„Ein Jahr nach dem Anschlag, braucht es mehr als Worte…” – Friedenskreis fordert Konsequenzen

“… ein Handeln in Bezug auf strukturellen Antisemitismus und Rassismus ist längst überfällig!“

Halle. Friedenskreis. Was hat sich seit dem antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlag im vergangenen Jahr verändert? Der Friedenskreis Halle e.V. fordert klarere Konsequenzen als bislang. Ein Text des Vereins gibt Diskussionsimpulse und nennt nötige Schlußfolgerungen.

Für den 09.10.2020 ruft der Friedenskreis Halle e.V. dazu auf, sich am Gedenken und den zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen zu beteiligen.

Morgen jährt sich der antisemitische, rassistische und antifeministische Anschlag vom 09. Oktober 2019 in Halle. Lokale Bündnisse und Vereine rufen zu vielfältigen Aktivitäten und Veranstaltungen auf. Die Stadt Halle und das Land Sachsen-Anhalt organisieren eine Fachtagung und die offizielle Gedenkveranstaltung. Doch was ist im Jahr nach dem Anschlag in Halle geschehen?

 „Wenn wir auf den Prozess gegen den Angeklagten des Anschlags vom 09. Oktober 2019 in Magdeburg schauen, wird die Dringlichkeit der dahinter stehenden Themen – Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus – noch einmal sehr präsent. Das Gerichtsverfahren lässt aber auch die Kraft der Betroffenen und Überlebenden des Anschlags sichtbar werden“, so Christof Starke, einer der beiden Geschäftsführenden des Friedenskreis Halle e.V.

Eine ausreichende Aufarbeitung der gesellschaftlichen und strukturellen Hintergründe ist dagegen ausgeblieben. Die Aktivitäten staatlicher und lokaler zivilgesellschaftlicher Akteur*innen zum Gedenken können daher jetzt erst ein Anfang für die notwendige nachhaltige Auseinandersetzung sein. Das im Frühjahr vom Friedenskreis Halle e.V. veröffentlichte Papier mit inhaltlichen Impulsen und Schlussfolgerungen aus dem Anschlag kann Grundlage für die anstehenden politischen Diskussionen sein. Die Teilhabe auf Augenhöhe der von Antisemitismus und Rassismus betroffenen Menschen ist eine zentrale Voraussetzung dafür. Betroffene müssen bei Aufarbeitungsprozessen von Beginn an gehört werden.

 „Ein Jahr nach dem Anschlag müssen wir auch feststellen, dass Prävention als Zielsetzung von Aktions- und Bildungsprogrammen nicht mehr ausreicht. Vielmehr braucht es ein konsequentes Handeln in Bezug auf strukturellen Antisemitismus und Rassismus“, sagt Christof Starke mit Blick auf das Gedenken morgen. Der Friedenskreis Halle e.V. setzt hier spezifisch auf Konzepte und Bildungsangebote für konstruktive Konfliktbearbeitung.

Einen Überblick über Veranstaltungen und Aktionen rund um den 09. Oktober 2020 hat das Bündnis Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage zusammengestellt:

https://anschlag.halggr.de/gedenken-am-jahrestag-des-anschlags

Das gesamte Diskussionsimpulse- und Schlussfolgerungspapier des Friedenskreis Halle e.V. ist online aufrufbar (PDF):

https://www.friedenskreis-halle.de/attachments/article/2050/Diskussionsimpulse+Schlußfolgerung.pdf