Arbeitsmarkt im März 2019

Bratzke: “Für die Zukunft gewinnt die Qualifizierung der Arbeitnehmer an Bedeutung”

Halle. AfA. Die Grundverfassung des Arbeitsmarkts ist weiterhin gut. Dies zeigt sich unabhängig von der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage: Die Beschäftigung reagiert im Agenturbezirk relativ schwach auf konjunkturelle Schwankungen.

Der Aufwärtstrend der Beschäftigung wird stattdessen von Faktoren wie dem Wachstum des Dienstleistungsbereichs, etwa bei Pflege, Erziehung und der Logistikbranche gestützt. Zudem führt die stärkere Knappheit von Arbeitskräften dazu, dass Betriebe sich Beschäftigte nicht selten auch unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage sichern. Dies lässt sich am deutlich sinkenden Entlassungsrisiko ablesen liegt. Das entlastet die Arbeitslosigkeit und trägt wesentlich zum Beschäftigungsanstieg bei. Angesichts dieser Robustheit ist davon auszugehen, dass auch die internationalen Handelskonflikte und der drohende Brexit die Gesamtentwicklung des regionalen Arbeitsmarktes nicht gravierend beeinträchtigen werden.

“Über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt wird gestritten. Einig sind wir uns mit den meisten Arbeitsmarktexperten indes darin, dass fundamentale technologische Innovationen die Arbeitsbedingungen, das Arbeitsumfeld und die Berufsbilder teils stark verändern dürften. Demnach müssen Beschäftigte in Zukunft häufiger als bisher neue Kenntnisse und Fähigkeiten erlernen, während bereits erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten unter Umständen an Wert verlieren. Damit wird eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung nach Abschluss der beruflichen oder akademischen Ausbildung immer wichtiger,” so Petra Bratzke, Chefin der Hallenser Arbeitsagentur.

Jugendliche 
Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen hat sich im März 2019 kaum verändert mit – 6 Personen. Die Arbeitslosen 15- bis unter 25-Jährigen haben einen Anteil von 9,4 Prozent (1.569) aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Halle. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (1.644) ist ein leichter Rückgang erkennbar.

Aktuell stehen 1.735 freie Ausbildungsstellen zur Verfügung. Demgegenüber sind im März 2019 insgesamt 1.202 Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet. 

“Diese komfortable Ausgangssituation bedeutet, dass es ausreichend Chancen am regionalen Ausbildungsmarkt gibt. Mit zahlreichen Ausbildungsmessen und Berufsorientierungsveranstaltungen bieten wir die notwendige Transparenz am Ausbildungsmarkt und hoffen, dass zahlreiche Jugendliche der Region einen Ausbildungsplatz finden werden”, so Bratzke bei Ihrem heutigen Besuch beim Ausbildungsverbund Olefinpartner gGmbH in Schkopau.

Unter der 0800 4 5555 00 gibt es Informationen zu den aktuell freien Ausbildungsstellen.

Stellenangebote 
Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters Halle(Saale) wurden 870 neue Stellen gemeldet. Der Bestand an Stellen steigt somit weiter. Damit bleibt der Arbeitskräftebedarf in der Region auf hohem Niveau. 
“Die zweithäufigste Ursache, weshalb Unternehmen Stellen nicht besetzen können, sind zu geringe oder unpassende Qualifikationen der Bewerber – dies nennen immer mehr Unternehmen. Besonders die Industrie und der Handel sind betroffen. Viele Industrieunternehmen benötigen stark spezialisierte Fachkräfte mit technischen Qualifikationen.

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung in industriellen Produktionsprozessen steigen die Anforderungen und ändern sich zudem schneller als früher. Insbesondere wenn Zeiten längerer Arbeitslosigkeit vorliegen, besteht die Gefahr, dass Wissen verloren geht bzw. veraltet, wodurch eine Einstellung Arbeitsloser erschwert wird”, so Petra Bratzke mit Blick auf das neue Qualifizierungs- und Chancengesetz.

Seit dem 1. Januar 2019 gilt das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung. Die wesentlichen Bausteine des Gesetzes sind:

Erweiterter Zugang zur Weiterbildungsförderung 
Beschäftigte erhalten grundsätzlich Zugang zur Weiterbildungsförderung auch unabhängig von Qualifikation, Lebensalter und Betriebsgröße, wenn sie als Folge des digitalen Strukturwandels Weiterbildungsbedarf haben oder in sonstiger Weise von Strukturwandel betroffen sind. Der Ausbau der Förderung richtet sich auch an diejenigen, die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. Darüber hinaus wurden die Förderleistungen verbessert: Neben der Zahlung von Weiterbildungskosten wurden die Möglichkeiten für Zuschüsse zum Arbeitsentgelt bei Weiterbildung erweitert.

Arbeitslosigkeit in den beiden Rechtskreisen 
Im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosengeld I) waren 267 Frauen und Männer im März 2019 weniger arbeitslos. Hier waren 4.506 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 263 weniger als im Jahr zuvor. 
Im Rechtskreis der Grundsicherung (SGB II) ist die Arbeitslosigkeit von Februar auf März um 140 Personen zurückgegangen, im Bereich des SGB II gab es im März 12.202 Arbeitslose, 1.741 weniger als im Vorjahr.

Der Rückgang in der Grundsicherung verläuft langsamer über alle Arbeitslose betrachtet und zeigt deutlich die strukturelle Problematik am aktuellen Arbeitsmarkt.

Blick in die Geschäftsstellen 
Regional bietet sich weiterhin ein differenziertes Bild. In der Stadt Halle waren im März 10.068 Personen arbeitslos gemeldet, 163 weniger als vor einem Monat, von denen 7.634, d. h. ein Minus von 78 Personen nach dem SGB II betreut werden (75,8%). Die Arbeitslosenquote der Stadt Halle liegt weiterhin mit 8,6 Prozent über dem Agenturdurchschnitt (7,7 %).

Im Saalekreis sind aktuell 6.640 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag mit 6,7 Prozent deutlich unter dem Agenturdurchschnitt. Dies sind 244 Arbeitslose weniger als im Vormonat und 956 weniger als noch vor einem Jahr. Der SGB II-Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug mit 4.568 Personen (- 62) zum Vormonat (68,8%).

Die Zahl der Arbeitslosen im Einzugsbereich der Geschäftsstelle Merseburg sank um 148 Personen bzw. 2,8 Prozent auf 5.113.

Fazit
“Die duale Ausbildung sollte noch weiter gestärkt werden. Wichtig dafür ist, deutlich zu machen, dass nicht nur ein Studium, sondern auch eine duale Ausbildung sowie die höhere Berufsbildung attraktive Karriereoptionen bieten. Zudem müssten die Berufsschulen gestärkt und die digitale Infrastruktur ausgebaut werden.

Auch wenn die meisten Ausbildungsberufe und Fortbildungsabschlüsse schon gut für das digitale Zeitalter gerüstet sind, sollten auch einige neue Berufe entstehen, die den digitalen Umbrüchen in der Wirtschaft Rechnung tragen. Dazu zählt aktuell beispielsweise der Kaufmann im E-Commerce, aber auch ein neues Qualifikationsprofil für das Thema “Big Data”, das zurzeit bei der Neuschaffung der IT-Berufe intensiv diskutiert wird,” so Bratzke abschließend.