Berufsorientierung  in Sachsen-Anhalt erhält ein Facelift

Magdeburg. MS/LSA. Sachsen-Anhalt hat sein schulisches Berufsorientierungsprogramm neu ausgerichtet und ausgebaut. Unter dem Titel BRAFO (Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren) profitieren nun jährlich mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler. „Der erste Beruf ist oft prägend und wegweisend für das gesamte weitere Leben. Umso wichtiger ist es für Jugendliche, die richtige Wahl zu treffen und einen Beruf zu wählen, der wirklich zu ihnen passt, an dem sie Freude haben und für den sie morgens gern aufstehen“, sagt Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne. Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen ergänzte: „BRAFO ist jetzt noch zielgerichteter konzipiert. Die Jugendlichen ab Klasse sieben setzen sich nun kontinuierlich und systematisch mit dem Thema ´Berufsorientierung´ auseinander. Das stärkt ihre Persönlichkeit und hilft Ausbildungsabbrüche zu verhindern.“

Im Jahr 2007 war Sachsen-Anhalt das erste Bundesland, das mit dem Landesprogramm BRAFO ein flächendeckendes Berufsorientierungsangebot in allen 7. Klassen an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen eingeführt hatte. Nach mehr als zehn Jahren war man sich nun einig, dass das Erfolgsmodell dringend ein Facelift braucht. Daraus ist mehr geworden. „Auf sehr gute Weise haben Bildungsministerium, Arbeitsministerium und Bundesagentur für Arbeit gemeinsam das BRAFO-Konzept auf eine neue Qualitätsstufe gestellt: Mehr Erprobung von Berufsfeldern, mehr Zeit für das Sammeln von betrieblichen Erfahrungen und mehr verlässliche Erkenntnisse über die eigenen Kompetenzen. Das wird ab dem Sommer 2021 Realität“,  sagt Grimm-Benne. Die beiden Schülerbetriebspraktika in Klasse 8 und 9 und das Selbsterkundungstool (SET) der Arbeitsagentur ergänzen ab dem Schuljahr 2021/2022 die bereits etablierte Kompetenz- und Betriebserkundung in der Klasse 7.

Die fünf BRAFO-Schritte bilden in Summe ein aufeinander aufbauendes Berufsorientierungskonzept, das für die Berufsberatung der Arbeitsagenturen voll anschlussfähig ist. Am Ende steht der Start einer Ausbildung oder eines Studiums. Die Ministerin lobte das für die Schulen zuständige Bildungsministerium für die Einbindung der Schülerbetriebspraktika in BRAFO. Nun stehe man vor der Aufgabe, alle Schulleitungen für die fünf BRAFO-Schritte zu gewinnen und zu motivieren, denn BRAFO lebe ja von den Lehrkräften in Schule und bei Trägern. Sie begleiten die Berufswahl der jungen Schülerinnen und Schülern.  Schulen,  die sich hier engagieren und die schulische Berufsorientierung vernetzt mit Betrieben vorbildhaft umsetzen, können mit dem Berufswahlsiegel ausgezeichnet werden, das in Sachsen-Anhalt ebenfalls vom Arbeitsministerium gefördert wird.

BRAFO setzt in Zukunft ein noch deutlicheres Zeichen in Richtung Inklusion. „Jungen Menschen mit Behinderungen fällt der erste Schritt ins Berufsleben schwer. Häufig sind Jugendliche ohne besondere Hilfen zum Scheitern verurteilt“, sagt Grimm-Benne. Unter diesem Aspekt nehmen alle Förderschulen für Menschen mit Lernbehinderung und alle Förderschulen mit Ausgleichsklassen nun verbindlich an BRAFO teil. Darüber hinaus erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Integrationsfachdiensten eine Öffnung für Schülerinnen und Schüler an allen anderen Förderschulen.

Um die Akzeptanz und die Wirksamkeit von BRAFO zu erhöhen, bedarf es jedoch noch mehr. Mit der Beschlussfassung zum neuen BRAFO-Konzept hat das Arbeitsministerium eine Informationskampagne mit der Botschaft gestartet, dass „Du entscheidest, mit welchem Gesicht Du morgens zur Arbeit gehst.“ Die BRAFO-Monster machen den Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern,  den Lehrkräften und auch den Betrieben klar, dass die Berufswahl eine wichtige und gleichzeitig eine schöne Entscheidung fürs Leben ist. Gerade vor dem Hintergrund der immer besser werdenden Ausbildungschancen sind das frühzeitige Kennenlernen von Berufsfeldern, die guten Möglichkeiten vor Ort, verbunden mit der realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten gute Voraussetzungen für ein Lächeln auf dem morgendlichen Weg zum Ausbildungsbetrieb.

Hintergrund
BRAFO ist ein flächendeckendes Angebot für Schülerinnen und Schüler des 7. und 8. Schuljahrgangs der Sekundar-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen. Seit dem Jahr 2010 können auch Förderschulen an der Maßnahme teilnehmen. Seit Programmstart  wurden mehrfach neue Elemente etabliert, darunter eine computerbasierte Kompetenzerkundung. Jährlich nutzen mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler des gesamten Sekundarbereichs I dieses Angebot.

Für BRAFO stehen derzeit EU-Mittel zur Verfügung. Es soll auch in der neuen Förderperiode ab 2022 aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert werden. Für die Umsetzung werden jährlich ca. 7,5 Mio. Euro veranschlagt, wobei die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-Thüringen angekündigt hat, die Kosten zur Hälfte zu tragen.

Mehr Informationen zu BRAFO gibt es unter www.brafo.sachsen-anhalt.de. Im Rahmen der Informationskampagne sind darüber ein Flyer und Plakate für die Schulen entstanden.