Tagung der Uni Halle thematisiert rechte Gewalt der Wendejahre

Audimax Halle

Gab es 1991 einen zweiten „Deutschen Herbst“?

Halle. MLU. In den 1990er Jahren kam es in vielen Orten Deutschlands zu einem Anstieg rechter Gewalttaten: Mehrere Hundert fremdenfeindliche Straftaten wurden allein für September und Oktober 1991 registriert. Eine Tagung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) geht den Ursachen, Wahrnehmungen und Auswirkungen dieser Entwicklung nach. Neben zahlreichen Vorträgen sind auch eine öffentliche Vorführung des Dokumentarfilms “Zeinabs Wunden” und eine öffentliche Podiumsdiskussion geplant. Die Tagung findet am 1. und 2. Oktober im Löwengebäude am Universitätsplatz statt.

Welche Entwicklungen machten diese überhaupt möglich? Wie nahmen Migrantinnen, Migranten und die zusammenwachsende Mehrheitsgesellschaft in Ost und West die weitgehend unerwartete Zunahme rechter Gewalt wahr? Welchen Einfluss hatte sie auf ihre jeweiligen Vorstellungen vom vereinigten Deutschland? Und wie prägte die Gewalt politische und gesellschaftliche Debatten der folgenden Jahre? Diese Fragen stehen im Zentrum der Tagung.

Zusätzlich zum wissenschaftlichen Programm findet am Freitag, 1. Oktober 2021, ab 20 Uhr eine öffentliche Filmvorführung im Puschkino statt. Gezeigt wird der Dokumentarfilm “Zeinabs Wunden”, der die Geschichte eines der Mädchen nacherzählt, die bei dem Brandanschlag in Hünxe verletzt wurden. Im Anschluss findet ein Gespräch mit der Filmemacherin Esther Schapira statt.

Mit der Frage “Wie wollen wir an den ‘Deutschen Herbst’ 1991 erinnern?” befasst sich zudem die Abschlussdiskussion der Tagung, die am Samstag, 2. Oktober 2021, um 15 Uhr im Audimax am Universitätsplatz beginnt. Daran teilnehmen werden Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung), Uta Bretschneider (Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig), Prof. Dr. Ralph Jessen (Vorstand der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur), Dr. Massimo Perinelli (Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), moderiert wird die Runde von Prof. Dr. Fabien Virchow von der Hochschule Düsseldorf.