Verbraucherzentrale gibt Tipps zum richtigen Heizen – Geldbeutel und Umwelt entlasten

Verbraucherzentrale

Steigenden Energiepreisen gezielt begegnen

(Verbraucherzentrale / 14.10.2021): Die Preise für Heizöl und Gas steigen weiter stark an. Auswirkungen hat das auch für private Haushalte, die etwa 70 Prozent des Energieverbrauchs nutzen, um den Wohnraum zu heizen und Wasser zu erwärmen. Laut dem Heizspiegel für Deutschland 2021 (co2online) lagen die Heizkosten im Abrechnungsjahr 2020 für eine 70 m² große Wohnung im Mehrfamilienhaus mit Gaszentralheizung zwischen 475 und 965 Euro. In Anbetracht steigender Energiepreise können diese Kosten im kommenden Jahr deutlich höher ausfallen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale gibt Tipps zum richtigen Heizen, die Mietern, privaten Hauseigentümern oder Vermietern helfen, Geldbeutel und Umwelt zu schonen und für ein gesundes Raumklima zu sorgen.

1. Tipp: Nutzen Sie das Heizkörper-Thermostat
Thermostate dienen der Regulierung der Einzelraumtemperatur. Wichtig ist, die Temperatur entsprechend des tatsächlichen Bedarfs einzustellen. Für Wohnräume empfehlen sich 20 bis 22 Grad. In wenig genutzten Räumen sollte eine Temperatur von 16 Grad nicht unterschritten werden. Jedes Grad, um das die Raumtemperatur gesenkt wird, verringert den Energieverbrauch um etwa sechs Prozent. Bei längerer Abwesenheit wird zusätzlich Energie eingespart, wenn die Raumtemperatur gesenkt wird. Mit programmierbaren oder fernsteuerbaren Thermostaten, z. B. als Smart Home-Komponenten, lassen sich Absenk- und Aufheizzeiten genau und komfortabel regeln. Diese können in den meisten Fällen auch in Mietwohnungen gewechselt werden.

2. Tipp: Befreien Sie Ihre Heizkörper
Damit Heizkörper Wohnräume effizient erwärmen können, sollten sie nicht hinter Verkleidungen, Vorhängen oder Möbeln versteckt werden. Dann kann die Raumluft die Heizkörper und Thermostate gut umströmen. Möbel stellt man am besten mit einem Abstand von mindestens 30 Zentimetern auf.

3. Tipp: Entlüften Sie die Heizung.
Gluckert ein Heizkörper oder wird ein Teil der Heizfläche nicht richtig warm, könnte sich Luft im Heizsystem befinden. Mit einem Entlüfter-Schlüssel lässt sich die Luft aus warmen Heizkörpern entfernen. Ist der Heizkörper wieder komplett mit Wasser gefüllt, wird die Heizfläche wieder vollständig genutzt. Sollte die Heizung auch nach dem Entlüften noch gluckern, hilft ein Fachbetrieb weiter.

4. Tipp: Heizungsanlage passend einstellen.
Je niedriger die Vorlauftemperatur im Heizsystem ist, desto geringer ist der Wärmeverlust im Verteilsystem. Viele Heizungen werden über Jahre in der ausgelieferten Werkseinstellung betrieben. Häufig ist dann die Vorlauftemperatur höher als erforderlich. Das führt zu einem um zehn bis fünfzehn Prozent zu hohen Energieverbrauch. Über Nacht kann der Abschaltbetrieb der Heizung genutzt werden. Nur bei zu starker Abkühlung der Wohnräume wird empfohlen, die Heizung durchgehend mit Nachtabsenkung zu betreiben. Frei wählbare Wochenprofile ermöglichen, die persönlichen Nutzungsgewohnheiten abzubilden.

Viele Heizungsanlagen lassen im Sommer einen Wechsel auf Warmwasserbetrieb zu. Je nach Dämmstandard des Gebäudes kann der Sommerbetrieb ab 12-16 Grad Celsius Außentemperatur starten. Auch das spart Energie, da die Heizung dann nur für die Warmwasserbereitung genutzt wird.

5. Tipp: Heizung hydraulisch abgleichen lassen.
Beim hydraulischen Abgleich, der auch nachträglich bei vorhandenen Heizungen empfohlen wird, stellt der Fachbetrieb nach vorheriger Berechnung den Durchfluss an jedem Heizkörper ein und sorgt so für eine gleichmäßige Wärmeabgabe. Häufig ist dafür der Einbau voreinstellbarer Heizkörperventile erforderlich. Der hydraulische Abgleich sorgt für gleichmäßig warme Heizkörper und angenehme Temperaturen in allen Räumen. Gleichzeitig reduziert dieser sowohl die Wärmeverluste der Heizung, als auch den Stromverbrauch für die Heizungspumpe.

Zusatztipp: Alles gut einpacken.
Die effizienteste Heizung kommt an Ihre Grenzen, wenn ein Großteil der Wärme unkontrolliert entweicht. Die nachträgliche Wärmedämmung von Außenwänden, Dach- und Deckenflächen sowie der Einbau von Wärmeschutzfenstern können die Wärmeverluste des Gebäudes erheblich reduzieren. Auch kleinere Maßnahmen sind schon sinnvoll. Dazu gehören beispielsweise die nachträgliche Abdichtung von Fenstern und Türen oder die Wärmedämmung von Heizkörpernischen, Rollladenkästen und Heizungsrohren in unbeheizten Bereichen.

Zusatztipp: Zum richtigen Heizen gehört auch richtiges Lüften
Öffnen Sie die Fenster zum Lüften mehrfach am Tag für wenige Minuten komplett, am besten gegenüberliegende Fenster oder Türen gleichzeitig, um die Luft im Raum schnell auszutauschen und unnötige Wärmeverluste zu vermeiden. Feuchte Luft sollte nach dem Schlafen, Duschen und Kochen schnell ausgetauscht werden. Damit kein Schimmel entsteht, ist es wichtig, die Luftfeuchtigkeit nicht über 50-60 Prozent steigen zu lassen. Mit einem Hygrometer behalten Sie die Luftfeuchtigkeit im Blick. Spätestens wenn die Fenster von innen beschlagen, ist es Zeit, zu lüften.

Bei Fragen zum Heizen, zur passenden Einstellung Ihrer Heizungsanlage, zur Schimmelvermeidung oder zum Dämmen Ihrer Wohnung, hilft die Energieberatung der Verbraucherzentrale mit einem umfangreichen Angebot weiter. Die Beratung findet online, telefonisch oder in einem persönlichen Gespräch statt, erfolgt anbieterunabhängig und individuell.

Das landesweite Servicetelefon der Verbraucherzentrale ist unter (0345) 29 27 800 für Auskünfte und Terminvereinbarungen zu erreichen. Termine für Energieberatung werden außerdem kostenfrei unter 0800 – 809 802 400 vergeben. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.verbraucherzentrale-sachsen-anhalt.de. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.