Arbeitsmarkt im Juni 2020: „Arbeitsmarkt-Motor“ stottert noch, läuft aber langsam wieder an

Halle. AfA. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Halle waren Ende Juni 18.517 Frauen und Männer von Arbeitslosigkeit betroffen. Das sind 180 Arbeitslose (-1,0 Prozent) weniger als vor einem Monat. Im Vergleich zum Vorjahr sind gegenwärtig 2.858 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet. (+18,3%)

Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, blieb im zurückliegenden Monat gleich und lag bei 8,7 Prozent.

„Der Bestand an Arbeitslosen ist „corona bedingt“ seit März deutlich gestiegen, am aktuellen Rand verflacht die Kurve und die Arbeitslosigkeit geht leicht zurück. Die Zahl der Personen, die sich aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet haben, geht somit gegenüber dem Vormonat zurück. Auch die Beschäftigungsaufnahmen haben im Juni zugenommen. Ebenso nahmen die Abgänge aus Arbeitslosigkeit in eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme im Vormonatsvergleich zu, weil insbesondere Bildungsmaßnahmen wieder angelaufen sind“, so Petra Bratzke, Chefin der Hallenser Agentur für Arbeit.

Die Entwicklung der Anzeigen für Kurzarbeit lässt deutlich werden, was hätte passieren können, immer noch kommen neue Anträge dazu, allerding erheblich weniger. Alle Daten belegen, dass Kurzarbeitergeld zunächst die Arbeitslosigkeit verhindert.

Insbesondere im Gastgewerbe stehen im Juni deutlich weniger sozialversicherungspflichtige Stellen zur Verfügung. Im Vergleich zum Vormonat ist jedoch eine Zunahme neu gemeldeter Arbeitsstellen im Agenturbezirk zu beobachten.

„Kurzfristig seien weitere negative Überraschungen am Arbeitsmarkt, sowohl bei der Arbeitslosigkeit als auch bei der Beschäftigung nicht auszuschließen. Angesichts der schwersten Rezession der Nachwendegeschichte bleibt die regionale Arbeitsmarktentwicklung aber noch vergleichsweise robust, insbesondere durch die Kurzarbeitergeldregelung. Nun müsse der Arbeitsmarkt aus der Krise gebracht werden, bevor schlechte Jobchancen für Arbeitslose und Berufseinsteiger zu bleibenden Nachteilen führten“, so Bratzke.

Jugendliche und Ältere

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist im Juni 2020 leicht gesunken. Mit 1.911 Personen, d.h. 20 weniger als im Mai 2020. Damit nehmen die 15- bis unter 25-Jährigen einen Anteil von 10,3 Prozent aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Halle ein.

Absolut haben wir 424 Jugendliche mehr als im Vorjahr zur selben Zeit (+ 28,5%) in Betreuung. Aufgrund dessen starten wir aktuell mit Sonderaktionen und appellieren an die Jugendlichen, Eltern und Unternehmen den Berufseinstieg zu organisieren.

Die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitslosen über 50 Jahren ist leicht zurückgegangen (-1,5 Prozent auf 5.573).

„Mit einem Anteil von 30,1 Prozent aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Halle besteht auch hier weiterhin Handlungsbedarf und wir werben mit unseren Mitarbeitern im Arbeitgeberservice verstärkt bei den Arbeitgebern, gemeinsam Chancen und Qualifizierungsmöglichkeiten zu nutzen“, stellt Petra Bratzke mit Blick auf das Qualifizierungschancengesetz fest.

Stellenangebote

In den letzten Monaten war auf dem Arbeitsmarkt praktisch keine Bewegung am Markt zu verzeichnen während der Arbeitsmarkt langsam wieder aufnahmefähig ist.

Die Arbeitgeber meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters Halle (Saale) 704 neue Stellen, damit steigt das Angebot an neu eingehenden Stellenangeboten wieder deutlich zu den Vormonaten. Seit Jahresbeginn hat die Agentur 2.858 Stellen im Portfolio, die zu besetzen sind.

Arbeitslosigkeit in den beiden Rechtskreisen

Im Rechtskreis SGB III waren 1.776 Frauen und Männer im Juni 2020 mehr arbeitslos als im Vorjahresmonat. Im Juni waren 5.725 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet.

Im Rechtskreis SGB II ist die Arbeitslosigkeit von Mai 2020 auf Juni 2020 um 180 Personen gesunken. Im Bereich des SGB II gab es im Juni 2020 12.792 Arbeitslose, 1.082 mehr als im Juni des Vorjahres.

Regional bietet sich weiterhin ein differenziertes Bild

In der Stadt Halle waren im Juni 11.465 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 101 weniger als vor einem Monat, von denen 8.208 (-75) die Grundsicherung bezogen. Der relative Anteil von SGB II Arbeitslosen der Stadt Halle hält sich auf einem hohen Niveau, aktuell 71,6%. Die Arbeitslosenquote der Stadt Halle liegt weiterhin mit 9,8 Prozent über dem Agenturdurchschnitt (8,7%).

Im Saalekreis sind derzeit 7.052 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote bleibt mit 7,3 Prozent deutlich unter dem Agenturdurchschnitt. Dies sind 79 Arbeitslose weniger als im Vormonat aber 1.017 mehr als noch vor einem Jahr. Der SGB II-Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug 65,0 % das entspricht 4.584 Personen (- 105 Personen zum Vormonat).

Die Zahl der Arbeitslosen im Einzugsbereich der Geschäftsstelle Merseburg sank um 69 Personen bzw. 1,3 Prozent auf 5.399.