsen-Anhalt sehen den Schutz der Umwelt und des Klimas als sehr bzw. eher wichtiges politisches Ziel. Auch hier sind Beteiligung und Dialog handlungsleitend.

Digitale Kommunikation und Onlinemedien prägen maßgeblich die Lebensrealität junger Menschen. Die Digitalisierung bietet, gerade im ländlich strukturieren Sachsen-Anhalt, neue Wege der Kommunikation, des Engagements und der Mitbestimmung. Dabei kommt den Themen Medienkompetenz, Jugendmedienschutz und Datenschutz eine große Bedeutung zu.

Schulische Bildung und berufliche Qualifizierung nehmen in der (Bildungs-)Biografie von jungen Menschen eine zentrale Stellung ein. Eine bedarfsgerechte Schulversorgung, die lange Schulwege vermeidet, bildet die Grundvoraussetzung. Schulsozialarbeit wird als unverzichtbare Unterstützung angesehen. Um ihre Bildungs- und Berufsziele zu erreichen, wünschen sich Jugendliche eine Verbesserung der Lehr- und Ausbildungsqualität sowie einen mit Berufsorientierungsangeboten flankierten Übergang von Schule in den Beruf. Sachsen-Anhalt hat in den letzten Jahren, insbesondere durch Fluchtmigration und EU-Zuwanderung, an Vielfalt gewonnen. Dabei ist die ausländische Bevölkerung im Schnitt jünger als die Gesamtbevölkerung. Diese spiegelt sich in den Schulen, in der Ausbildung und in den Unternehmen unseres Landes wider.

Die Bildungspotentiale junger Zugewanderter müssen gefördert und genutzt werden im Interesse ihrer gesellschaftlichen Teilhabe ebenso wie zur Fachkräftesicherung.

Jugendliche mit Behinderung sollen gleichberechtigt mit anderen Kindern und Jugendlichen an der Gesellschaft teilhaben. Inklusion ist u.a. in den Bereichen Bildung, Jugendarbeit und Sport weiter zu stärken.

Die Durchsetzung von Gleichberechtigung und Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern, zwischen Mädchen und Jungen sowie der Abbau von Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung sind zentrale Grundsätze unseres Landes. Die Themen Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung sollen stärker als bisher in den Angeboten der Jugendarbeit und im Schulalltag verankert werden.

In Sachsen-Anhalt gelten 20 % der Kinder und Jugendlichen als armutsgefährdet. Zur erfolgreichen Bekämpfung von Armut fordern Jugendliche in Sachsen-Anhalt, soziale und kulturelle Teilhabe stärker zu unterstützen. Um der Verfestigung von Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, kommt der frühzeitigen Unterstützung auf dem Weg in das Ausbildungs- und Berufsleben eine große Bedeutung zu.

Damit Jugendliche gut in Sachsen-Anhalt leben und hier ihre Zukunft aufbauen wollen, setzt der vorliegende Bericht einen weiteren Schwerpunkt auf die vielfältigen Freizeitbereiche, die zur Lebensqualität junger Menschen beitragen. Jugendliche wünschen sich einen

gleichberechtigten Zugang zu Sport- und Freizeitangeboten, aber auch zu den Angeboten der Jugendarbeit. Damit Jugendliche insbesondere in ländlichen Gebieten an Freizeitangeboten teilhaben können, braucht es verlässliche Verkehrsanbindungen bzw. Mobilitätsangebote. Das

Azubi-Ticket bildet hier ein wichtiges Angebot im Land Sachsen-Anhalt, um die Mobilität von Auszubildenden innerhalb Sachsen-Anhalts zu verbessern und den Ausbildungsstandort Sachsen-Anhalt attraktiv zu halten.

Im Bereich physischer und psychischer Gesundheit steht die Eindämmung von Suchtmittel- und Drogenmissbrauch im Mittelpunkt. 25 % der jungen Menschen in Sachsen-Anhalt geben an, Alkohol oder andere Drogen zu konsumieren, um „zurechtzukommen“. Auch deshalb bilden junge Menschen die Hauptzielgruppe der Suchtprävention.

Jugendliche verspüren ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Der verbesserte Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt, Kriminalität und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist und bleibt ein zentrales Anliegen der gesamten Gesellschaft. Die präventive Jugendarbeit und die Ausweitung der Präventionsangebote auf den Onlinebereich sind zu stärken.