Verbraucherzentralen warnen: Sicherheit und Wirksamkeit von Lebensmitteln mit Cannabidiol nicht klar

Trend am Rande der Legalität

(verbraucherzentrale /16.01.2020) Der Markt mit Cannabis-Produkten boomt. Dabei drängen neben „klassischen“ Hanflebensmitteln CBD-haltige Produkte, die vor allem als Nahrungsergänzungsmittel in Drogerien, Reformhäusern oder im Internet vermarktet werden, in den Focus. CBD ist das zweithäufigste Cannabinoid in der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) wirkt CBD weder berauschend noch macht es süchtig. Dafür werden dem CBD zahlreiche gesundheitsförderliche Wirkungen nachgesagt (Schmerzmittel, Einschlafhilfe oder Angstlöser). Es stellt sich allerdings die Frage, ob die mit CBD-Extrakten angereicherten Produkte frei von Risiken sind, ob ein gesundheitlicher Nutzen bewiesen ist und ob mit CBD angereicherte Nahrungsergänzungsmittel überhaupt verkauft werden dürfen.

Hanfsamen enthalten in der Regel keine Cannabinoide; Produkte daraus wie Salatöl, Hanfmehl oder -bier dürfen legal vermarktet werden. Bei Tee ist unter bestimmten Bedingungen auch die Verwendung von Hanfblättern zulässig. CBD-Extraktprodukte werden dagegen als Arzneimittel oder als Novel Food behandelt. Als Arzneimittel müssen CBD-Produkte zugelassen werden und sind verschreibungspflichtig. Lebensmittel und damit auch Nahrungsergänzungsmittel mit CBD-Extrakten sind aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit derzeit nicht verkehrsfähig. Sie werden als neuartig eingestuft und müssen zugelassen werden. Eine solche Zulassung, bei der der Antragsteller die Sicherheit seines Produkts belegen muss, liegt derzeit nicht vor. „Die Produkte dürften also gar nicht verkauft werden“, erklärt Christa Bergmann, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Verbraucher sollten sich im Klaren sein, dass weder zu Wirkungen und Nebenwirkungen noch zur richtigen Dosierung ausreichend wissenschaftliche Daten vorliegen“, so Bergmann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist außerdem darauf hin, dass die THC-Gehalte in vielen hanfhaltigen Lebensmitteln zu hoch sind und gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich seien. Im Europäischen Schnellwarnsystem finden sich regelmäßig entsprechende Fälle wie Nahrungsergänzungsmittel oder Grüntee mit hohen THC-Gehalten. Das berauschende THC fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. In Lebensmitteln dürfen deshalb nur 0,2% enthalten sein.

Warum sind die Produkte überhaupt erhältlich?

Den Verkauf von Lebensmitteln, also auch von Produkten mit Cannabidiol, überwachen die jeweils zuständigen Landesbehörden. Einige Bundesländer gehen aktiv mit dem Thema um und nehmen Produkte vom Markt, einige Gerichtsverhandlungen laufen noch – bis zur Entscheidung werden die Produkte weiter angeboten. „Unserer Ansicht nach ist es nicht akzeptabel, dass etwa CBD-angereicherte Öle erhältlich sind, obwohl sie keine Zulassung haben. Wir brauchen ein bundesweit abgestimmtes, einheitliches Vorgehen der zuständigen Behörden“, so die Verbraucherzentrale.